"Zugehört" - Unsere Serie zur Kommunalwahl RLP

Stinkende Klos und Schimmel - Schulleiter warten verzweifelt auf Hilfe

Das große Berufsbildungszentrum in Ludwigshafen ist ein einziger Sanierungsfall. Das Pech für die Schule: Die für die Ausstattung verantwortliche Stadt Ludwigshafen ist hochverschuldet.

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Von Autor/in Ulrike Brandt

Stinkende Klos, herabstürzende Deckenplatten, Schimmel. Das Georg-Kerschensteiner-Berufsbildungszentrum (BBZ) in Ludwigshafen ist ein großer Sanierungsfall. Das ist seit vielen Jahren so. Frage an die drei Schulleiter: "Wie schaffen Sie es, nicht zu verzweifeln?". Antwort: "Wir sind Berufsoptimisten."

Es kommt selten vor, dass sich Schulleiter öffentlich über Missstände beschweren. Tun sie es doch, ist die Verzweiflung groß. Hier berichtet Mirko Taus, einer der drei Schulleiter am Berufsbildungszentrum in Ludwigshafen, vom Riesen-Sanierungsstau:

Schulleiter schätzen: Rundum-Sanierung kostet 300 Millionen Euro

300 Millionen Euro könnte eine komplette Sanierung des Berufsbildungszentrums in Ludwigshafen kosten - mit allem, was dazu gehört. Das schätzen die Schulleiter. Der Schulträger, die hoch verschuldete Stadt Ludwigshafen, nennt auf Anfrage keine Zahl: "Die Sanierung erfordert teilweise die Auslagerung der Schule in einen zu errichtenden Neubau. Dies bedeutet in der Gesamtheit und im Kontext der Abstimmung mit den Förder- und Genehmigungsbehörden eine große und komplexe Herausforderung."

Das heißt konkret: Auf eine deutliche Besserung wird die Schule noch lange warten müssen. Dieses und nächstes Jahr sollen die notwendigsten Brandschutzmaßnahmen gemacht werden, verspricht die Stadt. Und: vom Digitalpakt hat die Schule wie viele andere auch profitiert. In den Räumen hängen Whiteboards statt Tafeln.

Gemeinde- und Städtebund: Bürokratie erschwert Schulsanierungen

Marode Schulgebäude in Ludwigshafen, in Trier, in Kaiserslautern. Vieles, was in den 1960er und 1970er Jahren neu gebaut wurde, bräuchte heute eine Rundum-Sanierung. "Anfang der 2000er Jahre hätte man diesen Sanierungs-Kraftakt schon stemmen müssen", sagt Moritz Petry, Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes RLP. Dass der laufende Unterhalt der Gebäude oft nicht angegangen wurde, sei kein böser Wille der Kommunen gewesen. "Das lag an den kommunalen Finanzen, dass der Sanierungs-Stau so aufgelaufen ist."

Anfang der 2000er Jahre hätte man diesen Sanierungs-Kraftakt schon stemmen müssen.

Die Städte im Land seien bei der Sanierung der Schulen an den "Grenzen ihrer personellen und finanziellen Belastbarkeit". Das schreibt der Städtetag Rheinland-Pfalz. Die Mitgliedsstädte fordern deutlich höhere Fördersummen und Entlastungen durch das Land.

Doch es liegt nicht nur am Geld, dass die Sanierung der Schulen im Land nicht vorankommt. Stichwort: Bürokratie. Jedes neue Förderprogramm zieht neue Richtlinien nach sich. Deswegen fordert der Gemeinde- und Städtebund: mehr pauschale Förderung mit weniger Förderbürokratie. Geschäftsführer Petry: "Natürlich will das Land schauen, dass wir Fördermittel ordentlich ausgeben. Aber gleichzeitig ist auch ein Misstrauen da gegenüber den Kommunen, da müsste es mehr Vertrauen geben." Über viel zu viel Bürokratie klagt auch der Städtetag Rheinland-Pfalz: "Die Förderverfahren müssten wesentlich vereinfacht und die Antragsfristen verlängert und flexibilisiert werden."

"Die Investitionen in die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen muss positiver bewertet werden."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz fordert ausreichende finanzielle Ressourcen für die Sanierung und den Neubau von Schulen. Denn: Kinder und Jugendliche bräuchten ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen und lernen können. "Die Kommunen sollten Schulbaumaßnahmen stärker in den Blick nehmen als positive Standortfaktoren", schreibt die GEW dem SWR. So könnten junge Familien und Unternehmen angezogen werden.

Mainz: Toilettenwache nach Sanierung

Klar, es gibt auch positive Beispiel aus dem Land. Im vergangenen Jahr hat zum Beispiel das Schlossgymnasium in Mainz neue Toiletten bekommen. Damit die aufwendig sanierten stillen Örtchen sauber und benutzbar bleiben, hat sich die Schule eine kreative Lösung einfallen lassen: die Zwölftklässler "übernehmen die Toilettenwache".

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