Nach Beschluss auf CDU-Bundesparteitag

Social-Media-Verbot unter 14 Jahren? Das sagen Eltern und Schüler in BW

Die Debatte um ein Mindestalter für Social Media reißt nicht ab - CDU, SPD und Grüne fordern strengere Regeln. Doch was würde ein Verbot bringen und was sagen die Schüler in BW? 

Teilen

Stand

Von Autor/in Alban Löffler

Sollten Plattformen wie Instagram und TikTok für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren verboten sein? Über ein mögliches Social-Media-Verbot wird derzeit viel diskutiert. Zuletzt hatte sich die CDU für ein Mindestalter ausgesprochen - SPD und Grüne sind ebenfalls für strengere Regeln. Von AfD, FDP und Linke kommt hingegen Kritik für den Vorschlag. Der Landesschülerbeirat Baden-Württemberg fordert mehr Mitsprache für Kinder und Jugendliche.

Expertin warnt vor Suchtgefahr durch Social Media

"Eine Regulierung ist auf jeden Fall notwendig, damit wir den Zugang zu Social Media bis 14 Jahre erschweren können", sagt Petra Grimm von der Hochschule der Medien Stuttgart dem SWR. Sie forscht zu Medienethik und zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen.

Die Wissenschaft warne schon lange vor den Gefahren von TikTok, Instagram und Co., sagt Grimm: "Wir wissen, dass Social Media uns unglücklich und abhängig machen kann." Neuropsychologische Befunde zeigten, dass die Nutzung von Social Media der kindlichen Entwicklung schaden könnte - zudem warnt die Medienforscherin vor politischer Einflussnahme und Cyber-Mobbing auf den Plattformen.

Technische Hürden bei der Umsetzung einer Altersgrenze

Ein Altersgrenze für Social Media stehe aber zunächst vor praktischen Hürden - Stichwort: Datenschutz. "Wie kann man das Alter der Kinder und Jugendlichen abfragen? Da braucht es sichere Formen der Alterserfassung", sagt Grimm.

Die SPD hatte in einem Positionspapier die EUDI-Wallet (EU Digital Identity) zur Verifikation vorgeschlagen: ein europäischer Online-Ausweis, der ab 2027 zur Verfügung stehen soll. Doch Experten bezweifeln die technische Umsetzbarkeit und warnen vor einem Datenabfluss an die Anbieter.

Baden-Württemberg

CDU-Bundesparteitag kurz vor der Landtagswahl in BW Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 rückt näher - CDU BW lenkt ein

Vor der BW-Wahl übt sich die CDU bei ihrem Bundesparteitag in Disziplin. Beim Social-Media-Verbot gibt es einen Kompromiss. Auch BW-Spitzenkandidat Hagel lenkt hier ein.

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Sport SWR BW

Social-Media-Verbot als Ergänzung zu Medienbildung

In Australien gilt seit Dezember 2025 ein Social Media Verbot für unter 16-Jährige, hier wird den Plattformen die Altersprüfung überlassen. Doch immer wieder gelingt es Kindern und Jugendlichen dort, diese Altersgrenze zu umgehen. Mögliche Schlupflöcher sind für Grimm aber kein Argument gegen eine Regulierung: "Das Problem betrifft doch jede Form eines Verbots: Ich kann mit Tempo 150 fahren, obwohl nur 80 geboten ist oder ich kann rauchen, obwohl ich eigentlich zu jung bin", sagt Grimm.

Wir können nicht nur mit Regulierungen und Verboten arbeiten.

Ein solches Verbot könne zudem nur eine Ergänzung, eine "Flankierung" für andere Maßnahmen sein, betont Grimm: "Wir können nicht nur mit Regulierungen und Verboten arbeiten." Für die Medienexpertin bleibt wichtig, dass Kinder und Jugendliche über die Gefahren von Social Media aufgeklärt werden und den Umgang mit digitalen Medien erlernen. Doch wenn durch Social Media die Gefahr einer massiven Abhängigkeit bestehe, müsse man auch klare Grenzen ziehen, so Grimm.

Alternative Angebote zu Social Media

Trotz den Gefahren betont Grimm: "Soziale Medien können uns durchaus positive Erfahrungen und Möglichkeiten bieten - aber in der aktuellen, kommerzialisierten Form passiert das eben nicht." Sie fordert einen stärkeren Fokus auf ein ethisches Design von Social Media, bei dem die Interessen der Nutzenden im Vordergrund stehen: "Ich halte es für wichtig, dass wir alternative Angebote haben."

Landesschülerbeirat gegen pauschales Verbot

"Wir wollen besser geschützt werden, aber das geht am besten durch Regulierung, anstatt durch Verbote", sagt Joshua Meisel, Vorsitzender des Landesschülerbeirats BW. Laut Meisel sind Plattformen wie YouTube schon heute regulärer Teil des Bildungsalltags, Lehrkräfte greifen für ihren Unterricht zum Beispiel auf Erklärvideos zurück. Da sei es "vollkommen absurd", wenn diese Plattformen Zuhause für die Schüler und Schülerinnen plötzlich als "hochgefährlich" gelten.

Wir wollen besser geschützt werden, aber das geht am besten durch Regulierung, anstatt durch Verbote. 

Meisel fordert daher eine bessere Differenzierung: Altersbegrenzungen für spezielle Funktionen und Inhalte hält der Landesschülerbeirat für sinnvoll. Doch nur wenn bestimmte, gefährliche Funktionen essentiell für das Funktionieren einer Plattform sind, könne man in diesen Fällen über ein generelles Mindestalter sprechen: "Eine allgemeine Altersgrenze darf nur das Ergebnis und nicht das Ziel einer Maßnahme sein." Meisel fühlt sich in der Diskussion um ein Social-Media-Verbot von der Politik "kaum gehört" und wünscht sich mehr Mitspracherecht - denn "diese Debatte geht oft an unserer Realität vorbei."

Landeselternbeirat fordert Medienbildung auch für Erwachsene

"Ein solches Verbot ist sicher ein Weg, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren von Social Media zu bewahren", sagt Sebastian Kölsch, Vorsitzender des Landeselternbeirats Baden-Württemberg. Eltern müssten zwar weiterhin mit ihren Kindern eine Vereinbarung zur Bildschirmzeit zu treffen: "Doch mit dem Verbot weiß ich als Elternteil, dass mein Kind in dieser Zeit nicht durch suchtfördernde Apps in eine Sucht hineingezogen wird."

Kölsch fordert gegenüber dem SWR eine bessere Aufklärung über Social Media, die über die Schulen hinausgeht: "Damit auch die Eltern wissen, mit was für einem Gegner sie es zu tun haben", sagt Kölsch - viele Erwachsene seien sich den Gefahren von Social Media nicht umfassend bewusst.

Plattformbetreiber könnten strenger reguliert werden

Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale BW ist etwas "zwiegespalten, weil der Vorschlag noch ein bisschen zu kurz gegriffen ist." Zwar befürworte er ein mögliches Mindestalter für Social Media - doch er fordert auch eine strengere Regulierungen der Plattformen. "Da macht der deutsche Staat einfach noch zu wenig", sagt Buttler dem SWR. Das EU-Recht biete bereits Möglichkeiten, um härter gegen Plattformbetreiber vorzugehen - etwa bei süchtigmachenden Designs oder Desinformation auf Social Media.

Baden-Württemberg

CDU-Bundesparteitag kurz vor der Landtagswahl in BW Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 rückt näher - CDU BW lenkt ein

Vor der BW-Wahl übt sich die CDU bei ihrem Bundesparteitag in Disziplin. Beim Social-Media-Verbot gibt es einen Kompromiss. Auch BW-Spitzenkandidat Hagel lenkt hier ein.

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Sport SWR BW

Tübingen

Interview mit Tübinger Kinder- und Jugendpsychologin "Freundschaften zerbrechen, Schule leidet": Gefahr Social Media

TikTok, Instagram und Co.: Soll Social Media für Kinder verboten werden? Die Tübinger Psychologin Isabel Brandhorst erklärt, warum das sinnvoll sein könnte – und was Eltern tun sollten.

Stuttgart

Ratschläge für Medien und Politik Social-Media-Verbot für Kinder? Das empfiehlt ein Bürgerforum in BW

Wie soll die Medienlandschaft der Zukunft aussehen? Darüber haben mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger diskutiert - und ihre Vorschläge präsentiert.

ARD Musikclub Party SWR1

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Alban Löffler
Alban Löffler

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!