Erfolgreicher Wissen-Podcast hat seine Wurzeln im Schulfunk
"Das Wissen" ist nicht nur ein erfolgreicher Podcast, es war auch einer der ersten öffentlich-rechtlichen Podcasts überhaupt. Und den wenigsten, die ihn heute hören, ist bewusst, dass dieser Podcast seine Ursprünge im alten Schulfunk hat.
Der Schulfunk gab es schon im Radio der 1950er-Jahre. Es war, wie der Name ahnen lässt, ein gediegenes Bildungsprogramm mit zeitlosen Themen – viel Geschichte, Kultur, aber auch Naturwissenschaft. Offiziell gedacht für Schülerinnen und Schüler, hauptsächlich aber genutzt von erwachsenen Radiohörern.
Aus dem Schulfunk wurde ein modernes Radiofeature
Der Physiker Detlef Clas kam 1977 vom Europäischen Kernforschungszentrum CERN in die Schulfunkredaktion des Süddeutschen Rundfunks. Er half mit, aus dem Schulfunk zunächst ein modernes, akustisch reizvolles Radiofeature zu machen. Mit der Entstehung des Radioprogramms SWR2 wurde auch der Name "Schulfunk" gestrichen und die Sendung in SWR2 Wissen umbenannt (seit 2024 "Das Wissen").
Physiker Detlef Clas: frühe Experimente mit digitalen Möglichkeiten des Rundfunks
Ein Steckenpferd von Detlef Clas waren von Anfang an Computerthemen, später das Internet. Auch das war ein Einfluss seiner CERN-Vergangenheit. Er experimentierte früh mit den digitalen Möglichkeiten des Rundfunks und sorgte dafür, dass 2004 SWR2 Wissen einer der ersten und einer der meistgehörten öffentlich-rechtlichen Podcasts wurde.
Seine Redaktion war es auch, die 2007 das Archivradio einführte – doch das ist ein anderes Thema.
2016 ging Detlef Clas in den Ruhestand. Neun Jahre später spricht er über diese Entwicklung.
Rundfunktechnik
1920er / 1978 Heinrich Brunswig: Die Radiotechnik der 1920er
1920er | 1923 nahm mit der Funkstunde AG Berlin die erste Rundfunkgesellschaft in Deutschland ihren Betrieb auf. Heinrich Brunswig war Rundfunktechniker dieser frühen Phase. 1978 erzählt er von dieser Zeit. | 100 Jahre Radio | archivradio.de
24.11.1933 Württembergs Ministerpräsident Mergenthaler über den Rundfunk
24.11.1933 | Der württembergische Ministerpräsident Christian Mergenthaler spricht im Stuttgarter Staatstheater über die Kultur im Rundfunk. Heinrich Hertz und "die wunderbaren Gebilde der elektrischen Wellen". Elektronen füllen uns mit Andacht. Wenn die Stimme des Führers zu einem 60-Millionen-Volk spricht. Gibt außer Buchdruckkunst-Erfindung nichts Größeres als diese Übertragung der Rede. Technik ist nicht kulturfeindlich. Schwäbische Stämme gehen in die Tiefe. Soldatische Auffassung. Kulturelle Schöpfungen des Schwabenlandes. Kepler, Hölderlin, Schiller. Trotz unserer Liebe zu Schwaben gibt es für uns nur ein Vaterland: Deutschland.
30.8.1963 Willy Brandt freut sich über Stereophonie
30.8.1963 | Im 40. Jahr seines Bestehens gönnt sich der deutsche Rundfunk eine neue Technik: Die Stereophonie. Vorgestellt wird sie auf der Funkausstellung in Berlin. Der regierende Bürgermeister Willy Brandt hält die Eröffnungsrede und freut sich, dass man jetzt Radio in Stereo hören kann.
Nach der Einführung der Stereophonie dauert es allerdings noch lange, bis sie sich wirklich durchsetzt. Bis zum Ende der 1960er-Jahre können nur 12 Prozent der Hörerschaft Stereoprogramme empfangen. Erst in den 1980er-Jahren werden wirklich alle Radioprogramme durchgängig in Stereo gesendet.
Bildung und Schule
30.8.1944 Reichsrundfunk berichtet über Alfred Wegener und die Kontinentalverschiebung
30.8.1944 | Der Reichsrundfunk berichtet über Alfred Wegeners Theorie der Kontinentalverschiebung. Wegener hatte diese 1912 vorgestellt, allerdings waren seine Belege noch schwach.
29.9.1954 Erich Kästner plaudert mit Kindern übers Bücherschreiben
29.9.1954 | Mit seinem großen Erfolg "Emil und die Detektive" von 1929 wird Erich Kästner zum beliebtesten Kinderbuchautor der Deutschen. Der Schriftsteller nimmt Kinder ernst – das gilt für seine literarischen Figuren wie den Emil, das Lottchen oder Pünktchen und Anton.
Es gilt aber auch für seine jungen Leserinnen und Leser, die Erich Kästner zu verschiedenen Gelegenheiten immer wieder trifft. Hier plaudert er am 29. September 1954 mit Kindern in einer Berliner Buchhandlung über seine Arbeit. Der Westberliner Rundfunk ist damals mit einer Reporterin dabei.
7.11.1964 Länder einigen sich: Schulbeginn nach den Sommerferien
7.11.1964 | Wann beginnt das neue Schuljahr? Die NS-Regierung hatte den Schuljahresbeginn 1941 einheitlich auf den September festgelegt. Das änderten die Besatzungsmächte nach dem Krieg. 1948 wurde in den westlichen Besatzungszonen beschlossen, das Schuljahr im Frühjahr beginnen zu lassen, im April, faktisch nach den Osterferien. Eine Ausnahme war Bayern, da blieb es beim Herbst.
1964 gibt es den Wunsch nach einer bundeseinheitlichen Regelung. Es gewinnt die Bayerische Lösung: Schulbeginn im Herbst. Darauf einigen sich die Kultusminister im sogenannten Hamburger Abkommen am 28. Oktober 1964. Eine Woche später erläutert der baden-württembergische Kultusminister Wilhelm Hahn die Gründe. Die Kultusminister hätten sowohl lernpsychologische als auch praktische Erwägungen berücksichtigt.
Die wichtigsten Gründe für die Entscheidung: Die Sommerferien sind so lang, dass sie sich als die bessere Zäsur zwischen den Schuljahren eignen. Und: Die Länder passten sich mit der Einigung an das Ausland an, wo ebenfalls die Herbstlösung dominierte.
In den meisten Ländern, die sich umstellten, gab es im Anschluss an die Entscheidung zwei Kurzschuljahre, sodass 1967 die Umstellung vollzogen war.
22.10.1969 Prügelstrafe an Schulen: Rheinland-Pfalz diskutiert über Abschaffung
22.10.1969 | Ohrfeigen, Kopfnüsse, Schläge auf die Finger – Das waren früher anerkannte pädagogische Erziehungsmethoden an Schulen. In der DDR wurde die Prüfelstrafe bereits nach dem Krieg verboten, in westdeutschen Schulen war sie weiterhin erlaubt, bis in den 1960er Jahren langsam ein Umdenken stattfand. In mehreren Bundesländern wird das sogenannte „Züchtigungsverbot“ an Schulen eingeführt. Und so stellt der Südwestfunk am 22. Oktober 1969 die Frage: Warum darf an Rheinland-Pfälzischen Schulen noch geprügelt werden?
21.9.1970 SWF startet Schulfernsehen: TV-Pflicht an 243 Schulen!
21.9.1970 | An den Schulen herrscht Aufbruchstimmung, die Politik will, dass möglichst viele Kinder an Bildung partizipieren können. In diesem Geist entsteht das Schulfernsehen.
26.4.1974 "Sind Sie ein bürgerlicher Autor?" – Martin Walser beantwortet Schülerfragen
26.4.1974 | In der SDR-Schulfunk-Sendung "Wortwechsel" vom 26. April 1974 stellt sich der Autor Martin Walser (1927 - 2023) den Fragen von Schülerinnen und Schülern Es geht um seine Motivation, um die gesellschaftliche Aufgabe des Schriftstellers, um die Frage, ob er ein "bürgerlicher" Autor ist und um politische Haltungen.
Martin Walser äußert sich auch zum Lektürekanon im Deutschunterricht. Die Schüler wünschen sich im Unterricht mehr zeitgenössische Literatur statt klassischer Texte, Martin Walser hält dagegen – und verweist interessanterweise auf seine Prägungen durch den Religionsunterricht.