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Malcolm X – Schwarzer Nationalist und Freiheitskämpfer

Malcolm X gilt als Visionär der US-Bürgerrechtsbewegung. Als Mitglied der militanten Nation of Islam hatte er aber Differenzen mit der gewaltfreien Bewegung um Martin Luther King.

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Von Autor/in Christoph Drösser

In Zeiten von Black Lives Matter und Diskussionen um Polizeigewalt gegen Schwarze ist das Vermächtnis vn Malcolm X aktueller denn je. Zeitzeugen, Historiker und Aktivisten zeichnen ein differenziertes Bild des charismatischen, aber auch widersprüchlichen Nationalisten und Freiheitskämpfers. Wer war dieser Mann?

Porträt des Menschenrechts-Aktivisten Malcolm X bei einer Veranstaltung 1963 in New York. Malcolm X bei einer Veranstaltung 1963 in New York: Der Aktivist nahm als einer der wichtigsten Anführer der Bürgerrechtsbewegung starken Einfluss auf die Bewegung der Schwarzen-Emanzipation in den USA
Malcolm X bei einer Veranstaltung 1963 in New York: Der Aktivist nahm als einer der wichtigsten Anführer der Bürgerrechtsbewegung starken Einfluss auf die Bewegung der Schwarzen-Emanzipation in den USA Robert Haggins/AP Photo

Black-Lives-Matter-Bewegung beruft sich auf Malcolm X

Malcolm X, geboren am 19. Mai 1925, wurde nur 39 Jahre alt. Für die Sicherheitsdienste der USA war er der Staatsfeind Nummer 1, heute sind Schulen und Straßen nach ihm benannt. Auch die Aktivistinnen und Aktivisten der Black-Lives-Matter-Bewegung berufen sich auf ihn. Andere werfen ihm bis heute vor, ein schwarzer Nationalist gewesen zu sein, der sich nie von politischer Gewalt distanziert hat.

Die gehobene Mittelschicht, sowohl der Weißen als auch der Schwarzen, tut sich nach wie vor schwer mit Malcolm X. [...] Also diese Idee, dass da jemand war, der zum ersten Mal wirklich aufgestanden ist und Schwarzen so ein neues Selbstbewusstsein gegeben hat  und auch gesagt hat, ihr müsst stolz sein auf euer Erbe.

Sein Elternhaus prägte den kleinen Malcolm Little, so sein Geburtsname, schon früh. Die Familie war zerrüttet, der Vater ein notorischer Fremdgänger. Erfahrungen mit Rassismus gehörten zum Alltag des jungen Malcolm. Als er vier Jahre alt war, brannte das Haus der Familie im US-Staat Michigan ab. Der Vater starb, als Malcolm sechs war, die Mutter hatte psychische Probleme. Der 13-jährige Malcolm wurde bei Pflegeeltern untergebracht. In der Schule wurde ihm klargemacht, dass ihm als Schwarzem nicht alle Karrierewege offenstanden.

Malcolm X – vom Kriminellen zum Bürgerrechts-Aktivisten

Malcolm zog zunächst nach Boston, später nach Harlem, der vorwiegend von Schwarzen bewohnte Stadtteil von New York. Dort geriet er auf die schiefe Bahn: Drogenhandel, Glücksspiel, Prostitution. Zurück in Boston, wurde er schließlich 1946 mit einer gestohlenen Uhr verhaftet und wanderte erst einmal für sechs Jahre ins Gefängnis.

Im Gefängnis legt Malcolm seinen Nachnamen "Little" ab, der seinen Vorfahren von Sklavenhaltern verliehen worden war, und nennt sich Malcolm X – das X steht für den unbekannten Namen der afrikanischen Ahnen. Und er nutzt die Bibliothek des Gefängnisses, um sich weiterzubilden.

Noch im Gefängnis beantragt er die Mitgliedschaft in der Nation of Islam, einer kleinen, nationalistischen schwarzen Bewegung. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wird Malcolm X die rechte Hand von Elijah Muhammad, dem Anführer der Nation of Islam, und das Gesicht der Organisation.

Malcolm X  hält am 6. August 1963 während einer Veranstaltung in New York eine Rede und hält vor dem Publikum eine Zeitung hoch. Mit seinem Kampfgeist und Einsatz für die Rechte der Schwarzen inspirierte er zahlreiche Bewegungen, die sich für die Rechte der Schwarzen in den USA einsetzten, zuletzt die Black-Lives-Matter-Bewegung.
Malcolm X hält als Schlüsselfigur der "Nation of Islam"-Bewegung während einer Veranstaltung in New York am 6. August 1963 eine Rede AP / Anonymous

Malcolm X möchte, dass die Organisation sich politisch in die Bürgerrechtsbewegung einmischt. Deutlich wird das nach der Ermordung von Präsident John F. Kennedy 1963. Malcolm X lässt sich von einem Reporter zu einer unbedachten Äußerung hinreißen:

Well, his death was a case of chickens coming home to roost.

Auf Deutsch so etwas wie "mit dem Tod hat ihn seine Vergangenheit eingeholt“. Es kommt zum Zerwürfnis mit Elijah Muhammad, auch wenn Malcolm X später seine Aussage relativiert. Malcolm X entfernt sich immer weiter von der Ideologie der Nation of Islam und tritt schließlich 1964 aus der Organisation aus. Mit diesem Bruch beginnt die zweite Metamorphose des Malcolm X.

Malcolm X gründet 1964 die "Organization of Afro-American Unity"

Er begibt sich auf eine Pilgerreise nach Mekka. Zurück in den USA gründet Malcolm X eine eigene Bürgerrechtsorganisation, die Organization of Afro-American Unity. Die Nation of Islam kocht vor Wut über den Abtrünnigen.

Am 21. Mai 1964 spricht Malcolm X im Hotel Theresa in Harlem, New York. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits aus der "Nation of Islam" ausgetreten und hatte seine eigene Bewegung "Organization of Afro-American Unity" gegründet. Sein Vermächtnis als Kämpfer für die Rechte der Schwarzen inspiriert bis heute Menschenrechts-Aktivisten in den USA.
Am 21. Mai 1964 spricht Malcolm X im Hotel Theresa in Harlem, New York. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits aus der "Nation of Islam" ausgetreten und hatte seine eigene Bewegung "Organization of Afro-American Unity" gegründet. ASSOCIATED PRESS

Malcolm X lebt damals mit seiner Frau Betty und vier Kindern im New Yorker Stadtteil Queens. Das bescheidene Haus gehört der Nation of Islam. Im Februar 1965 werfen unbekannte Täter eine Brandbombe in das Haus. Malcolm X macht öffentlich die Nation of Islam für den Anschlag verantwortlich. Er wirft ihr vor, dieselben Methoden zu benutzen wie der weiße Ku Klux Klan.

Mord an Malcolm X 1965 bis heute nicht restlos aufgeklärt

Am 21. Februar 1965 soll er eine Rede im Audubon Ballroom in New York halten. Doch dazu kommt es nicht mehr: Malxolm X stirbt an diesem Tag durch Schüsse bei einem Attentat. Drei Angehörige der Nation of Islam werden festgenommen und verurteilt. Zwei von ihnen werden erst 2021 rehabilitiert, weil die Polizei entlastende Beweise zurückgehalten hatte. Bis heute ist der Mord nicht restlos aufgeklärt.

Für mich völlig klar, dass Elijah Muhammad die Ermordung dann von Malcolm X angeordnet hat.

Nach seinem Tod wurde Malcolm X zu einer Ikone des schwarzen Widerstands. Der Freiheitskämpfer stand für ein stolzes schwarzes Selbstbewusstsein. Dennoch stand er damals und steht auch heute noch im Schatten von Martin Luther King – dem anderen großen Kämpfer für die Rechte der Schwarzen in den USA. King wurde drei Jahre nach Malcolm X ermordet.

Vermächtnis inspiriert weitere Menschenrechts-Bewegungen in den USA

Die Menschenrechts-Bewegung in den USA prägt sein kämpferischer Geist bis heute: Malcolm X inspiriert mit seiner kompromisslosen Haltung zunächst die Black-Panther-Bewegung in den 1960er-Jahren und noch heute die Black-Lives-Matter-Bewegung.

Der nahm wirklich kein Blatt vor den Mund. Als ich seine Autobiografie gelesen habe, [...] war ich wirklich inspiriert von seinem Feuer.

Was aus ihm geworden wäre, wenn er mehr Zeit gehabt hätte? Und was das für die Geschichte der USA in den letzten 60 Jahren bedeutet hätte? – Darüber werden seine Anhänger, aber auch seine Gegner noch lange spekulieren.

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Den vollständigen Text finden Sie hier: http://swr.li/AmandaGorman

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