Gedächtnis

Warum können wir uns Handgeschriebenes besser merken?

Wer mit der Hand auf Papier schreibt, kann sich Dinge besser merken, als wenn er in einen Bildschirm tippt. Das belegen zahlreiche Studien. Doch warum ist das so?

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Von Autor/in Anne Nothtroff | Sprecherin: Veronika Simon

Schreiben mit dem Stift aktiviert das Gehirn

Wenn wir mit der Hand schreiben, passiert im Gehirn mehr, als wenn wir nur tippen. Denn über 30 Muskeln und 15 Gelenke arbeiten dabei zusammen – das ist echte Feinarbeit für unser Gehirn. Und genau diese Bewegung hilft uns beim Merken. Die Schreibbewegungen aktivieren das feinmotorische Areal und das visuelle Gedächtnis. Das Gehirn muss viel tun. Wir können uns deshalb gut an den Text erinnern.

Wenig los im Gehirn: Getipptes A unterscheidet sich nicht sehr vom getippten Z

Wenn wir Maus und Tastatur benutzen, sind die Bewegungen einfach und wiederholen sich. Egal, ob wir ein A oder ein Z tippen: Die Bewegung ist immer gleich und im Gehirn ist weniger los. Wenn wir also beim Schreiben gleichförmige, repetitive Bewegungen ausführen, merken wir uns den Text nicht so gut.

Embodied Cognition: Denken, Fühlen und Bewegung hängen eng zusammen

Für den positiven Merkeffekt ist es nicht notwendig, analog mit Stift und Papier zu schreiben. Denn es geht um die Motorik. Und die kann man genauso gut mit einem digitalen Stift auf einem Tablet ausführen. Hauptsache die Hand ist so richtig in Bewegung.

Forscher sprechen dabei von "Embodied Cognition". Das bedeutet: Denken, Fühlen und Bewegen hängen eng zusammen. Somit ist nicht nur die Schreibbewegung für unseren Merkprozesses relevant Auch das Gefühl, den Stift in der Hand zu halten und übers Papier zu streichen, hilft beim Erinnern.

Noch besser können wir uns Dinge merken, wenn Gefühle im Spiel sind, denn starke Emotionen setzen Hormone und Botenstoffe frei und im Gehirn ist wieder richtig was los. Genau das hilft beim Erinnern.

Beim Lesen längerer Texte analog wohl vorteilhafter als digital

Aber wie ist das beim Lesen? In Deutschland ist das noch wenig erforscht. Doch es gibt Hinweise: Wer sich in einen längeren Text vertiefen will, kommt mit Papier besser klar. Das zeigt auch der Alltag: Besonders junge Leute greifen gerne zum "echten" Buch. Das überrascht. Schließlich ist das genau die Generation, die für lange Bildschirmzeiten bekannt ist. Für kurze Texte oder zum schnellen Überfliegen macht es keinen Unterschied. Da ist digital genauso gut wie gedruckt.

Wir halten fest: Wenn man sich an etwas erinnern will, sollte man lieber kritzeln statt tippen und blättern statt scrollen.

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Anne Nothtroff | Sprecherin: Veronika Simon

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