Fastnachtsikone Jürgen Wiesmann erhält Ettlinger Narrenbrunnenpreis

Ernst Lustig: "Fastnacht ist ein Ausflug aus dem Alltagsgrau"

Der diesjährige Ettlinger Narrenbrunnenpreis geht an die Mainzer Fastnachtsikone Jürgen Wiesmann, bekannt als Ernst Lustig. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie schmal der Grat zwischen Humor und Sensibilität in der Fastnacht ist und was sie ihm persönlich bedeutet.

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Ettlinger Narrenbrunnenpreis der Fastnacht

SWR1: Helau, Helau, Helau! Was ist das für ein Gefühl, Fastnacht-Oscarpreisträger zu sein?

Jürgen Wiesmann: Das ist ein sehr gutes Gefühl! Es ist auch Motivation, zum einen weiterzumachen, aber auch zum anderen, zufrieden auf das zurückzuschauen, was war. Ohne das, was gewesen wär, kriegt man den Preis ja nicht.

Die Bedeutung von Fastnacht

SWR1: Seit über 20 Jahren sind Sie als Ernst Lustig auf der Bühne. Was bedeutet Ihnen Fastnacht ganz persönlich?

Wiesmann: Fastnacht bedeutet für mich ganz persönlich ein Ausflug aus dem Alltagsgrau. Einfach mal dem Ganzen entfliehen, so ein bisschen, wie wenn man in den Urlaub fährt. Man schlüpft in eine andere Rolle, ist ein ganz anderer Mensch, als man es im privaten Leben ist.

Man versucht einfach, mit seinem Hobby anderen Menschen eine Freude zu machen. Und so sind Hobbys immer unterschiedlich: Manche gehen angeln, ich gehe auf die Bühne und bringe andere Leute zum Lachen.

Die Herausforderungen der Fastnacht im Wandel der Zeit

SWR1: Es gibt ja immer unterschiedliche Phasen in all den Jahren. Gab es da Momente, die leichter oder schwieriger waren und wie ist es gerade in dieser Zeit?

Wiesmann: Zum Schreiben ist es seit Jahrzehnten das Gleiche. Ich stelle mir Jahr für Jahr die Frage "Warum mache ich das?", bis man so einen Vortrag zusammen hat. [...]

Es ist nicht mehr so ganz einfach. Man muss schon ein bisschen aufpassen, was man sagt. Vieles wird mehr auf die Waagschale gelegt als vielleicht noch vor 10 Jahren, was ich eigentlich nicht verstehen kann und wo ich dann auch manchmal sag, Leute, ihr habt die Fastnacht eigentlich nicht verstanden oder den Kokolores.

SWR1: Obwohl der Rahmen die Fastnacht ist, da ist eigentlich alles erlaubt.

Wiesmann: Tja. Es gibt durchaus das Wort, in puncto Humor hört bei uns der Spaß auf. [...] Wenn man beispielsweise Feedback nach der Fernsehsitzung bekommt, in dem Leute schreiben, dass man nicht so auf der Frau rumhacken soll – da sage ich, das ist eine Persiflage. Undd ich halte euch doch eigentlich nur den Spiegel vor, so wie ihr wirklich seid.

Ernst Lustig: Zwischen Trauer und Heiterkeit

SWR1: Im echten Leben arbeiten sie als selbstständiger Trauer- und Hochzeitsredner, und sie sagen auch von sich selbst: "Mein Leben bewegt sich zwischen ernst und lustig". Ist das eine gute Balance?

Wiesmann: Ja, auf der einen Seite gibt einem die Trauer, Dankbarkeit und Wertschätzung der Angehörigen Kraft für die Fastnacht. Man denkt anders über das eigene Leben nach, weil man auch hautnah mitkriegt, dass es ganz schnell anders aussehen kann im Leben. Und auf der anderen Seite ist die Fastnacht und der Applaus und das Lachen auch Balsam für meine Seele. Diese Kraft, die ich dann daraus schöpfe, die kann ich dann wiederum den Trauernden weitergeben.

Das Interview in voller Länge zum Nachhören findet ihr oben.

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