Eine Collage, die viele Facetten von Freundschaft beleuchtet
Schnappschüsse vom ersten gemeinsamen Konzert-Besuch oder einer Party erzählen in vielen Jugendzimmern von Freundschaften. Doch wer tut mir wirklich gut und wen halte ich lieber auf Distanz? Das auszuprobieren und zu erfahren gehört zum Erwachsenwerden dazu. Ein Thema, das die 30-jährige Regisseurin Hannah Frauenrath schon länger beschäftigt.
Gemeinsam mit der Dramaturgin und dem vierköpfigen Schauspiel-Ensemble hat sie ein Stück für Jugendliche entwickelt. Eine Collage, die viele Facetten von Freundschaft beleuchtet und analysiert. In manchen Beziehungen ticken zwei Freunde absolut gleich, in anderen ziehen sich die Gegensätze an.
Für Jugendliche sind Freundschaften ohne Social Media nicht denkbar
Wie in einem Kaleidoskop spiegelt die Inszenierung Beobachtungen und Erfahrungen, die wohl jeder kennt, aufgelockert durch Gesang und Tanz. Wie viele Menschen lässt man wirklich nah an sich heran? Die meisten unterscheiden zwischen Bekannten, Alltagsfreunden und echten Freunden.
Um thematischen Input zu bekommen, hat die Regisseurin vorab einen Workshop mit Jugendlichen durchgeführt. Ganz klar: Für sie sind Freundschaften ohne Social Media nicht denkbar. Aber was steckt dahinter, wenn Freunde auf eine Nachricht nicht sofort antworten? Und ist es ok, wenn eine Freundin kurzfristig absagt, weil sie etwas Besseres vorhat? Das Internet kann da ein wichtiger Ratgeber sein.
Regisseurin Hannah Frauenrath will den Jugendlichen Mut machen
Geheimnis-Verrat, Eifersucht und Peinlichkeiten – all das und noch viel mehr steckt in dem 55-minütigen Theaterstück. Es geht aber auch um Loyalitätsfragen oder homoerotische Gefühle.
Nicht alle Freundschaften halten ewig - auch diese Erkenntnis wird thematisiert. Manche Beziehungen enden im Streit, andere verlaufen im Sande. Das kann manchmal richtig wehtun - und trotzdem will Regisseurin Hannah Frauenrath den Jugendlichen Mut machen:
„Ich würde mir wünschen, dass sich überträgt, dass man Freude am Erforschen von Freund*innenschaft hat. Dass nicht immer alles perfekt oder richtig oder gerade laufen muss, aber dass man Spaß daran hat, diese Beziehungen zu erforschen, ihnen Raum zu geben und vielleicht auch mehr, als man bis jetzt gemacht hat.“
Mehr Theater für Jugendliche
27. Baden-Württembergische Kinder- und Jugendtheatertage in Mannheim Besucher aller Milieus – Jugendtheater erreichen große Vielfalt an Menschen
„Wir erreichen eine Breite der Gesellschaft, die sonst fast keine Kunstform erreicht“, sagt Ulrike Stöck, Intendantin des Jungen Nationaltheaters Mannheim. Sie ist die Gastgeberin der 27. Baden-Württembergischen Kinder- und Jugendtheatertage. Bis zum 12. Juli zeigen alle Kinder- und Jugendtheater des Landes Produktionen aus ihrer laufenden Spielzeit und laden ein, mitzumachen. Im Gespräch mit SWR Kultur sagt Stöck, dass auch die Zukunft unserer Gesellschaft, sowie der Stadt und des Landes auf der Bühne verhandelt werde: „Weil sich Menschen begegnen, die aus allen Herkünften, aus allen Stadtteilen zu uns kommen mit ihren Erfahrungen. Das ist eine besondere Form der Kunst“, so Ulrike Stöck.