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Roter Teppich für Weimar – Festival „Televisionale" stärkt ostdeutsche Perspektiven

Die Televisionale in Weimar will ostdeutsche Geschichten sichtbarer machen. Mit einem überraschend starken Auftakt und regionaler Vielfalt bringt das Festival neue Perspektiven in die deutsche Medienlandschaft.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Ein neugieriger Start in Weimar

Weimar und die „Televisionale“ scheinen neugierig aufeinander zu sein. Die thüringische Kulturstadt, bekannt für Goethe, Schiller, Bach und Liszt, bietet mit ihrer historischen Strahlkraft einen neuen Rahmen für das Festival. Thüringens Ministerpräsident war zum Auftakt vor Ort, und die Nähe zu Berlin hat die Anmeldezahlen aus der Branche verdoppelt.

Festivalleiter Urs Spörri zeigt sich beeindruckt: „Was in Mitteldeutschland ist, bleibt oft in Mitteldeutschland. Aber hier gibt es so viele tolle Initiativen, Produktionsfirmen und Studios, die wir an die große Glocke hängen wollen. Weimar, dieser Kulturort, ist schon dabei, eine Filmstadt zu werden und die ganze Region kann davon profitieren.“

Regionale Talente und Diversität im Fokus

Ein Beispiel dafür ist die Regisseurin Chiara Fleischhacker, die aus Thüringen stammt und an der Filmakademie Ludwigsburg studiert hat. Ihr Abschlussfilm „Vena“ gewann bereits mehrere nationale Preise. Nun hat sie in Weimar mit zwei Kolleginnen eine Produktionsfirma gegründet, die Diversität und Gleichberechtigung zu ihren Kernwerten zählt.

„Es ist mir ein großes Anliegen, zu zeigen, was hier passiert“, erklärt Fleischhacker. „Manchmal hat das nichts mit ‚Ostdeutschland‘ zu tun, sondern einfach mit Geschichten, die hier spielen, weil hier Menschen leben. Aber es gibt auch Dinge, die spezifisch für die Region sind, und die klischeefrei zu erzählen, geht nur, wenn man vor Ort ist und sich aufrichtig mit den Menschen beschäftigt.“

Strukturelle Hürden für ostdeutsche Geschichten

Doch Fleischhacker und viele andere Filmschaffende in der Region stoßen auf strukturelle Probleme. Im Westen Deutschlands gibt es mehr Produktionen, mehr öffentlich-rechtliche Sendeplätze und damit mehr Sichtbarkeit. „Es fehlen authentisch erzählte Geschichten aus dem Osten“, betont sie.

Sie hebt hervor, wie vielfältig Thüringen inzwischen ist: „Hier leben Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern – einige kamen während der DDR als Gastarbeiter aus Kuba oder Vietnam. Viele haben früh Rassismuserfahrungen gemacht. Es gibt ostdeutsche Menschen ohne politische Vergangenheit in der Region. Diese Vielfalt macht Thüringen zu einem weltoffenen Ort, was auch an vielen Häusern als Banner hängt.“

Weimar als Plattform für Wandel

Medienjournalist Steffen Grimberg sieht im Umzug der Televisionale nach Weimar eine Chance, die Perspektive zu wechseln. Er erklärt: „Die Medienbranche steht derzeit vor massiven Umwälzungen, sei es in der Serien- und Fernsehfilmproduktion oder im Journalismus. Eine Region wie Ostdeutschland, die nach der Wende eine der größten Transformationen durchlebt hat, kann hier inspirierend wirken.“

Tatsächlich sind Produktionen aus Mitteldeutschland im Wettbewerb des Festivals noch selten. Mit Filmen wie „Bach, ein Weihnachtswunder“ oder „Die Nichte des Polizisten“, die in Thüringen spielen, gibt es jedoch erste Erfolge.

Geschichten, die verbinden

Laut Urs Spörri müssen Filme und Serien nicht zwangsläufig aus dem Osten kommen, um Grenzen aufzubrechen. Es gehe darum, Geschichten zu erzählen, mit denen Menschen sich identifizieren können. „Auch Regionen wie der Hunsrück oder Teile Baden-Württembergs haben ähnliche Probleme wie der Osten. Geschichten, die diese Sorgen aufgreifen, können Menschen überall abholen.“

Die „Televisionale“ in Weimar zeigt, dass ostdeutsche Perspektiven mehr Beachtung verdienen. Geschichten, die Vielfalt und Authentizität betonen, können eine Grundlage für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen.

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Autor/in
Karsten Umlauf
Karsten Umlauf, Autor und Morderator bei SWR Kultur