US-Fernsehpreise

Emmy-Verleihung 2026: Ein bemerkenswert unpolitischer Abend

Sechs Emmys konnte allein Late Night-Talker Stephen Colbert am Montagabend einsammeln. Über Donald Trump äußerte er sich dennoch nicht. Wie auch die anderen Ausgezeichneten. Die Politik blieb außen vor bei der diesjährigen Emmy-Verleihung. Dafür durfte der Sender Apple TV einen Rekord und eine Premiere bejubeln.

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Von Autor/in dpa, SWR Kultur

„The Winner ist ganz eindeutig ‚Widow’s Bay‘“, sagt US-Korrespondentin Antje Sieb im gespräch mit SWR Kultur. Und das hat einen guten Grund. Mit insgesamt 14 Preisen ist die Horror-Comedy-Serie schließlich der Überraschungssieger bei den diesjährigen US-Fernsehpreisen – und hat damit sogar einen neuen Rekord aufgestellt. Die erste und bislang einzige Staffel der Serie gewann mehr Auszeichnungen, als das je zuvor einer Serie in dieser Kategorie in einem einzigen Jahr bei den Emmys gelungen ist.

Apple TV bekommt erstmals die meisten Ehrungen

„Widow's Bay“ spielt auf einer fiktiven Insel an der Ostküste der USA. Deren Bürgermeister möchte das Image seiner etwas heruntergekommenen Heimat aufbessern. Einige der alteingesessenen Bewohner glauben jedoch, dass die Insel mit einem Fluch belegt ist.

Neben der Hauptkategorie als beste Comedyserie gewann die Apple TV-Produktion unter anderem auch Preise für das beste Drehbuch und die beste Regie, zudem konnten Matthew Rhys als bester Hauptdarsteller sowie Stephen Root und Kate O'Flynn als beste Nebendarsteller Ehrungen einsammeln.

Viele glückliche Gesichter: "Widow's Bay" räumt bei den Emmys 2026 ab
Viele glückliche Gesichter: "Widow's Bay" räumt bei den Emmys 2026 ab. Picture Alliance

Unter anderem dank all dieser Auszeichnungen konnten der Streaming-Anbieter Apple TV mit insgesamt 28 Preisen zum ersten Mal in der Geschichte der Emmys die meisten Ehrungen aller Anbieter für sich verbuchen. 

Trotz Rekordnominierung: Dramedy "Hacks" bekommt nur zwei Preise

Vergleichsweise enttäuschend verlief der Gala-Abend in Los Angeles dagegen für „Hacks“ (RTL+). 24 Nominierungen hatte die fünfte Staffel der Serie bekommen. Auch das ein Rekord. Am Ende wurden aber nur zwei Preise daraus.

In der Drama-Kategorie ging die gefeierte Krankenhausserie „The Pitt“ (HBO Max) mit 25 Nominierungen ins Rennen – und konnte schließlich sechs Auszeichnungen einsammeln, darunter wie bereits im vergangenen Jahr den Hauptpreis als beste Dramaserie.

Stephen Colbert bei den Emmys 2026
Glücklich, trotz Absetzung: Stephen Colbert bei den Emmys 2026. Picture Alliance

Die in Echtzeit erzählte Krankenhausserie spielt in der Notaufnahme eines fiktiven Hospitals in der US-Großstadt Pittsburghund wird vor allem für ihre humanistische Handlung und die einfühlsame Darstellung der Figuren gefeiert.

Moderatorin Mariska Hargitay spart Politisches aus

Moderiert wurde die Gala von der US-Schauspielerin Mariska Hargitay, die dabei bemerkenswert unpolitisch blieb. Zum Auftakt zeigte sie sich im weißen Kleid und sang „I love TV Screens“ auf die Melodie von „I Love Rock 'n' Roll“. Später witzelte sie unter anderem mit Schauspielerin Nicole Kidman – und in einem vorab produzierten Videoclip sogar mit Musikstar Taylor Swift. 

Mariska Hargitay
Moderatorin Mariska Hargitay verzichtet auf politische Einlassungen. Picture Alliance

Zur eigentlichen Emmy-Gala erschien Swift nicht – sondern wurde währenddessen beim Saison-Auftakt des Football-Teams von Neu-Ehemann Travis Kelce in Kansas City gesichtet.

Auch die anderen Preisträger blieben vergleichsweise zurückhaltend. „Es war sehr wenig politisch insgesamt“, konstatiert die USA-Korrespondentin der ARD Antje Sieb mit Blick auf die Gala. Der Schauspieler und Filmemacher Alan Cumming rief die US-Amerikaner lediglich allgemein zum Wählen auf und der Autor der Dramaserie „Pluribus – Glück ist ansteckend“ (Apple TV), Vince Gilligan, forderte die Menschen auf, sich gegenseitig mehr Respekt zu zeigen. „Wir werden uns nie auf alles einigen können, aber wir können uns gegenseitig Respekt zeigen.“

Michael J. Fox erhält Ehren-Emmy

Insgesamt sechs Emmys – davon einen während der Live-Gala – gewann die Late-Night-Show von US-Moderator Stephen Colbert. Der TV-Sender CBS hatte die Show abgesetzt – offiziell aus finanziellen Gründen, Vermutungen von Branchenkennern zufolge aber aus Rücksicht auf US-Präsident Donald Trump, der in der Sendung immer wieder scharf kritisiert wurde. Aber auch Colbert nutzte seine Dankesrede nicht für Kritik an Trump, sondern hauptsächlich für Dank an sein Team. 

Der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael J. Fox bekam einen Ehren-Emmy und bedankte sich "für diese großartige und demütig machende Ehre". Zudem wurde der im vergangenen Jahr gestorbenen Fernsehschaffenden gedacht – darunter Regisseur Rob Reiner.

Michael J. Fox bei den Emmys 2026
Der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael J. Fox (im Rollstuhl) erhält den Ehren-Emmy. Picture Alliance

Die Sängerin Reba McEntire sang ein Lied für ihre vor kurzem gestorbene Kollegin Dolly Parton und Schauspieler Macaulay Culkin erinnerte an die im Januar gestorbene Catherine O'Hara – die im Kultfilm „Kevin Allein zu Haus“ seine Mutter spielte. „Sie war meine Mama“, sagte Culkin. „Sie hat mich zwar vergessen – zweimal – aber ich werde mich immer an sie erinnern.“

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