Fans dürften stilecht bereits ihr seidenes Spitzentaschentuch griffbereit haben – und sicherlich eine gute Tasse Tee für die Nerven. Mit dem dritten Kinofilm heißt es endgültig Abschied nehmen von Familie Crawley und ihrer Dienerschaft, die dem Publikum über ein Jahrzehnt ans Herz gewachsen ist.
Seit 2010 begeistert die britische Serie weltweit – mit Liebe, Intrigen, Verlusten und historischen Umbrüchen. Die Idee und die meisten Drehbücher stammen von Julian Fellowes. Über sechs Staffeln und drei Kinofilme bietet die Saga stilvolle Unterhaltung mit opulenten Kostümen, authentischen Schauplätzen und einer herausragenden Besetzung.
Violet Crawley: Die unvergessliche Matriarchin
Unvergessen bleibt die britische Schauspielerin Maggie Smith, 2024 verstorben, die als kluge, scharfzüngige Violet Crawley, Dowager Countess of Grantham, zum Inbegriff des traditionellen Englands wurde.
Worum geht es in „Downton Abbey“?
Die Serie erzählt das Leben der aristokratischen Familie Crawley und ihrer Bediensteten im englischen Hochadelshaus Highclere Castle. Von den 1910er-Jahren bis in die 1920er ist das Publikum hautnah dabei, wenn Liebschaften erblühen, Intrigen gesponnen werden, Sehnsüchte nach Freiheit erwachen und Verluste verarbeitet werden müssen.
Gleichzeitig führt die Serie wie auch die Filme große gesellschaftliche Umbrüche vor Augen, indem sie sie mit den Schicksalen der Figuren verknüpft. So ist in der ersten Staffel das Anwesen der Crawleys in Gefahr, weil der rechtmäßige – natürlich männliche – Erbe mit der Titanic untergeht.
Die Familien-Saga zeigt außerdem die Schrecken des Ersten Weltkriegs, den Streit um das Frauenwahlrecht, den Kampf um die Unabhängigkeit Irlands, die Folgen des wirtschaftlichen Wandels und des technologischen Fortschritts. Trotz der historischen Detailverliebtheit wirkt „Downton Abbey“ dabei nie belehrend oder langatmig, weil die Auswirkungen unmittelbar im Leben der Figuren gezeigt werden.
Auch sind es die großen Themen der Gesellschaft, die uns bis heute bewegen: Emanzipation, soziale Gerechtigkeit, das Ringen um Frieden.
Spannungen zwischen Adel und Dienerschaft
Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Saga liegt in der Parallelhandlung zwischen Herrschaft und Dienerschaft: Während die Crawleys immer wieder versuchen, Macht, Beziehungen und Ehre zu wahren, kämpfen die Bediensteten um Liebe, Ansehen und ein selbstbestimmtes Leben. Faszinierend ist zu beobachten, wie soziale Rollen geformt werden, wie Macht ausgeübt wird und wie Menschen innerhalb strenger Hierarchien Handlungsspielräume nutzen.
Verdichtet werden die Spannungen zwischen „Upstairs“ und „Downstairs“ in der Liebesgeschichte zwischen der jüngsten Tochter des Earls und dem irischen Chauffeur: Lady Sybil (Jessica Brown Findlay) gibt nicht viel auf Herkunft und Stand, Tom Branson (Allen Leech), ehemaliger irischer Rebell, noch weniger.
Da eine solche Liebe in der feinen britischen Gesellschaft keinesfalls gutgeheißen würde, brennen die beiden miteinander durch und heiraten in Gretna Green. In dem schottischen Dorf unweit der englischen Grenze konnten Minderjährige auch ohne Zustimmung der Eltern heiraten. Das Glück der Liebenden währt jedoch nicht lange: Sybil verliert ihr Leben im Kindbett.
Große Gefühle: Glück und Leid liegen nahe beieinander
Tragische Wendungen wie diese erklären ebenfalls den großen Erfolg von „Downton Abbey“. Wie in jeder großen Soap Opera liegen auch hier Glück und Leid nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Wie lange haben Fans etwa auf ein Happy End zwischen Lady Mary (Michelle Dockery) und Matthew Crawley (Dan Stevens) gehofft – und wie jäh wurde es durch einen Autounfall zerstört.
Gleichzeitig kommt der Humor nicht zu kurz – und auch nicht die britische Süffisanz, die in Deutschland besonders geschätzt wird: Der Schlagabtausch zwischen der Countess of Grantham und Isobel Grey, später Lady Merton, war ein Fest für Geist und Sinne.
Detailtreue & Authentizität: So wird Geschichte lebendig
Apropos Fest für die Sinne: Spielstätten wie Highclere Castle, Bampton in Oxfordshire und die Ealing Studios machen die Serie zum visuellen Erlebnis. Opulente, originalgetreue Kostüme, festliche Tafeln, tadellose Tischsitten, Etikette und Alltagsrituale erzeugen historische Glaubwürdigkeit.
Nach Angaben von Julian Fellowes im Buch „The World of Downton Abbey“ kostete die Serie 2011 etwas mehr als eine Million Dollar pro Folge. Der größte Teil des Budgets floss in die Kostüme. Nicht unerheblich war auch die Miete für den heimlichen Star der Serie – Highclere Castle, besser bekannt als Downton Abbey.
Wohlfühlfernsehen und Eskapismus
Mit der detailgetreuen Kulisse und den aufwendigen Kostümen geht auch ein wohliges Eintauchen in die Zeit des 20. Jahrhunderts einher. Besonders zu Beginn der Serie erscheint das Leben auf Downton noch wohl geordnet. Oben herrschen und dinnieren die Adeligen, unten schuften die Bediensteten, damit alles scheinbar mühelos seinen rechten Gang geht.
Fortbewegt wird sich noch gemächlich mit der Pferdekutsche. Nur die großen, repräsentativen Räume werden in der ersten Staffel mit Strom versorgt. Ansonsten sorgen behaglich flackernd Kerzen für Licht. Auch ein Telefon sucht man in Downton noch vergebens. Nachrichten kommen spärlich per Post.
Damit zeichnet das Familien-Epos einen Gegenentwurf zur heutigen Zeit, in der sich technischer Fortschritt und politisches Weltgeschehen nicht selten überschlagen. Auch muss heute der moderne Mensch nicht nur in der Realität bestehen, sondern sie ist auch durch die Digitalisierung viel komplexer geworden. Eine vorübergehende Flucht in einer andere Zeit, kann man den Fans damit kaum verübeln.
In der idealisierten Welt von Downton gibt es Raum für Müßiggang, um in Ruhe eine Tasse Tee zu genießen, den britischen Rosen beim Wachsen zuzusehen oder sehnsüchtig auf den Brief der Geliebten zu warten. Der Glaube an die „gute alte Zeit“ – die meist nur in der Rückschau so gut wirkt – ist in Downton Abbey sogar in Figuren gegossen:
Neben Violet Crawly stellt sich Butler Carson (Jim Carter) trotzig jeder Erneuerung entgegen, hält an der sozialen Ordnung fest und ist ein glühender Verfechter der Krone.
Figuren und emotionale Bindung
Schließlich sind es die Figuren in Downton Abbey und die exzellente Besetzung, die die Menschen über ein Jahrzehnt hinweg treu an die Story binden. Alle Hauptrollen, egal ob sie die herrschaftlichen Zimmer bewohnen oder im Gesindelteil untergebracht sind, entwickeln sich über sechs Staffeln und drei Filme als komplexe Charaktere weiter.
Die inneren und äußeren Konflikte sind dabei nachvollziehbar, spiegeln sie doch häufig universelle Themen wie Liebe, Loyalität, Verlust und Ambition. Damit bieten Mary, Thomas und Co. ein hohes Identifikationspotenzial - man fühlt mit ihnen mit. Intrigen, moralische Dilemmata und persönliche Triumphe lassen die historische Distanz verschwinden.
Wir werden von einer Welt gefesselt, die Ordnung, Schönheit und Drama vereint – und in der wir uns gleichzeitig wiederfinden. Mit dem dritten Film endet die Geschichte – doch der Mythos „Downton“ wird weiterleben.
Preisgekrönte Serie mit internationalem Ruhm
„Downton Abbey“ wurde vielfach ausgezeichnet, allein 2011 mit elf Emmy-Nominierungen. Sie gewann in den Kategorien „Beste Kameraführung“, „Beste Kostüme“, „Beste Miniserie/Film“, außerdem erhielten Julian Fellowes (Drehbuch), Maggie Smith (Nebendarstellerin) und Brian Percival (Regie) Emmys.
Auch 2012 gab es 16 weitere Emmy-Nominierungen, mit Auszeichnungen für Maggie Smith, die musikalische Komposition und das Hairstyling.
Golden Globes, SAG Awards und britische Ehrungen
2012 erhielt „Downton Abbey“ den Golden Globe für „Beste Miniserie/Bester Fernsehfilm“. Maggie Smith gewann 2013 erneut einen Golden Globe, 2015 folgte Joanne Froggatt. In Großbritannien wurde die Serie 2011 von der Broadcasting Press Guild als bestes Drama geehrt und 2013 mit dem National Television Award ausgezeichnet.
Zudem gewann das Ensemble 2013 den Screen Actors Guild Award für „Bestes Schauspielensemble – Drama“.
ARD Klassik Royal Sounds – Downton Abbey in Concert
Dieser Sound beamt direkt in die 1920er-Jahre: prachtvolle Orchesterklänge, romantische Klaviermelodien, satte Streicher und Jazz-Beats. Das Münchner Rundfunkorchester spielt den einzigartigen Soundtrack, am Klavier der Komponist John Lunn höchstpersönlich.
Erfolg auch auf der Kinoleinwand
Die beiden „Downton Abbey“-Filme waren echte Kassenschlager. Der erste Film (2019) spielte weltweit 194,2 Millionen US-Dollar ein – bei einem Budget von nur rund 13 Millionen. Der zweite Film „Downton Abbey: A New Era“ (2022) übertraf diesen Erfolg mit fast 238 Millionen US-Dollar.
Der große Zuspruch zeigt: Das Schicksal der Familie Crawley funktioniert auch im Kino. Aufwendige Ausstattung, detailverliebte Kulissen und die emotionale Bindung an die Figuren machten die Filme zu echtem Wohlfühlkino – und festigten den Status von „Downton Abbey“ als globales Kulturphänomen.