SWR1: Du hast in den 90ern erfolgreich als Moderator in Shows wie "Alles Nichts Oder?!" und "Tutti Frutti" und als Produzent für "RTL Samstag Nacht" gearbeitet. Auf welche Arbeit in den 90ern bist Du am meisten stolz?
Hugo Egon Balder: Ja, das war eine ganze Menge. Ich weiß nicht, ob ich da stolz bin. Das hat ja alles irgendwie funktioniert. Natürlich war "Alles Nichts Oder?!" insofern ganz gut, weil es unsere Idee war. "Tutti Frutti" war nicht meine Idee, das habe ich nur ausnahmsweise mal gemacht. (lacht)
Und natürlich "RTL Samstag Nacht". Das ist klar, das steht ganz oben, weil wir – Herr (Jacky) Dreksler und ich – dass alles alleine gestemmt haben, mit der Unterstützung von RTL, und alles so geworden ist, wie wir uns das vorgestellt haben.
Eine Show der 90er von Hugo Egon Balder bringt große Stars heraus
SWR1: "RTL Samstag Nacht" hat praktisch eine ganze Generation geprägt. Du hast es als Macher im Hintergrund vorangetrieben. Das hat bis heute große Stars gemacht, wie Olli Dietrich, Wigald Boning oder Esther Schweins. Also, Ihr habt 90er-Kultur gemacht, die bis heute nicht verpufft ist.
Balder: Ich werde immer noch darauf angesprochen. Die Zeiten haben sich natürlich verändert. Der Humor hat sich auch ein bisschen verändert. Es war schön, es hat großen Spaß gemacht. Das Schöne an der Sache ist ja, man weiß vorher nie, klappt es oder klappt es nicht? Aber wir hatten einen Sender im Rücken, der sagte, "Egal, macht es einfach – wir gucken". Auch das ist heute schwieriger.
Balder: Wir haben uns über die Beschwerden gefreut
SWR1: Ich habe das immer so ein bisschen wie "Anarchofernsehen" empfunden.
Balder: Ja, so war es auch gedacht. Je zahlreicher die Beschwerden am Montag und Dienstag bei RTL waren, desto mehr haben wir uns gefreut.
Show wird zum Sprungbrett für "Die Doofen"
SWR1: Boning und Dietrich als "Die Doofen" sind mit "Mief (Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke)" 1995 die Nummer 1 gewesen. Das wäre sicherlich ohne die Show nicht so einfach passiert.
Balder: Naja, es begab sich, dass sowohl Olli als auch Wigald zu mir kamen und sagten, sie hätten ein Lied gemacht, ob sie das mal singen könnten? Und dann habe ich gesagt, natürlich könnt ihr es singen. Und dann sangen sie dieses "Mief".
[…] Und dann haben sie angeboten, dass sie das in jeder Sendung machen würden, immer mit einem neuen Lied. Klar, habe ich gesagt […] und daraus ist dann die LP entstanden. Sie wurden richtige Stars mit "Mief" und haben ein Video gedreht mit Claudia Schiffer. Das war schon alles sensationell.
Die großen Stars der 90er-Jahre
SWR1: Welche Musikerinnen, Musiker oder Bands hast Du damals persönlich kennengelernt durch Deine Showkontakte?
Balder: Wir hatten natürlich bei "RTL Samstag Nacht" viele Gäste. Wir hatten sowohl nationale, als auch internationale Musik-Acts wie die Pointer Sisters, Mike and The Mechanics, Dieter Bohlen, Jennifer Rush. […]
Das war schon sehr interessant und vor allen Dingen, weil alles live war. Es gab dann immer kleine Probleme mit den Plattenfirmen, die gesagt haben, "Mal gucken, ob das geht". Aber sie haben festgestellt: Es ging, weil wir eine klasse Band hatten.
Musikclub 90er: Das Jahrzehnt der Gegensätze
Im Musikclub 90er nehmen wir euch immer freitags mit auf eine Reise durch dieses turbulente Jahrzehnt - im Radio und zum Immerwieder-hören in ARD Sounds.
SWR1: Welche Künstler haben Dich am meisten beeindruckt?
Balder: Da gab es einige, die mich sehr beeindruckt haben. Zum Beispiel Mike Rutherford von Mike and The Mechanics und Genesis. Er kam hinterher und hat gefragt, ob er auch mit zur Party kommen dürfe. Das waren alles ganz bescheidene Leute, das glaubt man gar nicht. Diese Superstars sind immer die Bescheidensten.
SWR1: Was waren Deine Lieblingssongs in den 90ern?
Balder: Ich muss dazu ganz ehrlich sagen, dass die Musik der 90er-Jahre nicht so ganz mein Ding war. Ich bin halt ein alter 60er-Jahre-Typ. […] Was ich gut fand, waren die Leute, die den deutschen Rap im Prinzip erfunden haben, die Fanta 4. Das hat mir gefallen, das habe ich auch gern gehört und tue es immer noch.