Satirischer Abgesang auf Glanz und Geld

Griechische Mythologie neu interpretiert: „Sirens“ mit Julianne Moore

Das Leben und Treiben von schwerreichen Menschen ist im Kino und in TV-Serien ziemlich angesagt: „Sirens“ spielt auf einer Insel, auf der ein Milliardärs-Ehepaar ein philanthropisches Anwesen betreibt und zwei Schwestern aus ärmlichen Verhältnissen ein denkwürdiges Wiedersehen feiern.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Moderne Sirenen leben im Luxusanwesen vor New York

In der griechischen Mythologie sind Sirenen Mischwesen aus Mensch und Vogel, mit Federn und Krallen und Sitz auf einer Insel. Die Serie „Sirens“ greift den Mythos auf, mit vielen Anspielungen.

Sie spielt auf einer fiktiven Insel vor New York. Dort liegt das mondäne Kliffhaus direkt an der Steilküste. Die Chefin Michaela Kell, genannt Kiki, widmet sich aber vor allem einer Raubvogel-Auffangstation.

Risse in der glatten Fassade

Eine Art Sirenengesang begleitet die Szenen immer wieder und taucht das zahlreiche Personal und die mindestens genau so reichen wie neurotischen Gäste in ein geheimnisvoll faszinierendes Licht. Michaelas strenge persönliche Assistentin Simone hat den Laden im Griff.

„Sirens“
Michaelas persönliche Assistentin Simone (Milly Alcock) ist fasziniert von dem kultischen Luxusleben ihrer Chefin.

Aber das glatte und bonbonbunte Bild bekommt Risse, als Simone überraschend Besuch von ihrer Schwester Devon erhält. Und die hat einen deutlich geerdeteren Blick auf die Upperclassgesellschaft.

Merkwürdige Rituale, Überwachungskameras, strikte Regeln: Auf die impulsive Devon wirkt das ganze wie ein Kult oder ein fremder Planet. Sie erinnert ihre Schwester an die traumatische Familiengeschichte und sucht nach vielen Jahren Unterstützung bei der Pflege des kranken Vaters.

„Sirens“
Simones Schwester Devon (Meghann Fahy) allerdings hat beschlossen, dass es Zeit für eine Intervention ist.

Vogelperspektive auf die Gesellschaft

Das Kliffhaus mit seiner inszenierten Opulenz, mit seinem englischen Rasen und den ultrasteilen Treppen zum Strand ist eine schillernde Metapher.

Oben sind diejenigen, die die Regeln machen, egal wie verschroben die auch sein mögen – die Vogelperspektive auf die Gesellschaft. Der Rest strampelt sich ab, opfert sich auf, zum Beispiel in Care-Arbeit oder arrangiert sich wie das Haus-Personal.

„Sirens“
Autorin Molly Smith Metzler hat die Serie „Sirens“ aus einem früheren Theaterstück entwickelt. Und sich neben arm und reich auch das Verhältnis von Männern und Frauen vorgenommen. Michaela Krell (Julianne Moore) und ihr Mann Peter (Kevin Bacon ).

Männer finden nur am Rande statt

Autorin Molly Smith Metzler hat die Serie „Sirens“ aus einem früheren Theaterstück entwickelt. Und sich neben arm und reich auch das Verhältnis von Männern und Frauen vorgenommen.

Die charismatische Julianne Moore als Michaela, Milly Alcock als Simone und vor allem Meghann Fahey als punkig abgerockte Devon erscheinen zwischenzeitlich als geradezu göttliche Wesen.

„Sirens“
Das glatte und bonbonbunte Bild vom Leben im Kliffhouse bekommt Risse für Simone (Milly Alcock) sie von ihrer Schwester auf die merkwürdigen Rituale, die Überwachungskameras und die strikten Regeln der Upperclassgesellschaft angesprochen wird.

Sie tragen togaähnliche Kleider, und ihrer Ausstrahlung können sich die zumeist eindimensionalen, hifebedürftigen Männer kaum erwehren.

Bis auf Kevin Bacon als Michaelas Mann, Milliardär Peter, der dann doch irgendwie ganz am Ende der Nahrungskette steht.

Höchst originelle Serie mit großartigem Look

„Sirens“ ist von Anfang an eine höchst originelle Serie mit großartigen Bildern, immer wieder witzigen Dialogen und einer untergründigen Spannung.

Letztendlich ein düster satirischer Abgesang auf eine Welt von Glanz und Geld, die Menschen sirenenhaft anzieht, aber ihren Traum vom Glück am Ende ziemlich schnöde von der Klippe stößt

Trailer „Sirens“ auf Netflix

Sirens | Official Trailer | Netflix

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Karsten Umlauf