Von der Sandwich-Bude zum Gourmet-Tempel

Haute Cuisine auf dem TV-Bildschirm: Erfolgsserie „The Bear: King of the Kitchen“ geht in die dritte Staffel

„The Bear“ handelt von Sternekoch Carmy Berzatto, der nach dem Tod des Bruders dessen Sandwich-Restaurant in eine Gourmet-Adresse umwandelt. Die dritte Staffel taucht tiefer ein in die Geschichten der Crewmitglieder und erzählt jede Episode wie ein eigenes Menü: mal mit viel Beef, mal als Soufflee, das in sich zusammenzufallen droht. Haute Cuisine!

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Chef Carmen „Carmy“ Berzatto verlangt seinem Team einiges ab

„Bear“ ist der Spitzname von Carmen Berzatto. Und so hat er auch das Restaurant genannt, das er nach dem Selbstmord seines Bruders als Sandwich-Grill übernommen hatte. „The Bear“.

Nach einer großen Renovierung soll es nun zu einem coolen Edelrestaurant werden. Inklusive Teambuilding, Beinahe-Scheitern, Schulden und Beziehungschaos war das der Inhalt der ersten beiden Staffeln.

Was Chef Carmy in der neuen Staffel immer noch schwer zu schaffen macht, ist die selbstverschuldete Trennung von seiner Liebe Claire. Umso mehr Ehrgeiz scheint er in das neue Restaurant zu stecken.

Neues Ziel: er will sich einen Michelin-Stern erkochen und stellt dafür angeblich unverhandelbare Regeln auf – was bei seinem Team so halb gut ankommt. Jeden Tag ein neues Menü, die besten Zutaten: Nicht nur finanziell ist das eine große Herausforderung.

 

Serie zeichnet Psychogramme jedes Crewmitglied

Die Serie taucht tiefer ein in die Geschichten der Crewmitglieder: Küchenchefin Sidney versucht, sich im Guten von ihrem Vater und ein bisschen auch von Carmy zu lösen. Der geschiedene Manager Richie sorgt sich liebevoll um seine kleine Tochter während er sich in der Küche starrköpfige Wortgefechte mit Carmy liefert.

Oder Carmys hochschwangere Schwester Natalie: sie hat Angst vor der Geburt und versucht parallel, die horrenden Ausgaben des Restaurants im Griff zu behalten.

In jedem Fall ist wieder ordentlich Druck im Kessel, was durch die gesteigerten Ambitionen noch erhöht wird. „The Bear“ romantisiert in keinster Weise den Psychodruck dieser Art von Gastronomie, die „Jede Sekunde zählt“-Einstellung, die Hierarchie, die manche Chefs für regelrechte Menschenexperimente ausnutzen und die oftmals einer dysfunktionalen Familie gleicht.

Staffel drei glänzt durch radikale Bildsprache

Was sich bei „The Bear“ geändert hat zu den ersten Staffeln ist die noch radikalere, fast assoziative Bildsprache. Großaufnahmen, atmosphärische Stadtbilder, gegengeschnitten mit atmosphärischen Bildern vom Zubereiten, Anrichten, Brutzeln.

Immer wieder kombiniert mit Rückblenden bzw. kurzen Erinnerungsflashs. Die erste Folge kommt so fast ohne Dialoge aus, ist ein kontemplativer Strom. Eine weitere ist fast komplett mit klassisch symphonischer Musik unterlegt.

Jede Folge ist ein eigenes filmisches Menü

Diese Diversität und Luftigkeit haben viele Kritiker in den USA der neuen Staffel vorgeworfen. Als Einstieg in die Serie eignet sie sich tatsächlich nicht so gut. Andererseits hebt sie „The Bear“ mit exzellenter Kameraarbeit und einem erneut tollen Ensemble auf eine neue Ebene.

Im übertragenen Sinn erscheint auch jede Episode wie ein eigenes Menü: mal mit viel Beef, mal als Soufflee, das in sich zusammenzufallen droht. Dabei schaffen Regie und Kamera mit viel Mut zum Risiko eine Art von Verfeinerung und Reduktion bei gleichzeitiger großer emotionaler Dichte: Haute Cuisine mit filmischen Mitteln. Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber mindestens ein Stern wäre gerechtfertigt.

Trailer „The Bear: King of the Kitchen“, ab 14.8. auf Disney+

The Bear: King of the Kitchen Trailer I Staffel 3 ab 14. August exklusiv streamen I Disney+

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Autor/in
Karsten Umlauf
Karsten Umlauf, Autor und Morderator bei SWR Kultur