Seiner Autobiografie, die er im vergangenen Herbst veröffentlicht hat, gab Schauspieler Tim Curry den Titel „Vagabond“. Schauspieler seien schließlich im 17. und 18. Jahrhundert wie Vagabunden durch die Lande gezogen. Es ist ein ausgesprochen passender Titel für einen Schauspieler, der in seinen bekanntesten Rollen das Außenseiter-Dasein, das Sinistere und das Absurde feierte.
Seit einem schweren Schlaganfall im Jahr 2012 ist Curry auf einen Rollstuhl angewiesen, vom Filmgeschäft und der Bühne hat er sich aufgrund seiner Gesundheit bis auf wenige Auftritte verabschiedet. Seine Rollen bleiben dennoch im Gedächtnis. Ein Blick zurück auf die Karriere des Schauspielers, der am 19. April 2026 seinen 80. Geburtstag feiert.
The Rocky Horror Picture Show: Durchbruch als Alien-Transvestit
Nach dem Studium an der University of Birmingham zieht es Tim Curry auf die Bühne. Sein erstes bezahltes Engagement hat er 1968 in der Londoner Erstaufführung des Hippie-Musicals „Hair“. Hier lernt er Richard O’Brien kennen, einen Schauspieler mit der Idee zu einem Musical über trashige Gruselfilme. Aus einer Fingerübung zwischen zwei Engagements wird schließlich ein Kult-Klassiker.
Curry übernimmt in der Uraufführung im Londoner Royal Court Theatre die Rolle des „Sweet Transvestite“ Frank’N’Furter, einem Außerirdischen in Korsett, Strapsgürtel und High Heels – ein pansexuelles Wesen mit dem Zungenschlag einer Dame der britischen Upperclass.
Let’s Do The Time Warp Again! Sexuelle Befreiung in Strapsen – „The Rocky Horror Picture Show” wird 50
Sie ist die Mutter der immersiven Happenings. Die „Rocky Horror Picture Show“ war ihrer Zeit immer einen stöckelbeschuhten Schritt voraus. Vor 50 Jahren kam der Film ins Kino.
Frank’N’Furter wird zu einer der größten queeren Filmikonen des späten 20. Jahrhunderts und macht seinen 27-jährigen Darsteller berühmt. Tim Curry spielt die Rolle schließlich sowohl am Westend, in Los Angeles und am Broadway sowie in der Verfilmung „The Rocky Horror Picture Show“. Heute ist der Film Kult – und eine Kino-Vorführung ein Spektakel sondergleichen.
Amadeus: Erfolg als Peter Shaffers Musikgenie
Peter Shaffers Theaterstück „Amadeus“ ist heute unbestritten einer der großen Klassiker des modernen Theaters – und auch Cinephilen insbesondere durch die Verfilmung des tschechisch-amerikanischen Regisseurs Miloš Forman bestens vertraut.
Was jedoch nur wenige wissen: Bevor Tom Hulce auf der Leinwand in die Rolle des Musikgenies Wolfgang Amadeus Mozart schlüpfte, spielte Tim Curry den Komponisten auf der Bühne.
In der amerikanischen Erstaufführung von Shaffers Stück, zunächst in Washington, später am Broadway in New York, spielte Curry an der Seite von Ian McKellen (u.a. Gandalf in „Herr der Ringe“) als intriganter Antonio Salieri und Jane Seymour (bekannt als „Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft“) als Constanze Mozart. Für seine Rolle wurde Tim Curry zum ersten Mal für den Tony Award nominiert.
Neuverfilmung als Miniserie Was „Amadeus“ uns über Mozart, Salieri und Nationalismus verrät
War Antonio Salieri Mozarts Mörder? Diese These steht im Mittelpunkt von „Amadeus“. Die neue Miniserie zeigt, wie National-Ideologie das Bild der beiden Musiker bis heute prägt.
Legende: Finstrer Geselle im Fantasy-Land
Eine gute Rolle ist einiges Leiden wert. Das stellte Tim Curry spätestens bei den Dreharbeiten zum Fantasy-Film „Legende“ fest. Regisseur Ridley Scott beschloss, sich an einem Fantasyfilm zu versuchen, nachdem er als Regisseur von „Dune – Der Wüstenplanet“ von David Lynch ersetzt wurde.
Um die Welt in ewige Dunkelheit zu stürzen, entsendet der Herr der Finsternis, gespielt von Tim Curry, einen Goblin, um die Einhörner zu töten und Prinzessin Lili (Mia Sara) auf seine Seite zu ziehen. Der junge Waldbursche Jack, gespielt von Tom Cruise, begibt sich auf eine Heldenreise, um die Prinzessin zu retten und das Licht in die Welt zurückzubringen.
Zu seiner Zeit war „Legende“ das Filmprojekt mit dem aufwändigsten Make-Up, das jemals realisiert wurde. Mit Ausnahme von Cruise und Sara verbrachten alle Darsteller*innen täglich lange Stunden in der Maske. Besonders Currys Auftritt als gehörnte Teufelsgestalt beeindruckt dabei bis heute.
An den Kinokassen war „Legende“ ein Flop – und das ehrlich gesagt auch zu Recht. Doch seither hat der Film Kultstatus erreicht. Dafür hat der sinistre Tim Curry doch einiges mehr geleistet als der glattpolierte Held von Tom Cruise.
Stephen Kings Es: Der ultimative Gruselclown
Auch für eine weitere Kultrolle ließ sich Tim Curry bis zur Unkenntlichkeit maskieren. In der zweiteiligen Fernsehverfilmung von Stephen Kings Horrorroman „Es“ spielte er die Rolle des gestaltwandelnden Clowns Pennywise, der im Städtchen Derry alle 27 Jahre auf die Jagd nach Opfern geht.
Da Tim Curry insbesondere durch komische und groteske Rollen bekannt war, gab es im Vorfeld der Produktion Zweifel, ob er es schaffen würde, die Rolle des Pennywise mit dem notwendigen Schauer zu erfüllen. Heute steht fest: Gelungen ist es ihm.
Nicht zuletzt, weil er beim Spielen auf völlige Improvisation setzte, um seine Schauspiel-Kolleg*innen in Unsicherheit zu lassen. Auch hielt er die anderen Darsteller*innen, insbesondere die Kinder am Set, auf Distanz, um den Horror und das Unbehagen vor der Kamera möglichst authentisch erscheinen zu lassen.
Spamalot: Der König der Briten
2005 kehrte Tim Curry zum bislang letzten Mal an den Broadway zurück. Diesmal in einer britischen Kultrolle: Für das Musical „Spamalot“, basierend auf dem Monty-Python-Klassiker „Die Ritter der Kokosnuss“ und in großen Teilen geschrieben von Monty-Python-Mitglied Eric Idle, schlüpfte er in die Hauptrolle von König Arthur.
Unter der Regie von Casey Nicholaw reitet Arthur, begleitet von seinem kokusnuss-klackernden Knecht und Gefährten Patsy, durch das mittelalterliche England, auf der Suche nach wackeren Rittern für seine neue Tafelrunde und muss mit ihnen gegen Kühe katapultierende Franzosen und das mörderische Killer-Kaninchen von Caerbannog kämpfen.
Insgesamt 14 mal wurde „Spamalot“ für den Tony Award nominiert, auch Tim Curry als bester Darsteller, drei Trophäen gewann das Stück. Tim Currys unbestritten einzigartiges komödiantisches Timing bleibt bis heute auf der Album-Einspielung erlebbar.