Seit Jahrtausenden sind Blumen als Symbole oder Attribute in menschlichen Gesellschaften und Kulturen allgegenwärtig. Sie sind sozusagen ein nonverbales Kommunikationsmittel geworden. Blumen können sprechen, stellvertretend für ein „Entschuldigung“, „Ich liebe oder denk an Dich“ oder „Dankeschön“. Sie sind Teil sozialer Rituale und wir verbinden wirkmächtige Bilder mit ihnen.
Die aktuelle Ausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden greift Perspektiven auf die gesellschafltichen, kulturellen und persönlichen Bedeutungen der Blume auf. Und zeigt, wie eng Kunst, Geschichte und Gegenwart verbunden sind.
Ein Aspekt dabei: Blumen sind nicht nur Ausdruck der Zuneigung und Sehnsucht, sie sind auch Symbole politischer Bewegungen und Zeichen des Widerstandes. Es gibt unzählige sozusagen hochpolitische Blumen. Eine Auswahl macht deutlich, wie vielfältig sie die visuelle Kommunikation geprägt haben.
- Nelke: Symbol für Frieden, Frauen und Arbeiterbewegung
- Mohnblume: Erinnerung an die Gräuel des Krieges
- Orchidee: Diplomatischer Helfer
- Kornblume: Statement von Rechts
- Sonnenblume
Nelke: Symbol für Frieden, Frauen und Arbeiterbewegung
Die Nelke ist eines der deutlichsten Beispiele für eine Blume mit politischer Botschaft. Im Knopfloch oder am Rest der Kleidung dient sie Gleichgesinnten als Erkennungszeichen und wird zum Symbol für Protest, proletarischen Zusammenhalt oder die Frauenbewegung.
Schon 1889 wurde die rote Nelke zur Arbeiterblume. Beim Internationalen Sozialistenkongress in Paris und bei den ersten Maiaufmärschen ein Jahr später wurden sie massenhaft getragen und wurden zum Zeichen für Solidarität und Arbeiterrechte.
Schon davor hatte die Nelke in der christlichen Tradition Symbolcharakter: Sie steht unter anderem für mütterliche Zuneigung Marias und das Leiden Christi. Nelken entsprangen demnach aus den Tränen, die Maria vergoss, als sie Jesus auf dem Weg zum Kreuz begleitete.
1974 schließlich wurde sie zum Symbol für den friedlichen Protest gegen die knapp 50 Jahre andauernde Diktatur in Portugal. Armut, Unterdrückung und die teuren Kolonialkriege sorgten für wachsenden Unmut in der Bevölkerung und beim Militär. Das Militär putschte und die begeisterte Bevölkerung stecke den Soldaten rote Nelken in die Gewehrläufe.
Mohnblume: Erinnerung an die Gräuel des Krieges
Die Mohnblume wirkt auf den ersten Blick etwas fragil und sticht mit ihrer leuchtend roten Blüte doch direkt ins Auge. Symbolisch steht sie für die Erinnern, in vielen Ländern vor allem für das Gedenken an Kriegstote, speziell an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Ihr politischer Symbolcharakter ist also eng mit der Erinnerungskultur verknüpft, eine Mahnung gegen den Krieg.
Die kriegszerstörten Böden in Nordfrankreich oder Belgien wurden durch viele Einschläge aufgewühlt. In den Trümmerfeldern wuchsen schließlich massenhaft rote Mohnblumen in morbider Schönheit.
In Anlehnung an das Gedicht „In Flanders Fields“ (1915) des Arztes und Soldaten John McCrae, der beschreibt, wie der Wind durch den Mohn auf Flanderns Feldern weht, zwischen den Kreuzen der Soldaten, die blutig im Krieg ihr Leben ließen, wird eine stilisierte Klatschmohnblüte Symbol des Gedenkens.
Besonders bekannt ist der rote Mohn im britischen und Commonwealth-Kontext, wo er rund um den „Remembrance Day“ getragen wird. Individuelles Erinnern in Kombination mit staatlich organisierter Gedenkkultur — alles unter dem Zeichen der Mohnblume.
Orchidee: Diplomatischer Helfer
Orchideen gelten gemeinhin als elegant, sie stehen sinnbildhaft für Anmut und „Exotik“. Oder oft abwertend für einen stark spezialisierten und seltenen Nischenbereich der wissenschaftlichen Forschung, das „Orchideenfach“.
Aber auch die Blüten der Orchideen stehen für eine politische Dimension: In Singapur blühen Orchideen wegen des tropischen Klimas ganzjährig. Die Nationalblume ist tief in der Kultur des Landes verwurzelt. Hier ist es üblich, bei Staatsbesuchen aus dem Ausland eine speziell gezüchtete Orchidee nach dem Ehrengast zu benennen, die sogenannte „Orchideendiplomatie“.
Im weltberühmten „National Orchid Garden“ in Singapur gibt es über 1.000 Arten und 2.000 Orchideen-Hybriden zu sehen. Die meisten im Handel erhältlichen Orchideen bei uns sind Hybriden, die durch aufwendige Kreuzungen oft in Laboren gezüchtet wurden.
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Kornblume: Statement von Rechts
So schön die blauen Kornblumen sind, mit Blick auf ihre politische Bedeutung gibt es um sie immer wieder Ärger. Im Mittelalter fand sie sich auf Altarbildern, auch als Marienblume. Später galt sie als preußisches Nationalsymbol – als erklärte Lieblingsblume von Königin Luise und Kaiser Wilhelm I. Auch als Zeichen der Romantik tauchte sie in mehreren Kontexten auf.
Heute wird sie von bestimmten Politiker*innen und Parteien als Symbol für Patriotismus und eine nationale Gesinnung getragen, oft im deutschnationalen und rechtsextremen Milieu, vor allem in Österreich.
Die schlichte Blume war im späten 19. Jahrhundert Erkennungszeichen der antisemitischen Schönerer-Bewegung in Österreich. In den 1930er-Jahren wurde sie als Erkennungszeichen der damals in Österreich verbotenen NSDAP getragen. Auch heute kommt sie in diesem Zusammenhang zum Einsatz, um eine entsprechende Gesinnung zum Ausdruck zu bringen.
In Frankreich ist die Kornblume hingegen spannenderweise das Pendant zur Mohnblume. Hier steht sie für das nationale Gedenken an die Weltkriegs-Gefallenen, als „bleuet de France“.
Sonnenblume
Die Sonnenblume, die der Sonne „entgegen“ schaut, kommt oft als Zeichen für Hoffnung und Nachhaltigkeit zum Einsatz. Im politischen Kontext wird sie gern als Symbol für den Wandel, Frieden und Ökologie bemüht. In vielen Ländern ist die Blume das einprägsame Erkennungszeichen der grünen Parteien.
Die Sonnenblume war als Symbol durch die Anti-Atomkraftbewegung bereits bekannt. Schon Ende der 1970er-Jahre taucht sie auf den Wahlplakaten der späteren Grünen in Deutschland auf. Seit Ende der Achtziger ist sie offiziell Teil des Logos der Partei.
In verschiedenen politischen Bewegungen wurde die Sonnenblume auch als Zeichen des Protests eingesetzt, zum Beispiel die Sonnenblumen-Bewegung in Taiwan von 2014. 24 Tage besetzten Demonstrierende das Parlamentsgebäude in Taipeh, um ein umstrittenes Handelsabkommen mit der Volksrepublik China zu stoppen. Die Sonnenblume steht hier unter anderem für die Transparenz und demokratische Werte, die Blume streckt ihr „Antlitz“ ins Licht.
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die inoffizielle ukrainische Nationalblume, eben die Sonnenblume, weltweit auch zu einem Zeichen der Unterstützung für das Land geworden. Auch hier ein Friedens- und Freiheitssymbol mit hohem Wiedererkennungswert.
Egal ob als Zeichen für Hoffnung, Protest, Erinnerung oder Ablehnung. Blumen als Symbole eint ihr einprägsamer Charakter und dass sie sofort mit Emotionen verbunden, wortlos und ohne Erklärung überall auf der Welt verstanden werden.