Gespräch

Wo Kultur zerstört wurde: 10 Jahre geflüchtete Jesidinnen in Baden-Württemberg

Es war eine weltweit einmalige Aktion: Während die Vereinten Nationen tatenlos zusahen wie der Islamische Staat die Volksgemeinschaft der Jesiden vertrieb, massakrierte und versklavte, startete das Bundesland Baden-Württemberg eine Rettungsaktion und holte in einem ersten und bisher einzigen Kontingent 1.100 Frauen und Mädchen nach Deutschland.

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„Aus heutiger Sicht ist das eine beispiellose Erfolgsgeschichte“, sagt der Psychologe und Stuttgarter Hochschulprofessor Jan Kizilhan im Gespräch mit SWR Kultur. „Sie sprechen alle Deutsch, haben Berufe erlernt und ihre Kinder machen Abitur oder studieren bereits.“ Dennoch bleibt ein Rest Verzweiflung für einige der Frauen: Wenn es nicht gelingt, Familienväter nachzuholen zum Beispiel, weil das Migrationsrecht seither deutlich verschärft wurde.

Auch für ein zweites Kontingent, das ursprünglich geplant war, sieht Kizilhan mittlerweile keine Chance mehr: „Mittlerweile ist die Asyldebatte derart emotional geworden, dass sich da kein Politiker und keine Partei mehr rantraut.“

Stattdessen würden eher noch Jesiden abgeschoben in den Irak – einem Land in dem laut Kizilhan immer noch genozidale Zustände vorherrschen und rund 300.000 geflohene Jesiden seit Jahren in Zelten und Containern bei zurzeit 40°C (und im Winter Minusgraden) ausharren müssen – ohne Chance darauf, in ihre eigentliche Heimat zurückkehren zu können.

Erstmals publiziert am
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Interview mit
Jan Kizilhan
Das Interview führte
Julian Burmeister
Julian Burmeister