Junges Modelabel aus Pforzheim

Von der Goldstadt in die Vogue: Wie Kitschy Couture gerade die Modewelt aufmischt

Kitschy Couture erobert mit außergewöhnlichen Designs die Modewelt und thematisiert das Leben junger Migrantinnen in Deutschland. Damit treffen die Designerinnen den Zeitgeist.

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Stand

Von Autor/in Manuel Gerber

Plastik-Bananen und die Poesie der Zwischenwelt

Ein unscheinbarer Hinterhof im baden-württembergischen Pforzheim, doch drinnen explodieren die Farben. Zwischen Stoffballen, Skizzen und Nähmaschinen glitzern künstliche Lotusblüten. Hier, in der unterschätzten Goldstadt, schlägt das Herz von Kitschy Couture. Das junge Label macht eine besondere Ästhetik zwischen Kitsch, Pop und kultureller Identität sichtbar, die besonders das Lebensgefühl der Gen Z anspricht.

Gegründet wurde das Label vor fünf Jahren von Abarna Kugathasan. Die Designerin, deren tamilische Eltern aus Sri Lanka flüchteten, wuchs zwischen zwei Welten auf: dem typisch deutschen Alltag und einem Wohnzimmer voller Plastik-Bananenbäume. Diese künstliche Welt empfindet sie heute als eine wertvolle Zwischenwelt, die zur Inspiration für ihre Mode wurde.

Nach dem Modedesign-Studium an der Hochschule Pforzheim stand für Abarna Kugathasan und Mitdesignerin Claudia Walter fest: Wir bleiben hier. Obwohl das Umfeld den Sprung nach Paris oder London erwartete, widerstrebte den beiden der klassische Weg. Finanziert durch Nebenjobs bauten sie ihr Universum genau dort auf, wo sie ihre Wurzeln und ihre Ruhe hatten.

Claudia Walter und Abarna Kugathasan
Kein Bock auf Berlin: Abarna Kugathasan (r.) und Claudia Walter (l.) designen ihre High Fashion lieber in der Heimat als in den Modemetropolen. Pressestelle Ben MoÌ

Von Pforzheim in die Vogue und auf die Bühnen der Popstars

Der Mut zahlte sich aus: Es folgte der Durchbruch auf der Berlin Fashion Week. Das Label aus Pforzheim bekam plötzlich Aufmerksamkeit über über die Region hinaus und landete sogar in der legendären Vogue. Für die Gründerinnen ein surrealer Moment. Endlich konnten sie auf einer riesigen Bühne über tamilische Kultur, Flucht und das Aufwachsen in Deutschland sprechen.

Statt auf klassische Modetraditionen setzen die Frauen auf Social Media. Die Strategie ging auf: Popstar Nina Chuba performte kürzlich in Dresden vor 30.000 Menschen in einem Outfit von Kitschy Couture. Zudem klopfte ein weltweit bekannter Schuhhersteller für eine Kampagne an. Das Label beweist, dass Reichweite heute kein Berlin-Ticket mehr braucht.

Handküsse für die Hater: Mode als politisches Statement

Kitschy Couture Pforzheim
Präsentation der „I love Pforzheim“-Kollektion in Pforzheim. Kitschy Couture 2025 Shop

Ihre digitale Reichweite nutzen sie auch politisch. Rassistische Instagram-Kommentare, die Abarna Kugathasan etwa unterstellen, sie würde sich wie eine „indische Prinzessin“ aufführen, kontert sie via Video cool und selbstbewusst: „Ich bin halt eine tamilische Prinzessin, weißt du, wie ich meine? Du darfst einmal küssen.“ Und hält lächelnd die Hand in die Kamera. Sie weigert sich, den wachsenden Hass im Land schweigend hinzunehmen und bleibt dabei charmant.

Kitschy Couture arbeitet ausschließlich mit migrantischen Models, die ähnliche Erfahrungen teilen. Die Kleidung soll junge Menschen Empowerment und Sichtbarkeit schenken, die Abarna Kugathasan als Kind oft fehlte. Dabei geht es den Designerinnen nicht darum, eine eindeutige kulturelle Identität zu präsentieren. Für die Zukunft bleibt Pforzheim die Basis: Die immense kulturelle Vielfalt der Stadt liefert den Designerinnen täglich neue Inspiration. Aus den Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit und ihrer tamilischen Familiengeschichte haben sie dabei eine ganz eigene Bild- und Formensprache entwickelt.

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Autor/in
Manuel Gerber
Onlinefassung
Katharina Maria Kontny