Das 23-köpfige Aufgebot des DFB für die EM 2025 steht. Das erste EM-Spiel der DFB-Auswahl findet am 4. Juli in St. Gallen gegen Polen statt. Weitere Gruppengegner sind Dänemark und Schweden. Bundestrainer Christian Wück über das große mediale Interesse: "Ich glaube, es gibt mittlerweile sechs oder sieben Spielerinnen im Kader, die Dokus drehen lassen. Wir müssen immer wieder Anfragen von verschiedenen Produktionsfirmen freundlich absagen, allein schon aus Zeitgründen", sagte Wück vor Kurzem im Trainingslager in Herzogenaurach. Das Team müsse "intensiv und konzentriert arbeiten".
Großes Interesse
Dokus über Spielerinnen, Live-Übertragungen von Turnieren oder Expertinnen vor dem Mikrofon – das Interesse an Spielen und Spielerinnen wächst stetig. Alle Spiele des EM-Turniers werden dieses Jahr übertragen. Die Spiele der deutschen Frauen haben sich zu Quoten-Hits entwickelt. Zuletzt sahen das EM-Finale mit den deutschen Fußballerinnen am 31. Juli 2022 knapp 18 Millionen Menschen im Ersten. Es war die meist gesehene Sportsendung des Jahres.
Kaffeeservice als Anerkennung
Der Weg zur Anerkennung war mit vielen Hindernisse und Vorurteilen gepflastert. Für den Gewinn der FrauenEM gab es 1989 für die Spielerinnen vom DFB ein Kaffeeservice. Diese Zeiten sind lange vorbei. Die Welttorhüterin Almuth Schult hat 66 mal für die Nationalmannschaft gespielt. Für sie gibt eine ganze Menge, das sich seit 1989 verändert hat. "Den Frauenfußball kann man heute im Fernsehen, Radio und im Stream verfolgen. Frauen sind Vorbilder", sagt Schult. Auch die professionellen Strukturen hätten sich geändert. "Es hat etwas gedauert, dass man sagen konnte - ich bin jetzt wirklich Profisportlerin".
Als Profi auf Eltern angewiesen
Almuth Schult spielte bereits mit 16 Jahren in der Bundesliga. "Ich konnte anfangs von meinem Gehalt nicht leben. Da war ich auf den Zuschuss meiner Eltern angewiesen", erinnert sie sich. Als Profispielerin konnte sie sich von ihrem Gehalt, eine Ein-Zimmer-Wohnung mit Kochnische in der Einflugschneise vom Flughafen leisten. "Da hätten viele Bundesliga-Spieler nicht mitgemacht", sagt Schulte rückblickend.
Es gibt noch Handlungsbedarf
Die Fußballexpertin sieht ein Ungleichgewicht zwischen dem Männer- und Frauenfußball. "In der Ausbildung und Förderung stehen Frauen und Mädchen immer noch vielen Vorurteilen gegenüber. Diese halten sie manchmal davon ab, sich für den Fußball zu entscheiden", sagt die Co-Kommentatorin des Sportschau-Teams. Außerdem bemängelt sie, dass es nicht ganz so viele qualifizierte Trainerinnen und Trainer geben würde, die im Frauenbereich arbeiten.
Integration durch Fußball
Hasret Kayikci hält beim SC Freiburg den Rekord mit mehr als 200 Einsätzen in 14 Jahren. Sie hat elf Spiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert. Vor einigen Wochen hat sie ihre Karriere auf dem Platz beendet. Schon seit mehr als einem Jahr ist sie Botschafterin der Step Stiftung. Diese fördert Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Lebenswelten. Sport und allen voran der Fußball spielt eine große Rolle. "Für mich ist es wichtig, dass es solche Angebote gibt und die Kinder sollten immer eine unbeschwerte Kindheit haben, egal mit welchem Hintergrund sie aufgewachsen sind", betont Kayikci.
Erfahrungen mit Diskriminierung
Ihr türkischer Migrationshintergrund habe im Fußball eher selten eine Rolle gespielt, sagt Kayikci. Dafür aber im Leben sehr. "Ich habe schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht, wo ich keinen Job oder eine Wohnung bekommen habe, weil ich "Hasret" heiße und nicht vielleicht "Lena", so Kayikci. Aber die Menschen seien offener geworden und so hofft sie, dass mit der Zeit alles besser wird.
EM-Titel 2025?
Sowohl Almuth Schult als auch Hasret Kayikci trauen der deutschen Frauenmannschaft den Titel zu. "Wir Deutschen haben vollstes Vertrauen, dass es ein super Turnier werden wird", sagt Kayikci. Beide werden sich vor Ort die Spiele anschauen und der DFB-Nationalelf der Frauen die Daumen drücken.
Projekt "DFB Female Brilliance"
Der DFB hat sich zum Ziel gesetzt, dass 30 Prozent der Führungspositionen beim DFB bis 2027 mit Frauen besetzt werden. Das Projekt "DFB Female Brilliance" soll die "Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen im Fußball erhöhen", "die Chancengleichheit fördern", "Talente erkennen und unterstützen". Zudem soll mit Netzwerken und Mentoring -Programmen "die Attraktivität des Fußballs für Frauen gesteigert werden". Langfristig soll, nach Angaben des DFB, das Projekt dazu beitragen, "dass der deutsche Fußball diverser, inklusiver und zukunftsfähiger wird". Mit dem Projekt soll ein starkes Zeichen für die Gleichberechtigung gesetzt werden, so der DFB.
Prämien bei der Frauenfußball-EM 2025
Bei der EM geht es auch um Geld - so viel wie noch nie zuvor. 41 Millionen Euro schüttet die Europäische Fußball-Union (UEFA) an die Starterinnen aus – und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) legt mit einer Rekordprämie nach: Im Falle eines Titelgewinns winken Kapitänin Giulia Gwinn und ihren Kolleginnen jeweils 120.000 Euro, doppelt so viel wie beim EM-Turnier vor drei Jahren.
Von "Equal Pay" ist man - mit wenigen Ausnahmen - noch weit entfernt.
Bei der Männer-EM 2024 etwa hätte der Titel jedem deutschen Nationalspieler 400.000 Euro eingebracht. Die DFB-Frauen zeigten sich ob der verdoppelten Prämie dennoch "zufrieden". Zum Vergleich: Englands Fußballerinnen bekämen für die Titelverteidigung umgerechnet etwa 85.000 Euro.
Geld fließt erst ab dem Erreichen der K.o.-Runde
Das Viertelfinale bringt den Nationalspielerinnen 45.000 Euro, das Halbfinale 65.000 Euro und die Finalteilnahme wird mit 90.000 Euro belohnt. Damit ist der Einzug ins Endspiel dreimal so viel Wert wie 2022.
ARD History zu den Pionierinnen des Frauenfußballs
Es gab eine Zeit, in der Männer in Deutschland glaubten, sie könnten Frauen von den Plätzen fernhalten, und der Deutsche Fußball-Bund verbot ihnen, unter seinem Dach zu spielen. Der Film von ARD History: "Mädchen können kein Fußball spielen" erzählt von Heldinnen des Frauenfußballs, die den Widerständen trotzten und einfach ihr Spiel machten. Diese Frauen spielten, als der DFB es ihnen verbat.
Den neuen Dokumentarfilm von Torsten Körner zeigt Das Erste am 4. Juli 2025 im Anschluss an das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz.