Forschungsergebnisse der Uni Kaiserslautern-Landau

Studie: Wer gut qualifiziert erscheint, wird weniger diskriminiert

Neue Forschungen liefern Hinweise, dass Menschen anders über ihr Gegenüber urteilen, wenn sie es für gut ausgebildet halten. Ein Allheilmittel gegen Diskriminierung sei eine gute Ausbildung aber nicht.

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Diskriminierung ist für viele Menschen eine alltägliche Erfahrung: Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung beeinflussen maßgeblich, wie Personen wahrgenommen werden. Dass die Ausbildung diese Wahrnehmung verändern kann, darauf deuten die Ergebnisse von zwei Studien an der Universität Kaiserslautern-Landau. Offenbar urteilen Menschen vorsichtiger, wenn das Gegenüber unbestreitbare fachliche Qualifikationen erworben hat.

Subtile Hinweise auf Hautfarbe und sexuelle Orientierung

Für eine der Studien wählte das Team um Sozialpsychologin Melanie Steffens eine Situation aus dem Arbeitsalltag: Die 212 Teilnehmenden sollten die Bewerbungen von Chirurginnen beurteilen. Dabei habe man subtil auf Hautfarbe und sexuelle Orientierung der Bewerberinnen hingewiesen, sagt Studienleiterin Melanie Steffens in SWR Kultur.

Die Sozialpsychologin Prof. Melanie Steffens von der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau
Leiterin der Studie: Die Sozialpsychologin Prof. Melanie Steffens von der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau

„Wir hatten Chirurginnen, die schwarz oder weiß waren, in einer Lebensgemeinschaft mit einer Frau oder einem Mann lebten“, erläutert Steffens. Am Ende jedoch habe sich herausgestellt, „dass es kaum Unterschiede gab in der Wahrnehmung. Alle diese Chirurginnen wurden als sehr kompetent und auch als sozial kompetent wahrgenommen.“

Dieses Ergebnis habe in seiner Klarheit auch das Forschungsteam überrascht. Die Schlussfolgerung aus Sicht von Melanie Steffens: „Wenn die Qualifikation schon ziemlich gesichert erscheint, dann wird weniger diskriminiert, als wenn man keine gute Information über die Qualifikation hat.“

Empfehlung der Forscherin: Eigene Qualifikationen hervorheben

Wer etwas kann, scheint demnach weniger schnell abgewertet zu werden. Lässt sich daraus etwas lernen, insbesondere wenn man befürchtet, im Alltag diskriminiert zu werden? Melanie Steffens empfiehlt: „Versuchen Sie Ihre Qualifikationen völlig deutlich zu machen, Qualifikationshinweise in der Bewerbung so hervorzuheben, dass man sie nicht übersehen kann.“

Bewerbungssituation: Ein skeptischer Mann sitzt einer schwarzen Frau gegenüber
Wer im Bewerbungsgespräch die eigenen Qualifikationen hervorhebt, wird nicht so schnell mit verächtlichen Stereotypen belegt.

Allerdings ist fachliche Eignung kein Allheilmittel gegen Diskriminierung. Das zeigen die Ergebnisse einer zweiten Studie des Forschungsteams. Hier sollten die Teilnehmenden über Bewerberinnen mit deutschen und türkischen Namen urteilen. Zugleich erhielten sie nun auch negative Hinweise zur Qualifikation der Bewerberinnen.

Wer angreifbar wirkt, wird auch schneller diskriminiert

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen: Sobald eine Person angreifbar wirkte, gingen auch die Urteile häufiger wieder in eine diskriminierende Richtung. Türkischen Bewerberinnen wurde dabei vor allem verübelt, wenn sie als „feminin“ empfundene Schwächen zeigten, zum Beispiel unsicher wirkten, sich schwer damit taten, selbständige Entscheidungen zu treffen.

Ein Argument dafür, in Bewerbungsverfahren Angaben zu Herkunft und Geschlecht grundsätzlich zu anonymisieren? Diskriminierung lasse sich damit nicht ganz aus der Welt schaffen, sagt Melanie Steffens. Spätestens im Vorstellungsgespräch käme die Wahrheit wieder auf den Tisch. Allerdings sei es besser, eingeladen als wegen Vorurteilen schon im Bewerbungsverfahren aussortiert zu werden.

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Philine Sauvageot
Interview mit
Prof. Melanie Steffens
Onlinefassung
Wilm Hüffer