Eine Lehre für die E-Mobilität

Tankstellen-Architektur als Spiegel unserer Gesellschaft: „Wir zeigen, wie reich wir sind“

Für viele Autofahrer sind Tankstellen aufgrund der hohen Spritpreise derzeit kein Sehnsuchtsort. Doch tatsächlich kann man in ihnen faszinierende Architekturgeschichte entdecken. „Es gibt praktisch kein anderes Bauwerk, das unsere Abhängigkeit von fossilen Energien so verdeutlicht wie die Tankstelle“, sagt Architekturexperte Nikolaus Bernau in SWR Kultur.

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Am Anfang kam das Benzin aus der Apotheke

Die architektonische Entwicklung der Tankstellen ist eng verbunden mit der sich ausweitenden Mobilitätskultur. Das zeige sich vor allem an der Größe der Dächer, so Bernau: „Die erste Tankstelle war die Apotheke. Dort hat man Benzin in kleinen Büchsen geholt, auch ohne großes Vordach.“

Fürstenwalde, Reichsautobahn-Tankstelle, eine der ersten Tankstellen an einer Autobahn, 1937 nach einem Typenentwurf von Friedrich Tamms errichtet
Architektonisches Schmuckstück: Eine der ersten Autobahntankstellen Deutschlands in Fürstenwalde, entworfen 1937 von Friedrich Thamms. Imagebroker Bild in Detailansicht öffnen
Tankstelle auf dem Gelände ehemaliger Flughafen Berlin Tempelhof, eröffnet 1941 unter den Nationalsozialisten.
Tankstelle auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Berlin Tempelhof, eröffnet 1941 unter den Nationalsozialisten. picture alliance / imageBROKER | Peter Seyfferth Bild in Detailansicht öffnen
Ladesäulen für Elektroautos
Schlichte Architektur: Lade-Infrastruktur für E-Autos. MiS Bild in Detailansicht öffnen

Die ersten eigens für diesen Zweck errichten Tankstellen zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren noch sehr klein. Doch die Entwicklung verlief in Größe und Anzahl rasant.

Eine Lehre für die E-Mobilität

„Tankstellen wurden immer größer“, sagt Nikolaus Bernau, „bis zu den berühmten riesigen Tragflächendächern aus den 1970er-Jahren, die es teilweise auch noch gibt. Wir zeigen, wie reich wir sind, wie gut wir uns bewegen können und dass diese Bewegung ein Teil unseres Gesellschaftsverständnisses geworden ist.“

Architektonische Orte wie die Tankstellen der 1930er-Jahre könnten zum Vorbild für aktuelle Entwicklungen in der E-Mobilität werden. „Das hat die Industrie überhaupt noch nicht begriffen, wie wichtig das ist, dass so ein Ort auch gut aussieht, dass er Spaß macht“, sagt der Architekturkritiker Bernau.

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Max Hägler, Verantwortlicher Redakteur für Industrie und Mobilität, Die Zeit

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Martin Gramlich
Martin Gramlich, SWR Kultur Moderator
Interview mit
Nikolaus Bernau