[Gong]
Sechs Uhr morgens in Denkendorf in der Region Stuttgart. Der Raum in dem buddhistischen Zentrum mit seinem dicken, roten Teppich sieht aus, als könnte er genauso gut in Korea sein. Ein Schrein mit einer großen Buddha-Statue, daneben aufwändige Blumengestecke, Kerzen und Räucherstäbchen.
„Ich werde heute hundertprozentig mein Bestes geben.“
„Ich werde heute hundertprozentig mein Bestes geben.“
So beginnt die Morgenpraxis – mit Ritualen, Mantren, Gesängen, und Niederwerfungen. Sie nennen es hier: große Verbeugungen. Heute sind rund zehn Praktizierende gekommen. Geleitet werden die Rituale und das Zentrum von Dina und Dieter Maier. Für ihn begann alles vor etwa dreißig Jahren.
„Ich hatte einen schweren Reitunfall, und war praktisch zwei Millimeter unter der Querschnittslähmung, und hatte dann das Glück, zum besten Arzt damals zu kommen, der mich wieder repariert hat – und habe mir die Frage meinem Arzt damals gestellt: Warum kann ich noch laufen? Und er hat dann so gesagt du, da gibt es vielleicht etwas, das dich interessieren könnte. Guck dir doch mal die Dae Poep Sa Nim an.“
Dae Poep Sa Nim kommt ursprünglich aus Korea. Ihr Bild hängt in jedem Raum in dem Zentrum. Eine freundlich schauende Frau mit dunklen, langen Haaren. Ihre Stimme kommt aus den Lautsprechern. Sie reiste in den 80er und 90er Jahren durch den Westen, um ihre buddhistische „Yun-Hwa“-Lehre zu verbreiten. Dieter und Dina Maier gingen zu einem Seminar // – so begann ihre spirituelle Reise.
„Bei mir war es einfach die Neugierde. Wir sind christlich aufgewachsen, und irgendwie hat es bei mir dann so angefangen, dass ich mich mehr dafür interessiert habe: Was gibt es denn noch? Da muss doch mehr sein. Und was können wir dazu beitragen, dass es friedlicher wird auf der Welt, dass es mir gut geht und dass es meinem Umfeld gut geht.“
Die Gemeinschaft will sich nicht zurückziehen – sondern mit ihrer buddhistischen Praxis mitten im Leben stehen. Das bedeutet „sozialer Buddhismus“. Mantren singen – das geht auch auf dem Weg zur Arbeit. Viele hier haben fordernde Berufe: Dieter und Dina Maier haben ein Catering-Unternehmen, es gibt auch eine Sängerin, eine IT-Fachfrau und einen Manager. Sie alle sind davon überzeugt, dass mit Gelassenheit und Konzentration auch beruflicher Erfolg kommt. Aber ärgern sie sich wirklich nie?
„Ja, selbstverständlich tue ich das. Ich bin ja kein Buddha, der über allem steht, sondern ich ärgere mich tatsächlich auch immer wieder im Alltag. Aber ich versuche dann über meine Praxis das aus meinem Herzen rauszubringen, sodass ich es nicht mittrage.“
„Man hat viele Möglichkeiten, sich zu zentrieren. Und diese Zentrierung macht, dass man einfach klar wird.“
Viele hier tragen lange, helle Roben während der Übungen – tagsüber hängen sie im Schrank im Flur. Einige hier in der Gemeinschaft arbeiten viel, deshalb finden die Rituale meist früh morgens oder Abends statt. Auch dann wieder: Holzinstrumente, Gesänge und Gespräche.