„Dass man von einem Schlachttier die Schlachtabfälle klein mahlt, in eine Wurst presst, der man wieder ein menschliches Clownsgesicht gibt, um es besser an Kinder zu verkaufen oder zu vermarkten, ist ja eine Absurdität, die kaum zu überbieten ist“, findet Peter Liptau. Quasi Ironie ab Werk und Inspiration für den Ulmer Künstler.
Bärchenwurst als Teppich
Peter Liptau versteht es, aus Absurdem noch Absurderes zu schaffen. Dabei öffnet er den Blick der Betrachtenden für Gegenstände, die allgegenwärtig sind – und die man dennoch kaum jemals wahrnimmt. „Ich ästhetisiere etwas, das im Alltag zumindest nicht als ästhetisch wahrgenommen wird“, sagt der Künstler.
So erscheint die Gesichtswurst in seinen Werken mal als handgeknüpfter Wandbehang mit dem Titel „Teppich-Bärchenwurst“, in eine Schneekugel verpackt oder liebevoll geschnitzt aus dem typischen schleimgrauen PVC-Belag, der viele Jahre lang den Boden einer Amtsstube bedeckte.
Alltagsarchäologie mit Retro-Charme
„Alltagsarchäologie“ nennt der studierte Kunsthistoriker und Experte für Baugeschichte Liptau sein Verfahren. Erkunden kann das zurzeit in einer kleinen Ausstellung in Nersingen. Gezeigt werden Dinge, die man schon tausendmal gesehen und doch nie wirklich wahrgenommen hat: Kneipenaschenbecher, von ihm zu Etageren umgerüstet. Und liebevoll arrangierte mittelbraune Fliesen.
Wer das Arrangement der Keramikfliesen im Farbton „Herbstlaub“ gesehen hat, wird den Eindruck nie wieder los: Stimmt! Die braunen Dinger sind wirklich überall, gefühlt am Sockel jeder fünften Hausfassade.
Und die Suche nach Ungesehenem im Alltag geht weiter. So werden auch mal Energydrinks zu Kunstobjekten und mit Ausschnitten aus Werbeprospekten zur Collage. Peter Liptau hat noch eine Menge solcher „Ausgrabungen“ in petto.
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