Helmut Kohl als "Klappmaulfigur" aus der Kategorie "satirischer Gartenzwerg"
Eine metallumrahmte Brille sitzt auf der übergroßen Nase. Der Mund eine gerade Linie, deutliches Doppelkinn, tiefe Stirnfalten und einzelne Haare. Dazu ein dunkelblaues Sakko mit Nadelstreifen, weißes Hemd und ein blaurot gemusterter Schlips: Figurenbildner Jürgen Maaßen hat den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als lebensgroße Figur gestaltet.
Helmut Kohl als sogenannte "Klappmaulfigur" gehöre zur Kategorie "satirischer Gartenzwerg", sagt Jürgen Maaßen. Die Figur kann ihren Mund öffnen und schließen, indem der Puppenspieler seine Hand bewegt.
Werkzeuge beim Puppenmachen: Bandsäge, Elektromesser und Nagelschere
"Der kommt unter die Bandsäge", erklärt Jürgen Maaßen die Herstellung des Gummi-Kanzlers aus einem großen Block Schaumstoff. "Da wird das Profil erst ausgesägt und dann geht man mit dem Elektromesser dran und mit dem Cutter und den Rest macht die Nagelschere."
Jürgen Maaßen ist gelernter Bildhauer, hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Seine Puppen sind mittlerweile zu Klassikern der zeitgenössischen Figurentheaterkunst geworden.
Von Aladin mit der Wunderlampe bis hin zu Schneewittchen
Seine Techniken sind dabei äußerst vielfältig. Ob Stabfigur, Handpuppe, ob Holz oder Schaumstoff - Grenzen gibt es bei Jürgen Maaßen kaum. Und auch thematisch ist er breit aufgestellt von Aladin und der Wunderlampe bis hin zu Schneewittchen. Die Märchenfigur mit dem blassen Teint und den pechschwarzen Haaren zählt für ihn zu der Kategorie "Wasserleichen".
"Sie hat eine Augenmechanik," erklärt er. "Wenn sie da liegt, dann kann sie die Augen zumachen, und wenn sie noch nicht vergiftet ist, dann sind die Augen eben offen."
Holz ist ein lebendes Material
Besonders beeindruckend sind die geschnitzten Holzfiguren. Zum Beispiel der Teufel aus Goethes Faust, den Maaßen für das berühmte Hohenloher Figurentheater angefertigt hat. Von der einen Seite grinst der Teufel hämisch - von der anderen hat er einen verächtlichen Gesichtsausdruck.
Holz sei ein lebendes Material, sagt er: "Für mich ist der Holzkopf schon lebendig, wenn er geschnitzt ist mit starkem Licht und Schattenwerten, mit Tiefen, dass es ungeheuer lebendig ist."
Der ehemalige Puppenspieler Maaßen liebt den Guckkasten
Viele der Figuren, die im Museum für Puppentheaterkultur in Bad Kreuznach ausgestellt sind, hat Jürgen Maaßen selbst lange nicht gesehen. Denn einmal gefertigt, wandern sie oft von Theater zu Theater und verbringen ihr Dasein zwischen den Auftritten im Koffer.
Jürgen Maaßen hat seine aktive Zeit als Puppenspieler zwar beendet, zu seinen Vorlieben bekennt er sich dennoch: "Ich liebe den Guckkasten. Die Figuren sehen doppelt so groß aus. Und man kann wunderbar Überraschungen vorbereiten."
Ein bisschen Fantasie gehört zum Zauber des Figurentheaters dazu
Die hält auch die hinreißende Ausstellung mit Maaßens Meisterwerken bereit, die zum Teil in den Original-Bühnenbildern präsentiert werden. Ein bisschen Fantasie gehört zum Zauber des Figurentheaters dazu. Vor allem in dem Moment, wenn sie zum Leben erweckt werden.
"Theater ist eben Illusion und Darstellung", sagt der Figurenbildner. "Die Mitarbeit des Zuschauenden ist beim Puppentheater elementar. Weil sonst würden sie nur herumgeschwenktes Holz sehen. Aber was sehen sie? Leben."