Eine Bildserie über die frühe Marlene Dietrich
Wer in die Bilderwelt von Mario von Bucovich eintaucht, kann kaum glauben, dass er sich das Fotografieren größtenteils selbst beibrachte - mit reichlich Talent und viel Gespür für das besondere Bild und: das besondere Motiv.
Die junge Marlene Dietrich, noch am Anfang ihrer Karriere, abgelichtet 1929 am Rande der Dreharbeiten von „Der blaue Engel“. Es war der Film, der sie schließlich zum Star machte. Ihr Blick auf den Bildern: kühl, mal ein bisschen arrogant, mal halb belustigt, mal halb lasziv.
„Wir sehen sechs Fotos. Oben ist sie im Kostüm aus ‚Der blaue Engel‘, unten sehen wir das Porträt bis zu den Schultern“, erklärt Kuratorin Manuela Husemann. „Man sieht also wirklich nur ihr Gesicht. Die Konzentration liegt auf den Augen, auf diesem Schlafzimmerblick, für den sie ja auch so berühmt geworden ist. Es sind ganz spannende Fotos, die eben Marlene Dietrich ‚pur‘ zeigen.“
Ein Tausendsassa der Fotografie in den 1920er-Jahren
Doch die Starfotos, die damals auch als Autogramm-Postkarten massenhaft unter die Leute gebracht wurden, sind nur ein kleiner Teil des fotografischen Schaffens von Mario von Bucovich.
Er habe Porträts, Stadtansichten und Landschaften fotografiert, erzählt die Kuratorin. „Er hat aber auch Technik fotografiert, er hat Industrie fotografiert, er hat für die Werbung gearbeitet. Er war wirklich ein Tausendsassa und er wurde auch für alles gebucht. Er war unheimlich erfolgreich in den Zwanzigerjahren.“
Gutes Geld verdiente von Bucovich weltweit, auch im Rhein-Neckar-Raum, etwa als Auftragsfotograf der I.G. Farben in Ludwigshafen, aus der später die BASF wurde. Bilder mit rauchenden Schloten, gesichtslosen, schattenhaften Arbeitern, Metallgerüsten in vernebelten Werkshallen.
Wortgewandter Weltenbummler
Berühmtheit erlangte von Bucovich vor allem auch mit seinen Bildbänden, unter anderem über Berlin, Paris, New York und Washington. Darunter befinden sich Bilder von Straßenschluchten und Wolkenkratzern in Manhattan, von verträumten Straßencafés in Paris oder dem Berliner Dom im Morgennebel.
Sie muten fast ein bisschen impressionistisch an. Es sind Bilder mit dokumentarischem und künstlerischem Anspruch, die auch in Zeitschriften und illustrierten Reiseführern abgedruckt wurden.
Für Fotohistoriker Eckhardt Köhn sind von Bucovichs Aufnahmen technisch sehr versiert und künstlerisch wie ästhetisch sehr orientiert. „Dazu kam natürlich, dass er sehr weltgewandt war, viele Sprachen sprach: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch – und offensichtlich über große soziale Kompetenzen verfügt haben muss. Und er war eben, man würde heute sagen, ein ausgesprochener Frauentyp.“
Auf einigen Selbstporträts sieht Mario von Bucovich fast selbst wie ein Filmstar aus: Auf einem lächelt er verschmitzt in die Kamera, im Mundwinkel hängt lässig eine Zigarette. Seinen breitkrempigen Hut hat er verwegen nach hinten geschoben. Von Bucovich, der österreichisch-ungarischem Adel entstammte, lebte und arbeitete unter anderem in Deutschland, Frankreich, den USA, in Russland und in Spanien und war vier Mal verheiratet.
Einer seiner wohl kuriosesten Aufträge: 1939 fotografierte er für eine US-amerikanische Zeitung den ehemaligen bolschewistischen Revolutionär Leo Trotzki, der in Mexiko im Exil lebte.
Mario von Bucovich stirbt 1947, im Alter von 63 Jahren an einer Tankstelle in Mexiko-City, nachdem ihn dort ein betrunkener Autofahrer mit seinem Wagen angefahren und tödlich verletzt hat. In dieser Stadt wurde in einer Garage erst vor ein paar Jahren sein fotografischer Nachlass entdeckt.
Vieles davon hängt nun gerahmt an den Wänden in der Mannheimer Kunsthalle und kann dort jetzt wiederentdeckt werden.
Mehr Beiträge über Fotografie
Stadtmuseum Baden-Baden Pierre Boulez' Villa auf Fotos von Simone Demandt – Homestory beim unbekannten Weltstar
Der französische Komponist Pierre Boulez hat 53 Jahre lang in einer Baden-Badener Villa gelebt. Das moderne Interieur ist jetzt auf beeindruckenden Bildern von Simone Demandt zu sehen.