Kunst zu sammeln ist mehr als eine Frage des Geschmacks. Es geht auch um Begegnungen, Beziehungen und Vertrauen. Bei Karl Im Obersteg und Marianne Im Obersteg-Buess wurden diese persönlichen Verbindungen zum Ausgangspunkt einer außergewöhnlichen Sammlung. Das Basler Ehepaar stand in engem Austausch mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern seiner Zeit.
Zu ihrem besonderen Freundeskreis gehörten unter anderem die Künstler Cuno Amiet, Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin sowie das Tanzpaar Alexander Sacharoff und Clotilde von Derp Sacharoff.
Aus dieser persönlichen Verbindungen wuchs eine Sammlung von rund 220 Werken. Darunter Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier, sowie ein umfangreicher Bestand an Briefen. Rund 40 Werke und zahlreiche dieser Briefe sind seit dem 1. September im Kunstmuseum Basel in der Ausstellung „Freundschaft, Sammeln, Kunstsinn“ zu sehen.
Briefe von Karl Im Obersteg zum Anhören
Die Briefe geben dabei einen unmittelbaren Einblick in diese Verbindungen. Einige sind in der Ausstellung zu lesen, andere werden hörbar: Schauspielerinnen und Schauspieler leihen den Worten von Karl Im Obersteg und ausgewählten Künstlern ihre Stimmen. So wird nicht nur sichtbar, welche Kunst das Ehepaar gesammelt hat, sondern auch, welche persönlichen Beziehungen hinter der Sammlung standen.
Wie aber lernen sich Sammler und Künstler überhaupt kennen? Im Falle von Karl Im Obersteg und seiner Frau zunächst über dessen Arbeit. Er transportierte am Anfang lediglich die Kunst. „Karl Im Obersteg war Spediteur. Er hatte ein Transportunternehmen in Basel“, so die Kuratorin Nina Schweizer.
Cuno Amiet war der erste Künstler, dessen Werk Karl Im Obersteg erwarb. Der Schweizer Maler und Bildhauer aus dem benachbarten Kanton Solothurn hatte den Spediteur zunächst über dessen berufliche Tätigkeit kennengelernt. Aus dem Kontakt entwickelte sich eine Freundschaft, die dem Paar die Tür in die Kunstwelt öffnete.
Die Präsentation „Freundschaft, Sammeln, Kunstsinn“ begleitet die zeitgleich im Kunstmuseum Basel Neubau gezeigte Ausstellung „Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet. Die Sammlerin und Pionierin Gertrud Dübi-Müller“.
Gertrud Dübi-Müller und Karl Im Obersteg kannten sich zwar nur flüchtig, bewegten sich aber in ähnlichen Kreisen. Beide stehen in einer Tradition des Sammelns, wie sie sich im frühen 20. Jahrhundert in der Schweiz entwickelte: Aus engen Kontakten wuchsen Sammlungen, die heute teils in öffentlichen Museen zu sehen sind.