Ihre Motive erinnern an Memes, Internetbrowser und Manga-Figuren: Lucia Mattes verfilzt – im wahrsten Sinne des Wortes – Netzkultur zu Wandkunst.
Das langwierige und traditionelle Verfahren des Filzens steht für die Künstlerin im Kontrast zur flüchtigen Herkunft ihrer Motive. „Für mich sind meine Arbeiten auch ein Raum, wo sich diese Gegensätze aushalten lassen: Also digital versus analog oder die Weichheit der Filzwolle versus die Künstlichkeit von Inhalten“, sagt Lucia Mattes.
Trockenfilzen als Form des künstlerischen Ausdrucks
Das Material Wolle hat sie während der Corona-Pandemie für sich entdeckt, als sich das künstlerische Arbeiten, wie so vieles andere auch, nach Hause verlagert hat. Die aus Heidelberg stammende Künstlerin arbeitet dabei mit dem Verfahren des Trockenfilzens. Dabei werden die Wollfasern mithilfe einer speziellen Nadel miteinander verhakt.
Bei der Arbeit mit dem Titel „Firefoxy“ hat sie sich beispielsweise mit der Ästhetik eines Webbrowsers beschäftigt. „Wenn ich die Arbeit anschaue, muss ich zurückdenken, wie das eigentlich angefangen hat mit den Filzarbeiten, also mit dem Wunsch etwas Schnelllebiges zu konservieren.“
Meme-Kultur und Mangas: Inspiration Internet
Mit der alten Handwerkskunst des Filzens will die 1996 geborene Künstlerin somit die flüchtigen Computerbilder zu greifbaren Objekten machen. Die bewegten Bilder, die wir auf kalten Displays gewohnt sind, werden also in Form von flauschigen Wandarbeiten haptisch erfahrbar festgehalten.
Dass die meisten ihrer Bildinhalte aus dem Netz stammen oder davon inspiriert sind, ist auch an einem augenscheinlichen Stilmittel zu erkennen: Denn viele ihrer Arbeiten enthalten Schriftzüge, angelehnt an die Meme-Kultur.
Lucia Mattes sagt selbst, sie sei viel im Internet unterwegs. Die Einfälle kämen oft spontan: Wenn sie etwas sieht, folgt sie ihren Assoziationen und überlegt sich, was sie gerne damit kombinieren möchte.
Ausstellung der Karlsruher Meisterklasse im Schauwerk Sindelfingen
Im Schauwerk in Sindelfingen werden die Filz-Werke von Lucia Mattes aktuell gemeinsam mit den Arbeiten von zwölf weiteren Meisterschülerinnen und Meisterschülern ausgestellt.
Unter anderem sind die Arbeiten von Elisa Rungger zu sehen: Große Ölgemälde, in denen sie sich mit der Suche nach Identität beschäftigt. Oder die von Changxiao Wang, der sich in seinen Bildern mit der Beziehung zwischen Formen und Farbverläufen auseinandersetzt.
Seit 2001 stellt die jeweilige Meisterklasse der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe in wechselnden Kunstinstitutionen in Baden-Württemberg aus. Die Meisterschüler*innen-Ausstellung ist nach Angaben der Akademie ein tragender Bestandteil des Programms zum Abschluss des Studiums.