Persönliche Beziehungen zu den portraitierten Menschen
Eine Frau im dunkelroten Kleid sitzt auf einem verbogenen Metall-Stuhl. Um sie herum nichts als Sand, im Hintergrund ein paar dürre Bäume. Aufmerksam, aber skeptisch schaut die Frau in die Kamera.
„Das ist die Tochter des Stammesoberhaupts. Sie heißt Magdalena Martins und hat sieben Kinder, sagt Margaret Courtney-Clarke. Die Fotografin kennt sie schon seit vielen Jahren.
„Bei ihr hat mich fasziniert, dass sie ihren eigenen Kampf gegen ihren Vater kämpft, der kaum etwas für seine Leute tut. Sie ist die Aktivistin in dieser Gemeinschaft.“
Courtney-Clarke nimmt sich Zeit
Margaret Courtney-Clarke kennt all die Menschen, die sie fotografiert hat mit Namen und besteht darauf, dass sie auch neben den Fotografien auf den Ausstellungs-Schildchen stehen. Die Künstlerin hat zu den meisten der Frauen, die sie fotografiert hat, eine persönliche Beziehung.
Sie kennt ihren Lebensweg, ihre Sorgen und Nöte. Weiß, ob ihre Brunnen noch Wasser haben, ihre Kinder zur Schule gehen können, ob internationale Minenbetreiber sie wieder einmal umsiedeln wollen.
Margaret Courtney-Clarke sagt, sie verbringe oft eine ganze Woche in einer Dorfgemeinschaft oder mit einer Person, bevor sie überhaupt anfange, zu fotografieren. „Mich macht das immer fassungslos, dass manche Fotografen mit ihren Geländewagen herumfahren, das Fenster herunter kurbeln und mit ihrem Teleobjektiv Menschen fotografieren. Ich finde: Im Grunde stehlen sie ihre Bilder!“
Bilder zeigen Auswirkungen von Armut und Dürre
Namibia könnte ein reiches Land sein, denn es besitzt wertvolle Bodenschätze. Aber von denen profitieren fast ausschließlich die großen Minenbetreiber aus dem Ausland. Korruption, Misswirtschaft und Machtmissbrauch tun ihr Übriges.
Die Minen-Betreiber graben der Bevölkerung oft auch noch das letzte Wasser ab. Die Fotografin Margaret Courtney-Clarke zeigt in ihren Bildern vertrocknete Wasserlöcher und Brunnen, Kinder, die oft viele Kilometer laufen müssen, um Wasser zu finden und Tiere, die auf der Suche nach Wasser jämmerlich in den Stacheldrahtzäunen der Farmer verenden.
Die einst reiche Tierwelt wird zusätzlich durch Wilderer dezimiert, die oft nichts anderes finden, um sich und ihre Familien zu ernähren. Wenn es aber keine Elefanten, Löwen und Leoparden mehr gibt, kommen auch keine Safari-Touristen mehr ins Land – und dann fliehen noch mehr Menschen in die Städte.
So wie Ashanti Gaises, die auf einer illegalen Müllkippe arbeitet: „Es ist sehr schmerzhaft. Ich habe Angst, dass sie – wie so viele - dort in die Prostitution und in Alkoholsucht abrutscht“, sagt Margaret Courtney-Clarke.
Margaret Courtney-Clarke hilft, wo sie kann
Die Fotografin, die in Namibia geboren ist aber anglo-irische Wurzeln hat, hilft, wo sie kann. Sammelt Spendengelder, hält Kontakt mit den Frauen. Viele hat sie über Jahre hinweg fotografiert.
Und sie hilft mit ihren Fotos, dass diese Menschen nicht vergessen werden und die Folgen der immer häufigeren Dürre-Katastrophen sichtbar werden. Oft stehe sie aber vor dem Dilemma, dass ihre Fotos, die das Elend zeigen, sehr ästhetische Kunstwerke sind.
So wie das beeindruckende Foto der alten Susanna Uri-Khos, die Mitten in der schier endlosen Sandwüste unter den verdorrten Überresten eines alten Baumes steht, der sich wie ein Bogen über sie krümmt.
„In unserer digitalen Gegenwart, wo wir jederzeit von Bildern nur so überflutet werden, muss man, um Aufmerksamkeit zu bekommen, so starke Fotos machen, dass die Leute stoppen und das Bild wenigstens kurz wirklich anschauen.“
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