Roter Teppich für Hollywood und Co
Was die Öffentlichkeit von der Met Gala mitbekommt, ist immer nur ein Bruchteil. Denn ein Großteil des Abends, für den Prominente bis zu 100.000 Euro pro Ticket hinlegen, findet hinter verschlossenen Türen statt – mit absolutem Foto-Verbot.
Umso größer ist dafür der Presseandrang auf dem roten Teppich, wenn Prominenz aus Film, Mode und anderen Bereichen ihre Looks präsentiert. Der Veranstalter, das Magazin „Vogue“ gibt dazu jedes Jahr ein neues Motto vor. Dieses Jahr lautete es „Mode ist Kunst“.
Klar inspiriert zeigte sich etwa die Sängerin Gracie Abrams („That’s so true“) in einer Robe von Chanel, die stark an Gustav Klimts Gemälde „Der Kuss“ erinnerte. Schauspielerin Rachel Zegler („Schneewittchen“ 2025) erschien mit einer Augenbinde und weißem Kleid – eine Anspielung auf „Die Hinrichtung der Lady Jane Grey“, ein Gemälde von Hippolyte Delaroche.
Madonna und „Die Versuchung des Heiligen Antonio“
Aufsehen erregte Musiklegende Madonna, deren überdimensionierter blauer Schleier gleich von sieben Helferinnen getragen wurde, die sich sternförmig um sie herum platziert hatten. Madonna zitierte damit das Gemälde „Die Versuchung des Heiligen Antonio“ der britischen-mexikanischen Surrealistin Leonora Carrington.
Diese kämpfte Zeit ihres Lebens dafür, als eigenständige Künstlerin gesehen zu werden. Denn Carrington wird oft auf ihre Rolle als Muse von Max Ernst reduziert. Dieser schuf etwa eine der bekanntesten Versionen der „Versuchungen des Heiligen Antonius“.
Dass Madonna jetzt Carringtons Version als Vorlage für ihren Met-Look wählt, kann also als feministisches Statement gelesen werden. Eine Vorliebe für Carrington zeigte Madonna bereits früher: Das Musikvideo zu „Bedtime Story“ ist von ihrer Kunst inspiriert.
Sabrina Carpenter zitiert „Sabrina" mit Audrey Hepburn
Popstar Sabrina Carpenter ist dafür bekannt, Referenzen auf Filmklassiker in ihre Musikvideos einzubauen. Kein Wunder also, dass sich auch hinter ihrem Met-Look ein solcher Klassiker versteckt. Anders als bei manch anderen Looks musste man hier allerdings genauer hinschauen, um die Referenz zu verstehen:
Denn das Kleid der Sängerin bestand aus zahlreichen Filmrollen von „Sabrina“ mit Audrey Hepburn. Nicht nur teilt sich die Protagonistin einen Vornamen mit der Sängerin, der Film soll auch zu ihren Lieblingsmovies gehören.
Und: Die Geschichte wirkt, als könnte sie glatt aus einem Musikvideo Carpenters stammen: Die Filmfigur Sabrina ist eine junge, schöne und elegante Frau, deren zwei Verehrer um sie kämpfen, dabei aber auch nicht ganz ehrlich sind.
Lauren Sánchez Bezos mit Statement-Kleid
Dass Lauren Sánchez Bezos überhaupt bei der Met Gala auftaucht, hat eine Vorgeschichte: Ihr Ehemenn, Amazon-Chef Jeff Bezos, war Hauptsponsor des Abends. Von einer Summe zwischen 8.5 und 10 Millionen Dollar ist die Rede.
In Anbetracht von Bezos‘ zweifelhaftem Ruf, was die Behandlung der Amazon-Beschäftigten angeht, gab es im Vorfeld der Gala große Proteste. Demonstranten riefen zum Boykott auf. Einige Stars, die sonst Dauergäste waren, blieben fern – ein direkter Zusammenhang mit den Protesten ist allerdings nicht belegt.
Nun tauchte Sánchez in einem Kleid auf, dessen Vorbild vor rund 140 Jahren auch für Aufruhr sorgte: Das Gemälde der berühmten „Madame X“, ein Portrait der Bankiersfrau Virginie Gautreau von John Singer Sargent. Als das Bild Mitte der 1880er Jahre ausgestellt wurde, empörte sich die Kunstwelt über die für damalige Verhältnisse hocherotische Darstellung.
Skandalös viel nackte Haut
Denn das Kleid ließ viel nackt, das damals bedeckt gehörte – außerdem malte Sargent einen der Träger halb heruntergerutscht. Ein Kritiker kommentierte damals, es fehle nur eine falsche Bewegung, und die Dame würde völlig entblößt dastehen.
Sargent übermalte daraufhin den heruntergerutschten Träger und ersetzte ihn durch einen richtig sitzenden. Trotzdem soll das Gemälde dem sozialen Status der Portraitierten damals heftig geschadet haben. Heute gehört es zu den berühmtesten Schätzen des Metropolitan Museum of Art in New York.
Abgesehen von der Met-Parallele von Vorbild und Gala werten Boulevard-Medien die Kleiderwahl Sánchez als Statement, nach dem Motto: Nach dem Gespött über mich werden wir sehen, wer am Ende lacht.
Parallele zu „Der Teufel trägt Prada 2“
Andere Kommentatoren machen auf eine weitere Parallele aufmerksam, die die Bezos vermutlich nicht bewusst herbeigeführt haben. Denn Veranstalter Vogue ist aktuell auch wegen der Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ in aller Munde. Darin will sich Ex-Assistentin Emily das fiktive Vorbild der Vogue, die Runway, von ihrem reichen Partner kaufen lassen.
Handelt es sich um einen reinen Zufall oder doch um einen Kommentar der Film- und Modeindustrie? Eins ist klar: Leben und Kunst treffen bei dieser Met Gala eng aufeinander.