Große Neugier auf Kunst

Besondere Orte entdecken – Die Mainzer Museumsnacht macht's möglich

42 Museen, Galerien und Kultureinrichtungen in Mainz öffneten am 14. Juni ihre Türen bis Mitternacht: Bei der Museumsnacht konnte das Publikum sowohl die bekannten Schwergewichte der Mainzer Kulturlandschaft, als auch kleinere Institutionen entdecken. Viele Menschen nutzten die Museumsnacht für einen anregenden Nachtspaziergang und verbreiteten eine Atmosphäre aus großer Offenheit und Neugier.

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Stand

Von Autor/in Imogen Voth

„Wilde Stories“ im Gutenberg-Museum

Vor dem Gutenberg-Museum in seinem Ausweichquartier direkt neben dem Naturhistorischen Museum drängeln sich die Besucherinnen und Besucher. Es duftet nach Knoblauch und gebackenem Brot. Warme Sommerluft, Musik und offene Museen locken die Menschen an.

In dieser Nacht bekommen die Gäste des Gutenberg-Museums ganz exklusive Führungen, nämlich von der Kuratorin und der stellvertretenden Direktorin und vom Leiter der Museumsbibliothek. „Unsere Führung heißt jetzt ‚Wilde Stories‘, ‚Wilde Buchmonster‘, ‚Wilde Hexen‘ und so weiter“, sagt Anett Göthe, Kuratorin der Ausstellung. „Das sind die Themen die wir uns überlegt haben, die zu unseren Objekten passen“.

Und sie gerät ins Schwärmen, schließlich besitzt das Museum 500.000 Objekte und zu jedem einzelnen könnten Geschichten erzählt werden.

Das Gutenbergmuseum in Mainz ist jetzt im Naturhistorischen Museum untergebracht.
Daniel Brusch

Ritter Theuerdank – der erste Ritterroman in Versform

Allerdings gibt es zurzeit nicht viel Platz für die vielen Exponate, denn es ist eine Interimsausstellung, die die nächtlichen Besucher sehen dürfen, da das Museum einen Neubau bekommt. Unter diesen Bedingungen ist die aktuelle Ausstellung entstanden, erklärt die Kuratorin. Aus den sechs Themen der Ausstellung hat Anett Göthe das  Thema „Image pflegen“ ausgesucht. „Und dann sehen wir eine Reproduktion von Ritter Theuerdank.“

Ein dickes Buch liegt aufgeschlagen unter Glas. Es ist der erste Ritterroman in Versform aus dem 16. Jahrhundert. Darüber leuchtet eine riesige Projektion von Kaiser Maximiliam I., der der Autor dieses Buches ist und der darin sein aufregendes Leben beschrieben hat. Imagepflege eben.

Noch nach 21 Uhr kommen ganze Schübe von Besuchern

Imagepflege auf eine ganz andere Weise erlebt der Eisenturm in fußläufiger Nachbarschaft. In dem mittelalterlichen Turm haben die Mitglieder des Kunstvereins ihre Werke ausgestellt. Am Eingang wird eine Strichliste über die Besucherzahlen geführt. Noch nach 21 Uhr kommen ganze Schübe von Besuchern herein, darunter viele junge Leute.

In dieser Nacht ist alles anders: Es herrscht eine große Offenheit und Neugierde auf Kunst, wie ein junger Mann bestätigt: „Wir waren schon im alten Dom, wir waren im normalen Dom und wir waren bei der Baukultur und wir waren beim SWR, beim Bus. Wir sind noch relativ offen für den Rest des Abends, mal gucken, wo es uns hin verschlägt.“

Annette Emde - Ausstellungsansicht
Blick in die Doppelausstellung „Götz Diergarten & Robert Klümpen – Schöne Grüße!“ in der Galerie Emde. Pressestelle Annette Emde / Emde Gallery

Interessierte Besucher auch in der Galerie, die etwas abseits liegt

Vielleicht schafft er es noch zur Galerie Emde, die ein bisschen weit ab vom Schuss liegt. Aber es lohnt sich, wie Annette Emde versichert. In der kleinen Galerie hängen Bilder des Fotografen Götz Diergarten und des Malers Robert Klümpen.

Die Besucher seien sehr interessiert, erzählt sie: „Vor allem die Fotografien kommen sehr gut an. Der Leuchtkasten ist so ein Blickfang. Verkauft habe ich heute Abend noch nichts, das ist auch nicht erste Priorität.“

Fotos von Götz Diergarten (SWR Kultur Hausbesuch)

Es geht um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit

Es ging in dieser Nacht eher um die Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit dieser besonderen Orte, an denen Kunst ausgestellt wird. Und das ist gelungen, schließlich wurden alle teilnehmenden Museen und Galerien sehr gut besucht. Bis spät in die Nacht liefen Besucherinnen und Besucher quer durch die Stadt, unterhielten sich und diskutierten über das Erlebte.

Es herrschte eine angeregte und energiegeladene Atmosphäre in der Innenstadt, wie man sie sonst in Mainz selten erleben kann.