Hemmschwellen zwischen Armut und Kunst abbauen
Fast anderthalb Jahre hat Sozialarbeiter und Künstler Ralf Blümlein an seiner Ausstellung „Binger Tafel trifft Kunst“ gearbeitet. Diese richtet sich bewusst an Menschen, die sonst niemals Museen besuchen. Für Blümlein ist es eine Einladung an all jene, die am Rand stehen und sich Kultur oft nicht zutrauen.
Die Hemmschwellen sind dabei groß: „Gibt es einen Dresscode? Muss ich Eintritt bezahlen?“ Derartige Fragen hört Blümlein häufig. Darin zeigt sich viel über das Verhältnis von Armut und Kultur. In der Tafel soll beides zusammenkommen: Kunst soll nicht elitär sein, sondern im Alltag stattfinden, dort, wo soziale Not sichtbar ist – und oft übersehen wird.
Ralf Blümlein engagiert sich seit 1994 in der Obdachlosenhilfe
Der Streetworker hat 1994 die Obdachlosen-Initiative „Platte“ in Bingen gegründet und initiiert seitdem immer wieder Projekte für wohnungslose und von Armut betroffene Menschen. Kunst versteht er als Mittel, neue Wege in der Wohnungslosenhilfe zu gehen.
Blümlein hofft, dass so Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die sich sonst kaum begegnen. Vor allem will er aber zum Nachdenken anregen, denn er ist überzeugt davon, dass Kunst eine politische Aussage haben sollte.
Gegenstand von Blümleins Kunst sind unter anderem Kleidungsstücke, Schuhe, Stühle oder ein Fahrrad – alles Dinge, die keiner mehr haben wollte. Der Künstler hat sie in Schwarz und Gold lackiert und thematisiert dadurch den Kontrast zwischen Armut und Reichtum.