Wie Verner Panton ins Vitra kam
Für Rolf Fehlbaum, Möbelhersteller und Gründer des Vitra Design Museums, ist die Ausstellung eine Zeitreise zurück in seine eigene Jugend. Er zeigt auf ein unförmiges weißes Stück Plastik: „Das ist der allererste Prototyp des Panton-Chairs. Mit diesem Objekt ist er durch Deutschland gereist, hat es im Auto mitgenommen, verschiedenen Herstellern gezeigt, und alle sagten: Impossible, das kann man nicht machen. Außer meinem Vater.“
In Dänemark, wo skandinavische Schlichtheit regierte, wollte kein Fabrikant etwas mit dem Kunststoff-Ding zu tun haben – und auch bei Vitra war jahrelanges Tüfteln nötig, bis Form und Material passten. So wurde aus dem klumpigen Ding die Freischwinger-Ikone aus Polypropylen.
Und zwischen Verner Panton und Rolf Fehlbaum wuchs Freundschaft: „Ich hab mich angefreundet mit ihm. Er war zwar 15 Jahre älter, aber wir haben die gleichen Gedanken gehabt, das waren die 1960er-Jahre – alles musste anders werden, alles! Nur nicht die bürgerliche Umgebung, das war für uns verhasst“, erinnert sich Fehlbaum.
Verner Panton revolutionierte das Sitzen
Vor allem das Sitzen hat Panton revolutioniert: Seine Flying Chairs schweben an Seilen von der Decke. Der Cone Chair balanciert wie eine Eistüte auf der Kegelspitze, der Heart Cone Chair umfängt den Sitzenden wie ein geschwungenes Herz.
Wie man möglichst elegant im Minirock darauf Platz nahm, demonstrieren Originalaufnahmen von damals. Die vielen Bildschirme machen die Ausstellung im Schaudepot lebendig, die Exponate beweisen die Vielseitigkeit des Designers.
Er entwarf Tapeten, Teppiche, Stoffe und Wandpaneele, alles in geometrischen Mustern und grellen Farben. Das schockte schon damals – und heute wieder.
„Farbe war für ihn eine Möglichkeit, auf die Emotionen der Nutzer*nnen einzugehen, positive Stimmung zu erzeugen“, sagt Kuratorin Susanne Graner – auch in Arbeitsräumen wie dem „Spiegel“-Hochhaus. Das Verlagshaus des Nachrichtenmagazins verwandelte Panton 1969 in eine psychedelische Pop-Art-Landschaft.
Designs, die befreien
Für die Kölner Möbelmesse gestaltete er dreidimensionale Polsterlandschaften. Die Ausstellung in Weil am Rhein präsentiert einen Nachbau. Besucher können mit Überschuhen reinklettern und die verschiedenen Liegepositionen ausprobieren. Dazu dringt blau-lila Licht durch die farbigen Stoffe.
Für Rolf Fehlbaum das Highlight der Ausstellung. „Das sind andere Unterhaltungen, die hier stattfinden, man ist wie preisgegeben, man wird freier. Das wollte der Verner mit diesem Umfeld.“
Wohnlandschaften setzten sich nicht durch
Pantons modulare Wohnlandschaften schafften es sogar in den Kaufhof – durchgesetzt haben sie sich nie. Einzelne Möbel lassen Raum für eigene Wohnideen, komplette Wohnlandschaften dagegen zwingen in die Vision eines Fremden.
Auch Pantons radikales Architekturkonzept für die Karlsruher Altstadt blieb Utopie: riesige Wohnkugeln, verbunden durch Seilbahnen. Seine Lampen hingegen brachten ihr fröhliches Pop-Flair in die Wohnzimmer des Westens – allen voran die Flowerpot-Leuchte von 1968.
Panton-Chair: Bis heute Verkaufsschlager
Was macht den Panton-Chair bis heute so erfolgreich? Die Kuratorinnen Susanne Graner und Nina Steinmüller:
„Die Präsenz, wie eine Skulptur aus einem Guss. Geschwungenes Design und gleichzeitig wahnsinnig bequem“, sagen die Kuratorinnen Susanne Graner und Nina Steinmüller: „Entweder man mag ihn oder nicht, es gibt kein dazwischen. Wenn man ihn hat, dann in knalligen Farben!“
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