Platz 9 (25 Punkte)

Charles Dickens: David Copperfield

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Mindestens 15 deutsche Übersetzungen liegen von Charles Dickens mehr als 1000-seitigem Roman bislang vor – hätte es da wirklich eine weitere gebraucht? Sicher ist: „David Copperfield“, im Original in den Jahren 1849 bis 1850 als Fortsetzungsroman erschienen, ist eines von Dickens eindrucksvollsten und schönsten Büchern. Und sein persönlichstes noch dazu. Autobiografische Erfahrungen Dickens wie beispielsweise die Tätigkeit als Etikettenkleber bei einem Weinhändler, sind darin eingeflossen.

Die Geschichte des vaterlosen Jungen, erzählt von ihm selbst in der Rückschau des erwachsenen Mannes, legt das englische Klassensystem ebenso gnadenlos frei wie sie voll ist von großartig gezeichneten Figuren und von Menschen voller Herzenswärme und Hilfsbereitschaft. Ein klassischer Bildungsroman, der offensichtlich noch immer von großer Aktualität ist, diente er beispielsweise der US-amerikanischen Autorin Barbara Kingsolver als Folie für ihren opulenten Roman „Damon Copperhead“, für den sie 2023 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Kingsolver transportierte die Geschichte in die Gegenwart des verarmten, ländlichen Amerika und zeigte, wie anschlussfähig Dickens Grundthemen geblieben sind.

Melanie Walz, die 2021 bereits George Eliots „Middlemarch“ in eine zeitgemäße Fassung gebracht hat, hat „David Copperfield“ nun neu übersetzt und, wie es in einer Rezension heißt, „sanft ins Heute geholt“. Die Frage danach, ob es diese Neuübersetzung gebraucht hätte, erübrigt sich damit.

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