Monika Rinck ist der Superstar der deutschsprachigen Gegenwartslyrik. Akademisch, experimentell, rasant, ganz nah an den aktuellen Diskursen. Überforderung hat bei Monika Rinck nichts Destruktives. Wer zu geistigen Überflügen ansetzen will, muss riskieren, sich zu viel vorzunehmen. Seltsamerweise gelingt bei Rinck fast immer alles, was sie zu denken beginnt. Abstürze kommen nicht vor. Und was ist das nun in ihrem neuen Gedichtband? Dante und Entenhausen zusammengedacht?
Die Höllenfahrt ist dabei noch nicht einmal eine Metapher, nicht allein jedenfalls. Denn Monika Rinck stellt ganz offen die Frage, ob wir, also die Menschheit, irgendwann mit dem Verbrenner in die Unterwelt einfahren werden. Was auf diese Frage folgt, ist der Text „Beschleunigte Strassenprojekte Baden-Württemberg“:
Hier sind die Folien. Autobahnkreuz Heidelberg – Autobahnkreuz Walldorf, /
Staugefahr: vordringlicher Bedarf mit Engpassbeseitigung. Hier ist der /
Frachtraum, hier sind die Geißen aus Titan und die der Fahrbahnoberfläche /
angepasste Spurbelegung und Geschwindigkeit. Baden-Württemberg, A5, /
breiter, weiter, die verbreiterte A5 und die A6, Autobahnkreuz Mannheim – /
Anschlussstelle Schwetzingen /
Hockenheim, vordringlicher Bedarf mit Eng- /
passbeseitigung. O Ihr Herren des Gestern, ich bin das Morgen.
Man muss Monika Rinck beim Lesen zuhören, um die ganze Kraft und Wucht und Rhythmik ihrer Verse zu erfassen: Sie rast durch die Zeilen wie ein Verbrenner über die A5, wenn nicht gerade Baustellen den Weg hemmen. Und der Entenstaat? Bekommt hier seine eigene Oper in 15 Gedicht-Aufzügen. Reich ist nicht nur Dagobert Duck, sondern auch der Assoziationsraum dieser Dichterin.