Mittlerweile ist Juan S. Guse 36 Jahre alt und trotzdem noch einer der hoffnungsvollsten deutschsprachigen Schriftsteller der jungen Generation. Im Alter von 23 Jahren gewann Guse bereits den Nachwuchs-Literaturwettbewerb open mike; er absolvierte den berühmt-berüchtigten Studiengang Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim.
Vor allem aber hat Guse mit „Lärm und Wälder“ und „Miami Punk“ zwei Romane veröffentlicht, die aus der derzeit konventionellen, autofiktional geprägten Standardästhetik der Gegenwartsliteratur herausragen, weil sie wirklich etwas wagen und gesellschaftliche Diagnose mit literarischem Anspruch verbinden.
Die Bücher – auch das darf man voller Respekt sagen – betrachten die Welt aus der Perspektive eines etwas schrägen Nerdtums. Anders ausgedrückt: Guse interessiert sich brennend für komplexe Phänomene der Gegenwart, und er hat sowohl die Intelligenz als auch die Sprache dafür, sie zu durchdringen. „Tausendmal so viel Geld“, Guses neues Buch, ist kein Roman, sondern eine Annäherung an eine Gesellschaft in der Krise und an die Versprechungen des Digitalen. Guse hat sich ein Jahr lang mit vier Männern getroffen, die mit Kryptowährungen reich geworden sind, mit einem Friedhofsgärtner aus Dortmund beispielsweise.
Diese Menschen sind keine smarten Macher, keine strahlenden Millionäre. Guse interessiert sich für die Heilsversprechen, die hinter dieser Technologie stehen, für die Sehnsüchte nach Klassensprüngen. Ganz davon abgesehen stellt er auch die Frage: Warum eigentlich sind das alles Männer?