Platz 4 (76 Punkte)

Eva H.D.: Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen

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Eva H.D. stammt aus Toronto, hat drei Gedichtbände und ein Drehbuch veröffentlicht. Das ist die dürre Auskunft, die man im Klappentext dieses schmalen Bandes findet, in dem eine Auswahl der Gedichte dieser Lyrikerin abgedruckt ist – jeweils in der Originalsprache und, dem gegenübergestellt, in der Übersetzung von Anne-Kristin Mittag und Steffen Popp. Und mehr muss man eigentlich auch nicht wissen, denn oft lenken sekundäre Informationen ja auch vom Eigentlichen ab.

Die Gedichte, die Eva H.D. schreibt, sind konkret, anschaulich, gegenständlich. Dann gibt es immer wieder Momente, in denen die Zeilen plötzlich abschweifen, abbiegen ins Mythische, ins Fantastische, auch ins Persönliche. So heißt es in dem vielleicht programmatisch zu verstehenden Gedicht „Abschweifung“ („Digression“ im Original):

„Wenn ich was sehe, liegts mir auf der Zunge. / Sehe ich einen Truck, sage ich Trucks, Overalls, / Hunde. Ich sage Landstraßen im Sommer und / krasse Spritschleudern und Vergaser- / Blues und lange Bluegrass-Nächte und / Sägemehl auf einer dreimal geflickten / Carhartt.“

Am Ende kommt das Gedicht bei einem Du, bei einer Liebesbeziehung an. Wer oder was die Abschweifung war? Das bleibt offen.

Eva H.D.‘s Gedichte haben einen melancholischen Grundton; sie beschwören ein Land von großer Schönheit herauf, eine Landschaft aus Erinnerungen, doch zugleich haben sie stets die Gefährdung, die Störfaktoren im Blick. Idyllisch ist hier nichts.

Diskussion über vier Bücher SWR Bestenliste Juli/August im Staatstheater Mainz

Meike Feßmann, Klaus Nüchtern und Jan Wiele diskutierten im Staatstheater Mainz vier auf der SWR Bestenliste im Juli und Augst verzeichnete Werke.

So unterhaltsam kann Literaturkritik sein: Meike Feßmann, Klaus Nüchtern und Jan Wiele diskutierten in der Kakadu Bar des Mainzer Staatstheaters vier Werke, die auf den vorderen vier Plätzen der SWR Bestenliste im Juli und August stehen. Die Jury-Mitglieder sprengten jedes Zeitlimit, waren sich nur bei einem Roman einig und verstanden sich prächtig. Es gab beherzten Dissens auf der Bühne und zahlreiche Lacher im Publikum.
Auf dem Programm standen: Der zweisprachige Gedichtband „Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen“ der kanadischen Autorin Eva H.D., mit einer deutschen Übertragung von Anne-Kristin Mittag und Steffen Popp, herausgekommen im Hanser Verlag, ist auf Platz 4 der Sommer-Bestenliste verzeichnet. Barbi Markovićs Poetikvorlesung „Stehlen, Schimpfen, Spielen“, erschienen bei Rowohlt Hundert Augen, steht auf Platz 3. Jonathan Lethems Roman „Der Fall Brooklyn“ in deutscher Übersetzung von Thomas Gunkel, veröffentlicht im Klett-Cotta Verlag, belegt Platz 2. Auf der Spitzenposition der Bestenliste im Juli und August steht Gesa Olkusz mit ihrem zweiten Roman „Die Sprache meines Bruders“, der im Residenz Verlag erschienen ist.

Aus den vier Büchern lasen Iris Atzwanger und Johannes Schmidt vom Staatstheater in Mainz. Durch den Abend führte Carsten Otte.

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