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Ian McEwan: Was wir wissen können

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Dies ist eindeutig der Herbst der Altmeister. Auch Ian McEwan, mittlerweile 77 Jahre alt, zeigt in diesem Roman wieder einmal seine vielfältigen Qualitäten. Die Konstruktion des Romans ist raffiniert: Wir befinden uns im Jahr 2119, und wer an dieser Stelle mit der Begründung aussteigt, Zukunftsromane seien nichts für ihn, verpasst etwas.

McEwan blickt aus der Zukunft zurück. Die Welt des Jahres 2119, keine Überraschung, ist nicht besser oder schöner geworden: Überflutungen, hervorgerufen unter anderem durch Bombenexplosionen, Bürgerkriege, Chaos. Die Menschheit ist halbiert, Großbritannien zersprengt; übrig ist nur noch ein Archipel.

Auf einer der Inseln lebt Thomas Metcalfe, Professor für Literatur. Sein Spezialgebiet: Die Literatur der Jahre 1990 bis 2030. Thomas möchte herausfinden, wie die Schriftstellerinnen und Schriftsteller dieser Epoche auf die bereits absehbaren Katastrophen der Zukunft reagiert haben. Er ist einer Legende auf der Spur, einem Gedicht, das ein Dichter namens Francis Blundy im Jahr 2014 auf dem Geburtstag seiner Frau vorgetragen haben soll. Gedruckt wurde das Gedicht niemals. Mit ihm verbinden sich Gerüchte: Es sei eine Kehrtwende im Werk des legendären Schriftstellers, heißt es. Ein visionärer Sonettenkranz, der die Klimakatastrophe voraussage. Aber auch, dass darin ein verstecktes Mordgeständnis enthalten sei.

Geschickt und elegant spielt McEwan mit dem Genre der philologischen Detektivgeschichte und stellt im zweiten Teil mit einem Perspektivwechsel alles noch einmal auf den Kopf. Ein Gegenwartsroman, der aus der Zukunft kommt.

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