Im Januar dieses Jahres ist Helga Schubert 85 Jahre alt geworden. 1975 hat sie ihre ersten Texte veröffentlicht; zumeist schrieb sie Erzählungen, die den Alltag von Frauen in der DDR thematisierten, und es dauerte nicht lange, bis Schubert in den Fokus des Ministeriums für Staatssicherheit geriet.
Nach der Wende wurde es still um die studierte Psychologin – bis sie im Jahr 2020 bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur für ihren Text „Vom Aufstehen“ mit dem Ingeborg Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde. Rund 40 Jahre zuvor war ihr die Teilnahme an diesem Wettbewerb noch untersagt worden; im Jahr 1980 hat man ihr die Ausreise nicht genehmigt.
Nun gibt es ein neues Buch von Helga Schubert: 38 Texte sind in „Luft zum Leben“ zusammengestellt, entstanden in den Jahren zwischen 1960 und 2025. Exakt die Hälfte davon sind Erstveröffentlichungen. Zusammengenommen wird in diesem Buch eine Biografie in ihren Wendungen und Erfahrungen rekapituliert.
In den vornehmlich autobiografischen Texten geht es um die Selbstbestimmung von Frauen, um den Blick von Osten auf die Bundesrepublik, um Familie, Krankheit und geradezu naturgemäß auch immer wieder um die Repressalien des DDR-Regimes.
Helga Schuberts erzählerische Fähigkeiten blitzen in jedem Text auf: Ihre Beschreibungen des Alltags sind so anschaulich wie komprimiert; der Ton ist nüchtern und frei von jedem Pathos.