2023 gewann Alexander Schnickmann, Jahrgang 1994, den renommierten Darmstädter Leonce-und-Lena-Preis; ein Jahr später veröffentlichte er sein vielbeachtetes Großgedicht „requiem“, einen Bewusstseinsstrom, der die Betrachtung der Naturzerstörung mit einer persönlichen Liebesenttäuschung verband.
Schnickmanns zweitem Buch – so wird zumindest kolportiert – liegen intensive wissenschaftliche Studien über den Weltraum und Planeten zugrunde; konsequenterweise trägt „Gestirne“ auch den Untertitel „Weltraumgedichte“. In der Dunkelheit des riesigen Raums hält sich ein lyrisches Ich auf und blickt in sich hinein, denkt an eine Liebe, die weit entfernt ist, schaut auf die Welt.
wie ich mit dem Laubgebläse / durch den Himmel reite mach mir / endlich deine Sphären klar lass / blass und schwach die / nächste meiner Schwestern kreisen / was sind Millionen Kilometer / gegen eine Ringbahnfahrt zu dir / viben am anderen Ende der Stadt mein Kopf / ist carbon dioxide heavy im All
Dazu ließe sich pragmatisch ergänzen, dass ein Weltraumtransporter möglicherweise das zuverlässigere Verkehrsmittel ist als die Ringbahn. Und der Schriftsteller Clemens Meyer lobt: „Das hat poetischen Bums.“