Joachim Sartorius, der am 19. März seinen 80. Geburtstag feierte, ist im besten Sinne ein Intellektueller alter Schule. 1946 geboren als Sohn eines Diplomaten, aufgewachsen in Tunesien, Kamerun und im Kongo.
Studierter Jurist, Übersetzer und Kulturmanager, der unter anderem als Generalsekretär des Goethe-Instituts und als Intendant der Berliner Festspiele gewirkt hat.
Vor allem aber auch ein Leser, dessen Lektüren im Schreibprozess Produktivität erzeugen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Literaturagentin Karin Graf, lebt Sartorius abwechselnd in Berlin und in Syrakus.
Kein anderer Ort auf der Welt hat ihn mehr inspiriert: Syrakus sei „vor 2500 Jahren das New York des Mittelmeers“ gewesen, hat Sartorius einmal formuliert.
Seine Gedichte führen zu mythischen Plätzen, stellen die Frage nach dem, was einmal bleiben wird, ziehen Bilanz, schauen sich um. „Gegenstände des Arbeitszimmers“, so heißt der erste Zyklus dieses Bandes:
Vor mehr als 30 Jahren in Budapest gekauft / eine altmodische Schautafel / für den Schulunterricht Biologiestunde / Ein Vogelflügel: weiße Federn aufgehängt / an Knöcheln Handarbeit Flügelarbeit / Beschriftungen mit Schreibmaschine getippt / und hingeleimt / lösen sich jetzt ein wenig von ihrer Unterlage.
Was sich schon in Sartorius vorangegangenem Band „Wohin mit den Augen“ zeigte, verstärkt sich nun noch einmal: Im Alter teilt sich die Welt in ein Damals und ein Jetzt.
Doch die letzten Beschwörungen sind seine Sache nicht. Ein gutes Gedicht, so schrieb Sartorius einmal, sei „eine absolute Metapher für einen Weltmoment.“ Ein Dichter der Epiphanien und des Schauens, dessen er noch nicht müde ist.