Ein zartes und zugleich brutales Debüt

Aufwachsen, wo Oslo weh tut: Oliver Lovrenskis „Bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“ als Hörbuch

Kraftvoll und poetisch erzählt Oliver Lovrenski vom Aufwachsen auf Oslos Straßen, von kaputten Familien, vom Dealen, Ballern und Gewalt - und von bedingungsloser Freundschaft. Dealen, Schuleschwänzen, träumen: Yasin El Harrouk liest das gefeierte Debüt als Hörbuch.

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Von Autor/in Oliver Lovrenski

Beste Freunde

Ihre Väter sind fort, gewalttätig oder am Leben zerbrochen, ihre Mütter erschöpft. Dort, wo sie aufwachsen, in den Häuserblocks von Oslos Multikulti-Viertel Grønland, gilt das Gesetz der Straße – und das wird rauer, je älter sie werden. Sie heißen Ivor, Marco, Arjan und Jonas. Ihre Eltern stammen aus Kroatien, Somalia, Indien und Norwegen. Sie sind beste Freunde, egal, was kommt.

Kein Platz für Träume

Und es kommt viel. Mit zwölf hatten sie noch Hoffnung und wollten Anwälte werden. Doch die verheerenden Zustände, in denen sie leben, lassen keinen Raum für eine glorreiche Zukunft. Da gilt der Augenblick und das Durchkommen, irgendwie, und schnelles Geld zählt mehr als gute Noten.

Drogen und Mädchen

Ihr Treffpunkt ist die Straße. Mit schmerzhafter Zwangsläufigkeit nehmen sie Hasch, dann Liquid Ecstasy, verlieben sich und leiden, werden Dealer und Opfer, gewalttätig, kriminell und liebebedürftig, im Herzen Jungs, die „Mama“ sagen möchten und mehr als ein „Muttern“ nicht rausbringen, die nur sich haben, und auch das nur, wenn es ihnen gelingt, am Leben zu bleiben.

  • Oliver Lovrenski: Bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann (1/4)

    Seit der Grundschule ist Marco Ivors engster Freund. Damals waren sie die Besten in der Klasse und der Plan war klar: Anwälte mit eigenen Büros, direkt nebeneinander. Aber das ist so ewig her, dass Ivor sich kaum mehr daran erinnern kann. Arjan und Jonas kamen erst später dazu. Und auch wenn sie sich manchmal schwer auf die Nerven gehen: Sie sind family. Das ist das Einzige, was zählt.

  • Oliver Lovrenski: Bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann (2/4)

    Mit dreizehn, vierzehn ändert sich was. Da kommen die Messer, die Drogen, Diebstähle und Gewalt. Und Mädchen. Ein endloser Stress. Mit dem Jugendamt, den Sozialarbeitern, den anderen Gangs. Das macht dich zum Mann, auch wenn du einsteckst. Und Schule war gestern.

  • Oliver Lovrenski: Bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann (3/4)

    Ayla jobbt im Kiosk, studiert Zahnmedizin und ist vier Jahre älter. Ivor ist unsterblich in sie verliebt. Aber wie passt das zusammen, Beziehung und Straße, und welches Mädchen hält das aus, wenn nie klar ist, ob man die nächste Schießerei überlebt? Und überhaupt: Wer braucht schon Frauen?

  • Oliver Lovrenski: Bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann (4/4)

    Und manchmal taucht die Frage auf, wie es wäre, wenn das Leben anders verlaufen wäre, wenn man wo anderes abgebogen wäre, aber eigentlich ist es für solche Fragen schon viel zu spät, findet Ivor. Und tatsächlich wird es immer noch schlimmer. Doch wenn es besser war, als man jünger war – was spricht dann eigentlich dagegen, dass es nicht auch wieder besser werden kann, wenn man älter wird?

Buchkritik Jungs, die Könige sein wollen: Oliver Lovrenskis Roman „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“

Kurze, knappe Sätze. Eine Sprache voll mit Slang und gemischt mit englischen, arabischen und somalischen Wörtern. Vier Jungs, die dealen, die Schule schwänzen und träumen.

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Hörbuch Authentisch: Yasin El Harrouk liest „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann?“ von Oliver Lovrenski

Ivor, Marco, Arjan und Jonas lieben sich wie Brüder – und würden das auch zugeben. Auch wenn sie sonst die harten Jungs geben, die sie auch sind: Drogen, Partys, Messer. Ärger sollte man sich mit ihnen nicht einhandeln. Oliver Lovrenski erzählt schonungslos ehrlich, wie es in den finsteren Vierteln Oslos zugeht und Yasin El Harrouk bringt den Rhythmus seiner Sprache zum Glänzen – so klingt echte street credibility.

SWR Kultur am Samstagnachmittag SWR Kultur

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Autor/in
Oliver Lovrenski