Buchtipp: "Dass es uns überhaupt gegeben hat" von Marco Wanda

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Von Autor/in Fuß, Katharina

Wer schon mal auf einem Wanda-Konzert war, kennt das besondere Gefühl in der Menschenmenge loszulassen und Teil der Amore-Gemeinschaft zu werden. Dieses Gefühl können nur wenige Bands vermitteln – aber schafft Marco Wanda es auch in seinem Buch seine Gefühle so echt rüberzubringen?

Klare Antwort: Ja. Und zwar weil man darin die Euphorie des Aufstiegs so sehr spürt, dass es einen lächeln lässt, weil man bei witzigen Geschichten das Gefühl hat, dabei zu sein. Aber auch so, weil man nach jedem Exzess voll mit Partys, Drogen und Randale fast selbst einen Kater bekommt und weil einen, die Schattenseiten des Ruhms voller Leere, Einsamkeit und peinlicher Zwischenfälle traurig machen.

Was im Buch "Dass es uns überhaupt gegeben hat" erzählt wird, ist nichts wahnsinnig Überraschendes: Es ist die Geschichte einer Rockband mit allen Klischees,die man sich so vorstellen kann. Und doch ist es so, wie es Marco Wanda geschrieben hat, berührend.

Autor Marco Wanda
Autor Marco Wanda

Es geht vor allem um die besondere Freundschaft, die die Bandmitglieder verbindet und auch als Band zusammenhält.

Diese Band war auf Freundschaften aufgebaut. Und das hat uns über lange Strecken geholfen, nicht den Verstand zu verlieren.

Marco Wanda erzählt im Buch, dass sie betrunken und zugedröhnt auch viele andere Musiker vor den Kopf gestoßen haben. Wie die Bandmitglieder Hotelzimmer zerstören oder es sogar geschafft haben ein ganzes Dorf zu zerlegen und mit welchem schlechten Gewissen, er dort weggefahren ist. An solchen Stellen wird klar, im Buch steckt auch Selbstkritik und Entschuldigung.

Außerdem lernt man einiges über die Songs: Zum Beispiel, dass Marco Wanda den Song "Weiter Weiter" und die Zeile darin "Sie ham an Krieg gesehen, sie wern` uns nie verstehen" in Ägypten zur Zeit des Arabischen Frühlings geschrieben hat.
Oder dass es die Tante Ceccarelli aus dem Song "Bologna" wirklich gegeben hat und dass sie wirklich in Bologna "Amore gemacht" hat.

Auch wenn man spürt, wie sehr Marco Wanda den Erfolg wollte, merkt man beim Lesen wie die Intensität des Erfolgs ihn auch kaputt gemacht hat.

Was die Öffentlichkeit lange nicht wusste: der Wanda-Keyboarder Christian Hummer hatte Krebs und ist 2022 mit Anfang 30 gestorben. Was sein Tod mit der Band gemacht hat, wird im Buch auch deutlich. Und dass am Ende alle verbliebenen Bandmitglieder eine Therapie beginnen, zeigt, es gibt einiges zu verarbeiten.

Ich weiß nicht, ob es schon jemals einem Journalisten oder einer Journalistin gelungen ist, Marco Wanda im Interview sagen wir es mal flapsig "zu knacken".

Und jetzt weiß ich, wer Marco Wanda geknackt hat, ist er selbst, in diesem Buch. Und ja, er hatte natürlich die Wahl, was er von sich preisgibt und was nicht. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass er sich in irgendeiner Weise geschützt hat oder besonders gut dargestellt hat. Er ist ehrlich, zu sich, zu seinem Umfeld und zu seinem Leben.

Den letzten Satz des Buches "Es hatte noch gar nicht angefangen, da wollte ich bereits, dass es nicht mehr aufhört", den fühle ich genauso wie das ganze Buch. Und dass die Geschichte damit endet, dass Marco Wanda aufhört zu trinken und dass er so öffentlich festschreibt, ist mutig und zeigt einmal mehr, wie echt und nahe er sich im Buch seinem Publikum zeigt.

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Fuß, Katharina