Wer zu Ostern nur an flauschige, harmlose Häschen denkt, sollte dieses Buch lesen: Jasper Ffordes Roman „Wie die Karnickel“.
Fforde entwirft ein alternatives Großbritannien, in dem vermenschlichte Kaninchen ganz selbstverständlich Teil der Gesellschaft sind. Doch im Dorf Much Hemlock zeigt sich schnell: Idyllisch ist hier gar nichts. Die Kaninchen werden systematisch ausgegrenzt und schikaniert – ein deutlicher Verweis auf gesellschaftlichen Rassismus.
Im Mittelpunkt steht Peter Fox, der Nachbar von nebenan und Mitarbeiter der Rabbit Compliance Taskforce, einer staatlichen Behörde zur Überwachung und Kontrolle der Kaninchen.
Er gerät in einen Konflikt: zwischen seiner Arbeit und seiner früheren Collegeliebe, der Kaninchendame Connie – und damit auch zwischen moralischem Anspruch und bequemer Anpassung.
Mittäter im ungerechten System
Gerade diese Ambivalenz macht ihn zu einer spannenden Figur. Obwohl Fox nichts gegen die Kaninchen hat, arbeitet er für eine Regierung, die sie unterdrückt.
Schritt für Schritt wird er so zum stillen Mittäter eines Systems, das er eigentlich nicht unterstützt. Er ist nicht der gute Mensch, für den er sich hält, sondern Teil eines ungerechten Apparats.
Ffordes Schreibstil ist flott und detailreich, seine erfundene Welt bleibt im Kopf. Die Parallelen zu George Orwells „Farm der Tiere“ sind unverkennbar: Auch hier stehen sich eine dominante Gruppe und eine unterdrückte Minderheit gegenüber.
„Wie die Karnickel“ ist also mehr als eine ungewöhnliche Hasengeschichte – es ist eine kluge Erzählung darüber, wie Ungerechtigkeit durch stilles Mitmachen entsteht.
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