Große Party mit Jeff Kinney
Was gehört alles zu einer guten Party? Luftballons, Torte, Überraschungen und jede Menge Gäste. An all das hatte Greg-Erfinder Jeff Kinney bei seiner Bühnenshow gedacht: Partyspiele wie ein Bücherquiz oder ein Süßigkeiten-Geschmacksraten. Die Kinder hatten die besseren Chancen, die Lacher waren auf Seiten der Eltern. Nur der Clown Herr Trübsinn war ein Reinfall: Der Name sagt schon alles ...
Die Geburtstagsshow funktionierte ganz ähnlich wie die Methode, nach der Jeff Kinney auch seine Bücher schreibt. Er sucht sich ein Thema (hier: Geburtstagsparty) und listet alles auf, was dazu gehört, also Geschenke, Kuchen, Gäste usw. Dann subtrahiert oder multipliziert er diese Komponenten, fragt sich: Was wäre, wenn es keine Geschenke gäbe oder zu viele Gäste?
Wenn man das macht, kommt man auf lauter lustige Ideen. So schreibe ich alle meine Bücher.
Die Idee, Texte und Zeichnungen zu mischen, kam Jeff Kinney durch sein eigenes Tagebuch, das genauso aussah: handgeschriebener Text und kleine Comic-Zeichnungen. So entwickelte er mit dem Comic-Roman ein eigenes Genre, das vor allem bei Jungs funktioniert, die nicht gerne lesen. Das Geheimnis: Spaß statt Arbeit.
Wenn man meine Bücher aufschlägt, sehen sie eher nach Spaß aus, nicht nach schwerer Lesearbeit. Und Humor ist gut – das hält Kinder am Lesen.
Ein normaler Junge wird zum weltweiten Bestseller
Fans auf der ganzen Welt geben Jeff Kinney recht. 300 Millionen Exemplare in 70 Sprachen hat er verkauft und das, obwohl Greg ein ganz normaler Junge ist. Das macht ihn auch ziemlich unverdächtig, in den Fokus der selbst ernannten Buchwächter in den USA zu geraten. Diese verbannen nämlich bestimmte Bücher aus Bibliotheken.
Jeff Kinney gibt selten politische Statements in seinen Büchern ab, aber Band 18, auf Deutsch „Kein Plan von nix“, ist beispielsweise eine Parodie auf diese Diskussion. Damit wollte er zeigen, wie lächerlich er die „Book-Bans“ findet. Die Zeiten in den USA seien wild und hässlich, aber Bücher könnten helfen, meint Jeff Kinney.
Denn wenn Bücher eins können, dann das: Empathie auslösen. Bücher, die uns von Menschen erzählen, die anders sind als wir, geben uns die Chance, uns in ihre Situation zu versetzen. Die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Bücher könnten theoretisch die Lösung sein. Aber ausgerechnet Bücher von marginalisierten Personen werden in den USA aus den Regalen genommen, weil sie anders sind.
„Gregs Tagebuch“: Zwanzig Bände und kein Ende?
Vor 18 Jahren hat Jeff Kinney den ersten Band von Gregs Tagebuch veröffentlicht. Eigentlich wäre die Titelfigur also längst erwachsen. Aber Charaktere, die sich nicht verändern, geben Kindern Sicherheit, sagt Jeff Kinney, ähnlich wie Donald Duck oder Charlie Brown.
Bewusst hat er diesen etwa 11-jährigen Jungen gewählt, weil in der Middle-School sehr unterschiedlich entwickelte Kinder zusammengeworfen werden. Das ist eine gute Ausgangssituation für lustige Geschichten. Genauso wie die Tatsache, dass Greg eher unterdurchschnittlich begabt ist, aber trotzdem alles für die Nachwelt festhält: Es sind ja keine Tagebücher, sondern Memoiren.
Neben dem Schreiben betreibt Jeff Kinney gemeinsam mit seiner Frau einen Buchladen mit dem Namen „An unlikely story“ (Eine unwahrscheinliche Geschichte). Der Titel spielt allerdings nicht auf seine ungewöhnliche Karriere an – vom erfolglosen Comiczeichner zum Weltbestsellerautor, sondern er bezieht sich auf den Ort: Ein Buchladen in Plainville, Massachusetts.
Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat eine lange Geschichte. Es war ein Kaufhaus, eine Apotheke, ein Restaurant, wieder ein Kaufhaus – und nun ein Buchladen mit Café, das dem Ort auch als Treffpunkt dient. Jeff Kinney hat in den vergangenen Jahren einfach immer weiter gemacht, ohne groß nachzudenken.
Und was kommt jetzt? Oh, das versuche ich gerade herauszufinden.
Ob zwanzig Bände „Gregs Tagebuch“ genug sind? Seine Fans sehen das sicher anders.