Einer der berühmtesten Hasen der Weltliteratur ist eigentlich gar keiner, sondern ein Kaninchen. Es hetzt durch die Traumlandschaft von „Alice im Wunderland“, immer auf Achse, immer irgendwie zu spät.
Aber genau dieses Kaninchen eröffnet erst das wundersame Reich, in das sich Alice sich verirrt. Zu Beginn von Lewis Carrolls Meisterwerk verschwindet es in seinem Bau. Und Alice springt hinterher. Damit sind Welt und Zeit aus den Fugen.
Warum ein Kaninchen? Weil wir uns doch auch im Zirkus fragen, wo und wie um Himmels Willen das herbeigezauberte Pelztier im Zylinder seinen Platz finden konnte. Genau darauf gibt der Roman „Alice im Wunderland“ eine phantasievolle Antwort.
Der Märzhase
Aber es gibt einen echten Hasen im Roman, er heißt der „March Hare“, der Märzhase, und ist einer der übellaunigen Teilnehmer einer verrückten Tee-Gesellschaft, auf die Alice stößt. Der wichtige andere ist der Mad Hatter, der verrückte Hutmacher.
Miesepetrig sind sie alle beide. Sie lieben Aporien, Paradoxien und Rätsel, aber nicht etwa, um Alice zu unterhalten, sondern um sie zu quälen.
Was aber ist ein Märzhase? Der Märzhase ist genauso verrückt wie der Mad Hatter, weil im März die Hasen durchdrehen. „mad as a march hare“ ist darum eine typische englische Redewendung.
Verrückt sind die Hasen im März weil sie, vulgo, rallig sind, aber davon ist natürlich im Roman „Alice im Wunderland“ nicht die Rede. So viel Kinderbuch muss sein.
Jetzt haben wir wieder März, es ist bald Ostern. Aber leider sieht man kaum noch Hasen. Doch es gibt ein anderes Tier, das man eher bemerken könnte und das man getrost den verrückten Märzhasen an die Seite stellen kann. Und das sind die liebestollen Amseln! Mad Blackbird.
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