Charlotte Brandi: Aufgewachsen in einem Künstlerhaushalt
Charlotte Brandi wurde 1985 in Herdecke geboren und wuchs in einem Umfeld auf, indem Musik schon immer eine wichtige Rolle spielte. Ihre Eltern, Klara Brandi und Peter Freiberg, spielten erfolgreich in gleich mehreren Bands. Die Begeisterung für die Musik schwappte schon früh auf Brandi wieder.
Im Alter von gerade mal fünf Jahren brachte sich die Künstlerin selbst das Klavierspielen und Komponieren bei. Nach mehreren lokalen Bandprojekten gewann sie dann mit 16 Jahren bei einem Musikwettbewerb am Bodensee ihren ersten Publikumspreis. Acht Jahre später folgte ihr erstes als Engagement als Theatermusikerin. Das Landestheater Tübingen engagierte sie für mehrere musikalische Produktionen.
„Me and My Drummer“: Der Durchbruch als Musikerin
An eben jenem Theater lernte Brandi 2009 den Schlagzeuger Matze Prölloch kennen. Zusammen gründeten sie das Dream-Pop Duo „Me and My Drummer“. Mit ihrem Debütalbum „The Hawk, The Beak, The Prey“ (2012) und dem Nachfolger „Love is a Fridge“ (2016) erspielten sie sich eine treue Fangemeinde und machten sich in der Indie-Szene einen Namen.
Nach zwei erfolgreichen Alben und über 300 Konzerten in ganz Europa ging das Duo Anfang 2018 aber getrennte Wege. Gerade mal ein Jahr später veröffentlichte Brandi ihr erstes Solo-Album. „The Magician“ erschien bei PIAS Recordings. Bei dem Hamburger Plattenlabel ist unter anderem auch der deutsche Liedermacher Gisbert zu Knyphausen unter Vertrag.
Der Schritt zur Solokarriere: Charlotte Brandis Soloprojekt
Ihr erstes Soloalbum „The Magician“ (2019) markiert einen stilistischen Wandel hin zu einem vielseitigeren musikalischen Ausdruck. Brandi integriert in ihrer Musik vermehrt orchestrale Elemente. Zu den bekannten Klavierklängen gesellen sich nun auch die Klangfarben von Streichern, Flöten und Orgeln.
Auch lässt die Musikerin ihre ohnehin ausdrucksstarke und vielschichtige Stimme auf manchen Songs von einem Chor begleiten. Schließt man beim Hören der Platte die Augen, drängen sich unweigerlich verschiedene Filmassoziationen auf. Fast scheint es, als hätte Brandi ihre Songs für die große Kinoleinwand geschrieben.
Kooperationen und musikalische Vielfalt: Charlotte Brandi und ihre Partnerschaften
Neben ihren Soloarbeiten ist Brandi aber auch für ihre musikalischen Kooperationen bekannt. Eine besondere Zusammenarbeit ergab sich mit Dirk von Lowtzow von „Tocotronic“ für den Song „WIND“. Das Duett findet sich auf ihrer ersten deutschsprachigen EP „An das Angstland“ (2020).
Zum Entschluss, ihre Songtexte künftig in ihrer Muttersprache zu schreiben, inspirierte Brandi ihr musikalischer Weggefährte Tristan Brusch. Der deutsche Popmusiker arbeitete unter anderem bereits mit Künstlern wie Mine, Cro und Fatoni zusammen.
Testen, was die deutsche Sprache aushält
Seitdem erprobt sich Brandi immer wieder in neuen Stilen. Wie bei den Bands der Hamburger Schule ist ihr Ziel dabei zu erkunden „was die deutsche Sprach an musikalischem Experiment so alles aushält.“ Das sagte Brandi im Reflektor-Podcast von Jan Müller (Tocotronic).
Außerdem gründete sie gemeinsam mit Max Gruber (Drangsal), Julian Knoth (Die Nerven) und Thomas Götz (Beatsteaks) die Band „Die Benjamins“ – ein Projekt, das aus der gemeinsamen Bewunderung für Annette Benjamin, die Sängerin der Punkband „Hans-A-Plast“, entstand.
2022 veröffentlichte Brandi ihr erstes deutschsprachiges Album ‚An den Alptraum‘ – eine rein unter FLINTA-Beteiligung produzierte Platte. Sie traf diese Entscheidung bewusst, da es ihrer Kenntnis nach zuvor kein vergleichbares Werk auf dem deutschen Markt gab.
Theatermusik als weiteres künstlerisches Standbein
Neben ihrer Arbeit als Singer-Songwriterin komponiert Brandi nach wie vor Musik für Theaterproduktionen. Zu ihren Wirkstätten zählen unter anderem das Luzerner Theater, das Theater und Orchester Heidelberg und das Hans Otto Theater in Potsdam. Am Staatstheater Augsburg lieferte sie zum Beispiel 2024 den atmosphärischen Sound zur Inszenierung von „Romeo und Julia“.
Charlotte Brandis literarisches Debüt: „Fischtage“ als neues Kapitel
Mit „Fischtage“ legt Charlotte Brandi 2025 ihr gelungenes Romandebüt vor – eine atmosphärische Coming-of-Age-Geschichte, die von Wut, Einsamkeit und der Suche nach Halt erzählt. Im Zentrum steht die 16-jährige Ella, die unter unkontrollierbaren Wutanfälle leidet und zusehends vereinsamt. Ihre exzentrischen Künstler-Eltern sind allerdings mit eigenen Problemen beschäftigt.
Als Ellas jünger Bruder Luis plötzlich verschwindet, bleibt der Außenseiterin daher nichts anderes übrig sich allein auf die Suche nach ihm zu machen. Begleitet wird Ella dabei von einem alten, singenden Plastikfisch und einer Hartnäckigkeit, die sie selbst überrascht.
„Für mich war von Anfang an klar, dass Dortmund eine zentrale Rolle spielen muss“, sagt Brandi über den Schauplatz der Geschichte. Die Stadt wird in „Fischtage“ nicht nur Kulisse, sondern ein eigener, lebendiger Charakter – mit grauen Hinterhöfen, flackernden Neonlichtern und einer unterschwelligen Härte, die sich auch in Brandis direkter, aber poetischer Sprache spiegelt.
„Fischtage“ überrascht und berührt zugleich
Das Schreiben eines Romans bedeutete für Brandi eine völlig neue Art des künstlerischen Ausdrucks: „Ich hatte das Gefühl, mir selbst Segeln beizubringen – alleine, auf offener See.“ Doch der Prozess hat Lust auf mehr gemacht: „Ich habe gerade erst angefangen zu lernen, wie viel da eigentlich noch geht in dieser Kunstform.“
Mit „Fischtage“ beweist Charlotte Brandi einmal mehr ihr Gespür für Stimmungen, Zwischenräume und existenzielle Fragen – ein Talent, das sich schon in ihrer Musik zeigte, nun aber eine neue Form gefunden hat.