Der Ex-Sänger der Soul-Rock Band Six Was Nine, Achim Degen, erzählt, wie der Erfolg des Songs "Drop Dead Beautiful“ sein Leben verändert hat.
Achim Degen hört seinen Song nur noch selten im Radio
SWR1: Wie oft kommt es vor, dass du den Leuten im Gespräch sagen musst, dass du das gesungen hast? (lacht)
Achim Degen: Das ist eine schwierige Frage. Ich habe es tatsächlich selbst schon lange nicht mehr im Radio gehört, aber meine Freunde, Bekannte und auch meine zum Glück noch lebende Mutter.
Wenn sie Glück haben und es im Radio gehört haben, informieren sie mich darüber. So direkt werde ich eigentlich nicht mehr darauf angesprochen.
Six Was Nine haben ihren Erfolgshit von einer echten Hitfabrik
SWR1: Den Song "Drop Dead Beautiful" habt ihr von einer echten Hitfabrik von Mick Leeson und Peter Vale bekommen. Die haben zum Beispiel auch Charles & Eddies "Would I Lie To You" geschrieben. Dass ihr den Song bekommen habt, war wahnsinniges Glück.
Degen: Absolut. Niemand anderes als der große Tom Jones, die walisische Superröhre, hatte den für ein mögliches Projekt tatsächlich auch optiert. Aber er hatte nicht rechtzeitig die Option gezogen und den Titel zugesagt.
Wir waren da tatsächlich ein bisschen früher in der Produktion und konnten den Titel dann herausbringen. Tom hat ihn dann liegen gelassen und wir haben ihn bekommen.
Wie sich das Leben mit dem Erfolg veränderte
SWR1: Was für ein Glück für euch, sonst wäre das mit dem Erfolg in den Neunzigern wahrscheinlich sehr viel schwieriger gewesen. Ihr hattet in vielen Teilen Europas damit einen Charterfolg und wart plötzlich berühmt. Wie hat das euer Leben verändert? Wie hat es dein Leben verändert damals? Was ist da Verrücktes passiert?
Degen: Vieles, wir waren viel unterwegs. Ich hatte vorher in Coverbands in der Gegend gespielt und hatte mit Markus [Mitmusiker Markus Tiedemann Anm. der Red.] ein Singer-Songwriter-Projekt.
Das war natürlich von heute auf morgen in einem richtig professionellen Umfeld mit Tournee, Platte, Tournee, Auftritte, Fernsehen, Radio, Sendereisen, Medieninterviews. Das war wie Tag und Nacht. Wir waren 1994 und 1995 wirklich dauernd unterwegs.
Der Ex-Sänger und die Band auf Tour mit einem großen Star
SWR1: Ein schöner Nebeneffekt des Erfolges war, dass ihr für Tina Turner im Vorprogramm ihrer Wildest Dreams Tour '96 gespielt habt.
Degen: Richtig. Wir wurden vom Management eingeladen, Tina auf knapp 30 oder 33 Konzerten zu supporten.
Die private Begegnung mit Tina Turner
SWR1: Da reibst du dir doch die Augen, wenn Tina Turner plötzlich vor dir steht und Hallo sagt.
Degen: Ja, es gab tatsächlich eine private Begegnung jenseits der Meet-and-Greet-Situation, wie man früher sagte. Ich habe sie in München, ich glaube, es war in der Olympiahalle, supportet.
Ich hab mich gerade umgezogen und hatte mir ein Sandwich gemacht und hatte da eine Worcester Sauce, eine Brown Sauce, wie man so schön sagt, darauf.
Auf einmal hörte ich eine raue Stimme hinter mir: "so you like Brown Sauce". Ich drehte mich um und da stand sie in der Umkleide bei mir. Dann sah sie mich, wie ich das Sandwich zusammenbutterte.
Ich hab natürlich gesagt, dass ich Brown Sauce mag. Mehr ist mir in dem Moment auch nicht mehr über die Lippen gekommen. Ich war schon ziemlich aufgeregt.
SWR1: Es kann nicht jeder von seiner Karriere behaupten, dass er beim Sandwichessen von Tina Turner erwischt worden ist.
Degen: Nein, ganz bestimmt nicht. (lacht)
Auftritte auf Radio-Feten
SWR1: Die musikalischen Trends um euch herum waren ja durchaus andere. Eurodance und Grunge, gab es ganz viel. Ihr habt die Kollegen, die Eurodance und ganz andere Richtungen gemacht haben, auch auf getroffen Festivals.
Degen: Wir haben mit denen auch auf Radio-Feten performt, unter anderem auch die berühmte Bravo Fete in München. Da haben wir mit allen gespielt: Brooklyn Bounce, Captain Jack, Haddaway, mit Mister President, mit Culture Beat, auch die Kelly Family, die ja damals so etwas wie die deutschen Beatles waren.
Die hatten wirklich Hysterie ausgelöst. Im Speziellen bei den Kellys war das so, dass wir nicht weiter wahrgenommen wurden. Das war ja "Kellymania" in Deutschland.
Die Leute haben halt auf die Kellys gewartet und sind dann dementsprechend ausgeflippt, wenn ein Kelly nur über die Bühne gespitzelt hat. Das wurde schon bemerkt und mit Schreien goutiert. Die galten nicht den jeweiligen Künstlern, sondern den Kellys.