Heute geht es Ina Deter nicht mehr nur um die Männer im Land
SWR1: Auf deiner neuen Best-of-Box "So wie ich bin – 50 Jahre Ina Deter" sind Songs wie "Neue Männer braucht das Land" und "Ob blond, ob braun, ob henna" drauf. Würdest du diese Songs heute noch so schreiben?
Ina Deter: Kurz und knapp eine Antwort. Heute würde ich schreiben: Neue Männer braucht die Welt.
Guck dir das doch mal an, daran kommen wir nicht vorbei. Erst der Harvey Weinstein, dann der Epstein. Wo sind wir denn? Um die ganze Welt sind irgendwelche Politiker – oder bis ins Königshaus geht es: Prinz Andrew. Da fasst er dir doch an den Kopf, das hätte sich doch niemand ausdenken können. Jetzt geht es um die Männer in der Welt.
Heute würde ich schreiben: Neue Männer braucht die Welt.
Wie sich Ina Deter im Musikbusiness behaupten musste
SWR1: Anfang der 80er hast Du gefordert, dass die Männergesellschaft sich ändern muss. Du bist auch früh mit der Frauenbewegung um Alice Schwarzer in Berührung gekommen, lange bevor Du selbst berühmt gewesen bist. Welche Kämpfe hast Du im Musikbusiness damals in den 80ern konkret geführt?
Deter: Meine Zuhörerschaft waren natürlich am Anfang die Frauen. Ohne die wäre es gar nicht so weit gekommen. Als das Publikum hauptsächlich weiblich war, haben sich dann ein, zwei Männer mal verirrt und von hinten los geschrien. Ich kann mich erinnern, dass das der erste Schock war, den ich hatte, und konnte noch nicht darauf reagieren.
Als wir in der Garderobe waren, hat Micki (Micki Meuser, damaliger und wieder heutiger Produzent, Anm. d. Red.) dann gesagt: Ina, du darfst dich nicht davon aus dem Konzept bringen lassen. Das nächste Mal – und es gab ein nächstes Mal – sage was dazu und lass das nicht einfach so stehen. So fing ich langsam an, mich zu verteidigen. In dem Sinne, in dem ich sagte, wenn es euch nicht gefällt, geht an die Kasse und holt euch einen Eintritt wieder. Das war das Publikum.
Aber die Kritiken, die ich gekriegt habe – das war unglaublich. Zum Beispiel hat unser Tourbegleiter mal mitgekriegt, wie sich zwei Journalisten unterhielten und der eine gesagt hat, die kann machen, was sie will, aber die kriegt sowieso einen Verriss.
Das war die andere Seite. Die hatte nichts mit dem Konzert zu tun. Das war einfach dieser - ich will das jetzt nicht übertreiben - aber "Hass" ist ein richtiges Wort dafür. Der Hass war groß.
Und ich habe eine Anzeige gekriegt, wegen "Neue Männer braucht das Land, ich sprühe es auf jede Wand". Das muss man sich mal vorstellen, als Aufruf zur Sachbeschädigung, weil ich gesungen habe, ich sprühe es auf jede Wand.
"So wie ich bin – 50 Jahre Ina Deter": Eine Zeitreise mit neuem Sound
SWR1: Du hast nach 17 Jahren eine neue Single rausgebracht: "Wenn wir nicht brennen". Die neue Single ist auch mit in Deiner neuen Box. Dort hast Du unter anderem Deine ganzen großen 80er-Songs auch mit drauf. Teilweise remastered, also einfach nochmal vom Master aufpoliert. Ihr habt aber auch Neumixes gemacht und seid an die originalen Mehrspuraufnahmen noch einmal rangegangen. Das muss eine Zeitreise für Dich gewesen sein.
Deter: Absolut, ich habe teilweise meine alten Lieder nicht wiedererkannt. So toll waren die, und ich höre sie mir selber noch nachts an, wo ich denke, das glaube ich jetzt echt nicht, was der Micki daraus gemacht hat. Das hat der Micki drauf, er ist ein toller Produzent und Musiker, spielt selber Bass und kennt meine Lieder von früher.
SWR1: Es ist ja kein Geheimnis, dass Du eine Krebserkrankung hattest. Ganz kurz, wie geht es Dir jetzt?
Deter: Ja, mir geht's gut. Ich kann mich nicht beklagen. Ich danke meinen Schutzengeln jeden Tag. Und wirklich, hätte ich die nicht, gäb's mich nicht mehr, so einfach ist das.
Das ganze Interview könnt ihr oben im Audio anhören.