Wenn Helge Schneider am Sonntag in Speyer beim SWR Kultur Open Air auftritt, wird es ein besonderes Konzert: Zum ersten Mal spielt er mit der SWR Big Band. „Ich hatte ja selber mal eine Band mit elf Leuten – aber das hier ist noch größer“, sagt Schneider im Gespräch mit SWR Kultur. Wie viele Musiker es genau sind, weiß er nicht. „Das werde ich dann feststellen.“
Doch schon jetzt freut er sich auf die neue Erfahrung: „Wenn ein Arrangeur verrückte Sachen schreibt, kommt das erst im Zusammenspiel richtig heraus.“ Dass er dafür nur einen Tag probt, scheint ihn nicht zu beunruhigen. „Ich spiele so, wie ich kann“, sagt er trocken.
Die sollen uns nicht so weit kriegen, dass wir nicht mehr lachen können.
Wichtig sei nur, sich nicht treiben zu lassen. Gerade mit vielen Musikern könne das passieren: „Wenn der Schlagzeuger hitzig wird, denkt man schnell, man müsste besonders schnell spielen.“ Dabei geht es ihm um etwas anderes – um Ruhe, um Klarheit, auch um Schönheit. „Es soll ja schönes Wetter sein, da muss man die Musik auch verstehen können.“
Kein Studio, sondern Klimperclown
Statt neuer Platte – das letzte Album „Torero“ erschien 2023 – hat Schneider gerade einen Film gemacht: „The Klimperclown“, ein autobiografisches Werk, das beim Filmfest München Premiere feiert. Musik, Filmmusik, Schnitt – „das war ganz schön viel“, sagt Schneider.
Trotzdem seien schon neue Songs aufgenommen, „vielleicht ist die Platte auch schnell fertig“. Aber erst mal geht’s auf Tour: 35 Konzerte bis Jahresende, „wir sind irre gerne unterwegs, essen Eis, kaufen Hemden – und dann geht’s weiter“.
Trailer zum neuen Helge-Schneider-Film:
Humor in Zeiten von Kriegen, Klimawandel und KI
Und wie ist das eigentlich: Kommt der Komiker bei all der Musik nicht zu kurz? Schneider kennt den Erwartungsdruck, aber er lässt sich nicht verdrücken. „Ich bin von Haus aus lustig“, sagt er. Der Spaß an der Musik gehe dadurch nie verloren. Und auch wenn die Welt sich immer absurder anfühlt – mit Kriegen, Klimawandel, KI – bleibt für ihn klar: Lachen ist wichtig.
„Man muss cool bleiben“, sagt er. Und: „Die sollen uns nicht so weit kriegen, dass wir nicht mehr lachen können.“ Es sei gefährlich, sich an die tägliche Gewalt zu gewöhnen. „Wenn irgendwo eine Bombe herunterfällt, findet man das plötzlich normal. Das ist Quatsch.“
Humor sei keine Lösung, aber ein Aufbäumen: „Leben unter dem Joch der Zeiten ist schwer. Wenn man nicht mehr lacht, wird man lenkbar.“
Keine Zielgruppe, sondern eine große Familie
Wenn Schneider auf der Bühne steht, blickt er ins Publikum und sieht dort keine Zielgruppe, sondern „eine riesige Familie – Junge, Alte, Linke, Rechte, Mittlere“.
Und manchmal erreicht seine Musik Menschen auf ganz besondere Weise: Ein Käsespezialist aus Erlangen nutzt Schneiders Song „Käsebrot“ als Telefonwarteschleife – und Kund*innen bitten darum, nicht sofort den Hörer abzunehmen, um mitsingen zu können. Für Schneider ein Ritterschlag. „Besser als eine goldene Schallplatte.“
Ein Klima-Roman aus den 1920er-Jahren
Selbst sein Buchtipp ist ein stiller Kommentar zur Gegenwart: „Sturz in die Sonne“, ein fast vergessener Klima-Roman aus den 1920er-Jahren vom französischsprachigen Schweizer Charles Ferdinand Ramuz. „Der beschreibt, was passiert, wenn es immer heißer wird – erst denken alle, Sommer, schön – und dann wird’s schlimm.“
Warum ihn das Buch beeindruckt? „Weil er Sätze mehrfach wiederholt – drei-, viermal. Das zwingt einen, langsam zu lesen. Und dann sieht man es richtig vor sich.“
Am 30. August wird Helge Schneider 70 Jahre alt. Und steht an diesem Abend auf der Bühne. „Dann kümmern sich die anderen um die Party. Ich spiel' lieber.“