Sarah Engels: Favoritin mit großer Anhängerschaft
Ganz am Ende versagt Sarah Engels vor Freude fast die Stimme, als sie ihren Gewinnersong „Fire“ noch einmal anstimmen will. Die 33-Jährige wurde vom TV-Publikum zur Siegerin des deutschen Vorentscheids gewählt.
Das ist wenig überraschend, schließlich hat sich die Sängerin durch die Teilnahme bei der Castingshow DSDS, der Tanzshow „Let’s Dance“ und diversen anderen Sendungen, als Influencerin und Boulevard-Liebling bereits seit Jahren eine breite Anhängerschaft erarbeitet.
Dagegen konnten sich die beiden anderen der zuvor von der Fachjury ausgewählten Top drei kaum durchsetzen. Und das ist bedauerlich.
Wavvyboi und Molly Sue: Queere Hymne und persönlicher Song
Vor allem Wavvyboi mit ironischer Fönwelle, femininem Touch und einer kraftvollen, teilweise an Freddy Mercury erinnernden Stimme wäre bei den europäischen ESC-Fans sicher gut angekommen. Der ESC ist seit jeher auch ein Freudenfest der queeren Szene, die Wavvybois Song „Black Glitter“ – schwarzer Glitzer – bestimmt als Hymne gefeiert hätte.
Auch der Song der dritten Finalistin hatte viel Potential. In „Optimist (ha ha ha)“ verarbeitet Sängerin Molly Sue ihre eigene chronische Erkrankung. Auch das ist ein Thema, mit dem sich viele Zuschauer hätten identifizieren können.
Keine Frage: es waren drei sehr gute Songs, die sich bei der zwanzigköpfigen, internationalen und durchweg ESC-erprobten Jury durchsetzen konnten. So saß unter anderem die ukrainische Eurovision-Gewinnerin Ruslana in der Kommission, genauso wie Thomas Thurner, der den Gewinnertitel des Vorjahres aus Österreich mit produziert hat.
Keine Chance für Ragazzki
Sie mussten unter neun Teilnehmenden die besten drei auswählen. Lediglich um den einzigen Spaßtitel der diesjährigen Auswahl – „Ciao Ragazzki“ von Komiker Marti Fischer und David Starosciak – ist es bei der Jury-Entscheidung schade. Er schaffte es nicht unter die Top drei und kam damit nicht in die Publikumswertung.
Der Song erinnert an den im vergangenen Jahr auf dem dritten Platz gelandeten Titel „Espresso Macchiato“ aus Estland und hätte mit seiner eingängigen Melodie und sehr viel Selbstironie sicher auch international punkten können.
Nun wird es also Sarah Engels mit „Fire“, die Deutschland dieses Jahr beim Finale in Wien vertritt. Auftritte wie der von Sarah Engels gelten beim ESC als sichere Bank: knappes Kostüm mit sehr viel Glitzer, eine durchaus starke Stimme, Pyrotechnik und ein peppiger Up-tempo-Titel mit Eurodance-Anmutung.
Die deutschen ESC Fans sind mit der Zeit bescheiden geworden. Seit Lenas Sieg im Jahr 2010 rangierten die deutschen Beiträge meist zuverlässig auf den hinteren Plätzen. „Hauptsache nicht der letzte Platz“ heißt es deshalb alle Jahre wieder. Dieses Ziel dürfte Sarah Engels kaum verfehlen.
Das Finale des Eurovision Song Contest findet am 16. Mai 2026 in Wien statt und wird von der ARD übertragen.