Legendäres Klanglabor

Das SWR NEWJazz Meeting – eine kleine Geschichte

Das „SWR NEWJazz Meeting“ – 1966 vom damaligen SWF Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt ins Leben gerufen – ist bis heute ein legendäres „Klanglabor“.

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Von Autor/in Julia Neupert SWR Jazzredakteurin

Jazz-Workshops als Freiräume der Kreativität

Die Idee von Jazz-Workshops als Orte für ein zwangloses Zusammentreffen von Musiker*innen lag in der Luft, als SWF-Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt 1966 das erste Free Jazz Meeting in Baden-Baden veranstaltete. Man könnte sogar sagen: sie hatte in diesen Jahren in Europa Konjunktur.

Damals entstanden unter anderem der NDR Jazz Workshop (1958), der Workshop de Lyon und Workshop Freie Musik der FMP an der Akademie der Künste in Berlin. Keine dieser Veranstaltungen aber hat so eine lange, bis heute andauernde Erfolgsgeschichte wie das SWR NEWJazz Meeting.

Joachim-Ernst Berendt initiierte und leitete auch zahlreiche Konzertreihen und Festivals, unter anderem die "Jazztime" und das "New Jazz Meeting Baden-Baden" sowie ab 1964 die Berliner Jazztage, das spätere Jazzfest Berlin.
Joachim-Ernst Berendt initiierte und leitete zahlreiche Konzertreihen und Festivals, unter anderem die „Jazztime“ und das „New Jazz Meeting Baden-Baden“ sowie ab 1964 die „Berliner Jazztage“, das spätere „Jazzfest Berlin“. Außerdem war er Produzent unzähliger Jazz-Schallplatten, vor allem für das im Schwarzwald beheimatete Label „MPS“. Archivbild

Kerngedanke des SWR NEWJazz Meetings war und ist, einen möglichst idealen Rahmen zu schaffen für kreative Prozesse. Nicht das Ergebnis steht hier im Vordergrund, sondern das Probieren, das Ausloten von Möglichkeiten. Hier soll Raum und Zeit sein für Experimente und für künstlerische Begegnungen zwischen Improvisator*innen, die sich bisher noch nicht begegnet sind.

Das Free Jazz Meeting als Netzwerktreffen

In der Anfangszeit lud Joachim Ernst Berendt jährlich oft mehr als 20 Vertreter*innen des europäischen – und bald auch amerikanischen Free Jazz ein. Für sie war das jährliche Dezembertreffen in Baden-Baden nicht nur ein willkommenes bezahltes Engagement, sondern auch die Gelegenheit, in einem Rundfunkstudio zu arbeiten und Aufnahmen zu machen.

Das Free Jazz Meeting war nicht zuletzt auch ein Netzwerktreffen, bei dem sich neue musikalische Kontakte knüpfen ließen.

Öffentliche Konzerte ab 1973

Seit 1971 präsentieren sich die Ensembles nach den jeweils mehrtägigen Probenphasen öffentlich im Konzert. 1973 wird die Veranstaltung umbenannt in „New Jazz Meeting“, im Jahr 2003 ändert sich der Schriftzug zu „SWR NEWJazz Meeting.“

Unter anderen Albert Mangelsdorff, Manfred Schoof, Don Cherry, Irène Schweizer, Norma Winstone, Joachim Kühn, Sylvie Courvoisier, Rabih Abou-Khalil, Steve Lacy, George Lewis, Ikue Mori, Ingrid Laubrock oder Melissa Aldana waren bei der traditionsreichen Workshopreihe zu Gast. Die Liste ließe sich endlos fortführen.

Grundidee des Free Jazz Meetings bis heute gültig

In den sechs Jahrzehnten seines Bestehens haben sich immer wieder die Produktionsbedingungen verändert, ebenso in der Jazzredaktion von SWF und SWR die verantwortlichen Redakteur*innen: Joachim Ernst Berendt, Werner Wunderlich, Achim Hebgen, Reinhard Kager, Günther Huesmann und zuletzt Julia Neupert.

Immer wieder gab es auch Neuerungen in der formalen und konzeptuellen Ausrichtung des Meetings – seiner Grundidee aber ist man bis heute treu. Den Soundtrack lieferte Lester Bowie 1969 in Baden-Baden: „Gittin‘ To Know Y’All“.

SWR NEWJazz Meeting – Tradionsreiches Klanglabor

Das „SWR New Jazz Meeting“ – 1966 vom damaligen SWF Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt ins Leben gerufen – ist bis heute ein legendäres „Klanglabor“.
Der Südwestrundfunk lädt Musiker*innen ein, eine Woche lang in einem SWR-Studio neue Ideen und Kompositionen zu entwickeln.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Julia Neupert SWR Jazzredakteurin