Jazz-Workshops als Freiräume der Kreativität
Die Idee von Jazz-Workshops als Orte für ein zwangloses Zusammentreffen von Musiker*innen lag in der Luft, als SWF-Jazzredakteur Joachim Ernst Berendt 1966 das erste Free Jazz Meeting in Baden-Baden veranstaltete. Man könnte sogar sagen: sie hatte in diesen Jahren in Europa Konjunktur.
Damals entstanden unter anderem der NDR Jazz Workshop (1958), der Workshop de Lyon und Workshop Freie Musik der FMP an der Akademie der Künste in Berlin. Keine dieser Veranstaltungen aber hat so eine lange, bis heute andauernde Erfolgsgeschichte wie das SWR NEWJazz Meeting.
Kerngedanke des SWR NEWJazz Meetings war und ist, einen möglichst idealen Rahmen zu schaffen für kreative Prozesse. Nicht das Ergebnis steht hier im Vordergrund, sondern das Probieren, das Ausloten von Möglichkeiten. Hier soll Raum und Zeit sein für Experimente und für künstlerische Begegnungen zwischen Improvisator*innen, die sich bisher noch nicht begegnet sind.
Das Free Jazz Meeting als Netzwerktreffen
In der Anfangszeit lud Joachim Ernst Berendt jährlich oft mehr als 20 Vertreter*innen des europäischen – und bald auch amerikanischen Free Jazz ein. Für sie war das jährliche Dezembertreffen in Baden-Baden nicht nur ein willkommenes bezahltes Engagement, sondern auch die Gelegenheit, in einem Rundfunkstudio zu arbeiten und Aufnahmen zu machen.
Das Free Jazz Meeting war nicht zuletzt auch ein Netzwerktreffen, bei dem sich neue musikalische Kontakte knüpfen ließen.
60 Jahre SWR NEWJazz Meeting – Chronik 1966-2026 (PDF)
Öffentliche Konzerte ab 1973
Seit 1971 präsentieren sich die Ensembles nach den jeweils mehrtägigen Probenphasen öffentlich im Konzert. 1973 wird die Veranstaltung umbenannt in „New Jazz Meeting“, im Jahr 2003 ändert sich der Schriftzug zu „SWR NEWJazz Meeting.“
Unter anderen Albert Mangelsdorff, Manfred Schoof, Don Cherry, Irène Schweizer, Norma Winstone, Joachim Kühn, Sylvie Courvoisier, Rabih Abou-Khalil, Steve Lacy, George Lewis, Ikue Mori, Ingrid Laubrock oder Melissa Aldana waren bei der traditionsreichen Workshopreihe zu Gast. Die Liste ließe sich endlos fortführen.
Grundidee des Free Jazz Meetings bis heute gültig
In den sechs Jahrzehnten seines Bestehens haben sich immer wieder die Produktionsbedingungen verändert, ebenso in der Jazzredaktion von SWF und SWR die verantwortlichen Redakteur*innen: Joachim Ernst Berendt, Werner Wunderlich, Achim Hebgen, Reinhard Kager, Günther Huesmann und zuletzt Julia Neupert.
Immer wieder gab es auch Neuerungen in der formalen und konzeptuellen Ausrichtung des Meetings – seiner Grundidee aber ist man bis heute treu. Den Soundtrack lieferte Lester Bowie 1969 in Baden-Baden: „Gittin‘ To Know Y’All“.